Der Aaper Wald ist mit seinen Hügeln ein beliebtes Ausflugsziel. Zahlreiche Wander- und Reitwege führen unter zum Teil 250 Jahre alten Bäumen hindurch, immer wieder tun sich neue Ausblicke auf, laden Bänke zum Verweilen ein. Der Wald ist aber noch viel mehr als ein reines Naherholungsgebiet. Wer weiß, wie man genauer hinschaut, der kann auch zahlreiche historische Spuren entdecken.

„In der Stadt wurde alles überbaut, im Feld kaputtgepflügt, doch im Wald ist noch alles erhalten. Hier gibt es Geschichte pur – von der Steinzeit bis heute“, sagt Peter Schulenberg. Der ehrenamtliche Archäologe und Heimatforscher untersucht seit vielen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Gaby die Landschaften rund um Düsseldorf und hat zu den Erkenntnissen bereits zahlreiche Schriften veröffentlicht, etwa zu den Wällen eines von 1877 bis 1910 durch die Düsseldorfer Garnison betriebenen Schießstandes.

Seit einiger Zeit wird Peter Schulenberg dabei von Jörg Hierstetter begleitet. Der ehemalige Vorhandwerker beim Forstrevier Mitte kennt jeden Quadratmeter des Waldes und seine Besonderheiten. Gemeinsam mit Schulenberg hat er beispielsweise schon zu ehemaligen Grenzsteinen, Hohlwegen und Bunkeranlagen geforscht. Ihr aktuelles Projekt sei aber „einmalig für unsere Region“ und soll deshalb ein Kulturdenkmal werden.

Was die beiden Forscher so begeistert, sind kleine Wälle und Gräben, die um die große Freifläche rund um Gut Wolfsaap am Bauenhäuser Weg angeordnet sind. Auf diese stießen sie, nachdem ein Freund ihnen eine Kopie einer alten Karte aus dem Landesarchiv NRW aus dem Jahr 1796 zuschickte. „Das ist eine sehr detaillierte Karte des gesamten Aaper Waldes, jeder Hügel, jeder Baum ist dort mit Bezeichnung eingezeichnet“, schwärmt Schulenberg. Auffällig war eine große Freifläche, die von einer Hecke abgegrenzt wurde. „Das hat uns neugierig gemacht“, sagt Hierstetter, der sich an Gräben in diesem Bereich erinnern konnte, denen er aber bislang keine Bedeutung geschenkt hatte.

Die beiden Forscher machten sich daraufhin auf in den Wald und entdeckten, dass die Wälle und Gräben auch heute noch fast komplett die rund 15 Hektar große Fläche rund um das Gut Wolfsaap umgeben, die heute als Pferdeweide genutzt wird. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine sehr dichte dornige Hecke handelte, die auf dem Wall gepflanzt wurde, um größere Wildtiere fernzuhalten“, sagt Schulenberg. Denn damals war das umliegende Gelände ein Jagdrevier, das vom Kurfürsten Jan Wellem und seinem Nachfolger genutzt wurde.

Das Gut Wolfsaap wiederum gehörte damals dem Liebfrauenkloster zu Düsseldorf. Dieses hatte das Anwesen 1392 von Herzog Wilhelm von Berg und seiner Frau geschenkt bekommen. Im Besitz des Klosters blieb das Gut bis zur Auflösung des Klosters 1803. „Das war ein sehr reicher Hof“, sagt Schulenberg, der zudem an der historischen Straße zwischen Gerresheim und Ratingen lag. Aber es gab noch einen weiteren Zugang, wie Schulenberg und Hierstetter herausfanden. So ist noch ein Hohlweg zwischen dem Gut Wolfsaap und dem ehemaligen Gut Bauenhaus erhalten geblieben. „Der weitgehende Erhalt der die Fläche begrenzenden Wall- und Grabenanlage mit dem begleitenden alten Baumbestand zeichnet das Areal als ein für Düsseldorf einmaliges Kulturlandschaftselement aus“, ist das Fazit der Forscher. Es sei toll, die Funde mit Jan Wellem verbinden zu können.

Ihre Ergebnisse werden sie nun an die zuständigen Ämter wie das Amt für Bodendenkmäler und die Forstbehörde weiterleiten. „Wir arbeiten in enger Abstimmung und mit Genehmigung der zuständigen Ämter“, betont Hierstetter. Ihr nächstes Projekt wollen die Heimatforscher noch nicht bekannt geben. „Wir haben leider erlebt, dass dann Unbefugte die Orte aufgesucht und Dinge beschädigt oder geklaut haben“, sagt Hierstetter. Sogar ein Grenzstein wurde schon entwendet. „Auch die Suche mit Metalldetektoren ist illegal und streng verboten“, betonen die beiden Heimatforscher.