Menschen mit Kopfhörern schlagen mit Klöppeln auf Klinkersteine

AUDIO: „New Hamburg: Veddelogie To Go“: Eine Stadt-Performance (4 Min)

Stand: 12.06.2026 19:00 Uhr

„New Hamburg: Veddelogie To Go“ heißt der neue „Audiowalk“ des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Wer teilnimmt, kann erleben, wie ein Stadtteil klingt. Mit Kopfhörern geht’s zu Fuß durch Hamburg-Veddel.

von Peter Helling

„Niemals aufgeben“, rufen hier Kinder von der Veddel, die das Hamburger Performance-Kollektiv JAJAJA gefragt hat, ob sie mitmachen wollen. Zusammen mit ihnen rufen 15 Gäste mit Kopfhörern und Ensemblemitglieder des Schauspielhauses. Das ist der Sound dieser ungewöhnlichen Stadttour! Es geht ums Mitmachen, ums Mut-Machen und ums Neu-Hingucken.

In Neon-Warnweste durch den Regen

Ringsum Beton, Graffiti: Die Veddel ist ein stark unterschätzter Stadtteil Hamburgs: Backsteinhäuser, Betonburgen, Gleise und Autobahn. Anheimelnd ist das nicht. Die Wolken am Himmel sehen nach Regen aus. Also: Los geht’s, in neonfarbener Warnweste und mit festem Schuhwerk, auf die Tour „Veddelogie To Go“.

Teilnehmer eines Spaziergangs mit Kopfhörern wickeln sich in ein gelbes Tuch

Manche Teile der Performance mögen auf zufällige Passanten seltsam wirken.

Iris Minich und Arvild J. Baud vom Hamburger Performance-Kollektiv JAJAJA gehen voran. Zu Fuß begibt man sich auf eine Reise in die unmittelbare Nachbarschaft, und trotzdem wirkt vieles komplett neu und fremd. Es geht über die mächtigen Elbbrücken und durch dschungelartigen Ufer-Wald direkt unter die Elbbrücken, unter den brausenden Verkehr, ein absoluter Perspektivwechsel.

Hinweise und Musik über Kopfhörer

„‚Schwarmintelligenzig‘ werden wir uns jetzt verteilen und zwar gleichmäßig!“ ertönt es bei den Teilnehmenden aus den Kopfhörern. Darüber geben die Tourguides auch Hinweise, zeigen den Weg, erzählen vom traurigen Stumpf des Elbtowers: „Dieser Elbtower, ist schon vor dem Baustopp gesackt, einseitig“, heißt es da. Oder sie erzählen von verschwundenen Gründerzeitvierteln, wo heute der Verkehr tost. Im Ohr hat man hypnotisierende Sounds und Stimmen.

Viele Menschen haben eine Meinung zur Veddel und wie man auf der Veddel Kunst machen soll. Wie ein gemeinsames künstlerisches Erlebnis schaffen, das für die Gäste und die Gastgeber gleichermaßen stimmig ist?

Zitat Audiowalk

Die Grenze zwischen Realität und Performance verwischt

Wir, die Gäste der Veddel, bekommen Fakten zum Stadtteil und märchenhafte Erzählungen geliefert. Das erzeugt eine besondere Stimmung. Dann heißt es wieder, Kopfhörer-Kanal wechseln! Die Gruppe teilt sich auf, die eine geht zum Fischlokal, die andere steigt ins Gebüsch, folgt geheimen Pfaden. Kunst und Wirklichkeit verbinden sich mit dem eigenen Geh-Rhythmus.

Plötzlich wird alles zur Bühne, Realität und Performance. Etwa, wenn eine Gruppe Kinder auf Fahrrädern scheinbar zufällig auftaucht und mitmacht, kleine Kunststücke auf dem Fahrrad zeigt. Oder dann, wenn die Performance-Gruppe blaue Zuschauerbänke mit Blick auf den Elbtower aufstellen. Wie von Geisterhand schwebt ein roter Stoff-Pavillon durchs Bild, eine Spur Magie.

Bühnenszene mit einer Hund-Puppe und Darstellern

Bei der Inszenierung von Claudia Bauer wird opernhaft deklamiert, jeder Zwischenton fehlt. Das strengt beim Zuschauen an.

Klöppel auf Klinker erzeugen den Klang der Stadt

Schauspieler Yorck Dippe zeigt, wie Klinker klingt, indem er mit Klöppeln auf die massiven Wände trommelt. Jede und jeder aus der Gruppe bekommt einen Klinker in die Hand und darf klinkernd weiterziehen. So entsteht eine eigene Musik – die Veddel gerät ins Schwingen. Wenn man Passanten sieht, die wie man selbst mit Sicherheitsweste vorbeikommen, ist man kurz unsicher: Gehören sie zur Performance? Sind wir, das Theaterpublikum, Voyeure in einem sozial oft geforderten Viertel? Da gibt es schon mal Kopfschütteln oder sogar den Stinkefinger eines Anwohners.

Performance mit Perspektivwechsel

Der Schauspieler Samuel Weiss läuft mit einer großen Uhr vor einer Ziegelwand

Der Schauspieler Samuel Weiss gibt beim Audiowalk Geschichten aus seiner Kindheit preis.

Schauspieler Samuel Weiss übernimmt auf dem blauen Kanal. „Genau, wir machen jetzt Strecke und stellen uns vor eine Ziegelwand“, erklärt Weiss. Er erzählt aus seiner Kindheit und von uralten Mythen. Meistens reagieren die Menschen auf der Veddel freundlich, winken aus einem Café. Es stellt sich die Frage: Wer beobachtet hier wen? Schon für diesen Perspektivwechsel lohnt es sich mitzumachen.

Klar ist: dieser Spaziergang von fast dreieinhalb Stunden ohne Pause fordert heraus: weitet aber den Blick und die eigene Wahrnehmung. Die Veddel: ein spannender Stadtraum mit Kante und Konturen. Wer mitmachen will sollte feste Schuhe und am besten noch einen dicken Pullover mitnehmen.

Ein Mann liegt auf der Bühne, greift sich ans Herz, hinter ihm kniet eine Frau. Im Hintergrund sind Ultraschall-Bilder zu sehen

Im Rahmen des Hamburger Theaterfestivals war das Stück mit Joachim Meyerhoff in der Hauptrolle im Schauspielhaus zu sehen – konnte aber nicht überzeugen.

Deutsches Schauspielhaus in Hamburg,

Am 15. September 1900 öffnet die Sprechbühne in Hamburg. Mehrfach erhält das Schauspielhaus die Auszeichnung „Theater des Jahres“.

Der Außenbereich des Hamburger Auswanderermuseums Ballinstadt.

Die BallinStadt erinnert an die fünf Millionen Menschen, die bis 1934 über den Hamburger Hafen Europa verließen.

Auswanderer marschieren Anfang des 20. Jahrhunderts von Auswandererlager Ballinstadt in Hamburg zum Hafen.

Um 1900 ist Hamburg einer der bedeutendsten europäischen Auswandererhäfen. Millionen Menschen hofften auf Freiheit und Wohlstand.

Menschen mit Kopfhörern schlagen mit Klöppeln auf Klinkersteine

„New Hamburg: Veddelogie To Go“: Der Sound eines Stadtteils

Wer an diesem „Audiowalk“ des Deutschen Schauspielhauses teilnimmt, kann erleben, wie der Stadtteil Veddel klingt.

Datum:
10.06.2026, 18:00 Uhr
Ende:
26.06.2026
Ort:

Treffpunnkt S-Bahnhof Elbbrücken

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Theater