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Die USA wollen ihre militärische Präsenz in Europa verringern. Geplante Kürzungen bei Flugzeugen und Schiffen sorgen bei NATO-Verbündeten für Sorgen.

Washington, D. C. – Die USA planen, ihre militärische Ausrüstung für europäische Verbündete zu reduzieren. Der Schritt unterstreicht die Absicht der Regierung von US-Präsident Donald Trump, das amerikanische Engagement in Europa zurückzufahren. In mehreren Bereichen soll die verfügbare militärische Präsenz verringert werden.

Links landen US-Kampfjets des Typs F-35A auf der britischen Luftwaffenbasis RAF Lakenheath, rechts sitzt US-Präsident Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses.US-Präsident Donald Trump treibt die strategische Neuausrichtung der amerikanischen Streitkräfte voran. Medienberichten zufolge sollen die USA ihre für Europa verfügbaren militärischen Fähigkeiten in mehreren Bereichen reduzieren. Betroffen wären unter anderem Kampfjets und weitere Kapazitäten der US-Luftwaffe. Links: F-35A-Kampfjets bei der Landung auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Lakenheath. Rechts: US-Präsident Donald Trump im Oval Office des Weißen Hauses. © Links: Tech Sgt. Matthew Plew/DoD/AFP | Rechts: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Dadurch wachsen bei europäischen Partnern Sorgen vor möglichen Lücken bei Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft. Unter Berufung auf zwei europäische Beamte berichtet die New York Times, das Pentagon wolle die Präsenz von Luftfahrzeugen in Europa in vier zentralen Bereichen reduzieren. Betroffen wären Kampfflugzeuge ebenso wie Aufklärungs- und Unterstützungsfähigkeiten.

US-Pläne für Europa: Weniger Kampfjets und Aufklärungsflugzeuge

Eine Verringerung der Kapazitäten könnte die Fähigkeit der NATO einschränken, weitreichende Schläge durchzuführen und Überwachungsaufgaben wahrzunehmen. Dies geschieht in einer Phase erhöhter Spannungen mit Russland. Roger Hilton vom in Wien ansässigen Thinktank GLOBSEC sagte gegenüber Newsweek, die schrittweise Neuorientierung der US-Kräfte sei „weder neu noch unerwartet“.

Die New York Times schreibt, ihr lägen Teile eines Dokuments vor, das Verbündeten die geplante Verringerung der US-Militärpräsenz in Europa erläutere. Demnach könnten mehrere Anpassungen gleichzeitig erfolgen. Europäische Beamte erklärten der Zeitung, die Pläne seien bislang nicht öffentlich gemacht worden und könnten früher umgesetzt werden als erwartet.

NATO-Mission zur Ostflanke hautnah: Reporter an Bord einer AWACS-MaschineCockpit einer AWACS-Maschine der NATOFotostrecke ansehenPentagon plant mehrere Einschnitte gleichzeitig

Nach Angaben der Zeitung soll die Zahl der F-16- und F-15E-Kampfjets von etwa 150 auf 100 sinken. Die Zahl der maritimen Aufklärungsflugzeuge soll von 26 auf 15 reduziert werden. Außerdem sollen sämtliche acht bislang für Europa verfügbaren Luftbetankungsflugzeuge abgezogen werden.

Ferner sei vorgesehen, ein raketenfähiges U-Boot sowie einen Flugzeugträger mit begleitenden Kriegsschiffen und Jets anderen Regionen zuzuweisen. Giuseppe Spatafora vom Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien sagte der Zeitung, jede einzelne Maßnahme lasse sich bewältigen. Zusammengenommen könnten sie jedoch „Herausforderungen für die europäische Abschreckungsbereitschaft“ darstellen.

Experten sehen keinen abrupten Rückzug der USA

Hilton betont gegenüber Newsweek, ein solcher Schritt möge zwar beunruhigend wirken. „Aber jede Anpassung der amerikanischen Militärhaltung in Europa sollte als Teil der fortlaufenden Anpassung der NATO gesehen werden, nicht als plötzliche Schwächung der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten des Bündnisses“, sagt er.

„Es deutet auf eine maßvolle und koordinierte Anpassung der Kräfteaufstellung hin, nicht auf einen abrupten Rückzug“, erklärt Hilton weiter. Die Vereinigten Staaten blieben die führende Militärmacht der NATO und seien weiterhin auf Europa angewiesen – etwa für Stützpunkte, Zugangsmöglichkeiten und militärische Projektion. Die Bedeutung europäischer Infrastruktur bleibe deshalb zentral.

Trump fordert höhere Verteidigungsausgaben der Verbündeten

Rund 80.000 amerikanische Soldaten sind derzeit in Europa stationiert. Gleichzeitig richtet die Trump-Regierung ihren strategischen Fokus zunehmend auf China und den Indopazifik. Hinzu kommt die Belastung durch den Konflikt mit dem Iran im Nahen Osten, wodurch militärische Ressourcen stärker beansprucht werden.

Trump hat europäischen Regierungen wiederholt vorgeworfen, zu wenig für ihre Verteidigung auszugeben und sich zu stark auf die USA zu verlassen. Er forderte sowohl europäische als auch asiatische Verbündete auf, ihre Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. In vielen Hauptstädten wird darüber seit Monaten kontrovers diskutiert.

Rücktritte in Großbritannien verschärfen Debatte

Zusätzliche Dynamik erhielt die Debatte in Großbritannien. Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister John Healey, warf dieser Premierminister Keir Starmer vor, eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben nicht ausreichend zu unterstützen. In seinem Rücktrittsschreiben habe Healey erklärt, so die Newsweek, die finanzielle Einigung für den langfristigen Verteidigungsinvestitionsplan bleibe „weit hinter“ dem Notwendigen zurück.

Wenige Stunden später folgte laut Bericht auch der Rücktritt von Al Carns als Minister für die Streitkräfte. Trump hatte zuvor angekündigt, die US-Präsenz in Deutschland um 5000 Soldaten zu verringern. Zudem stoppten die USA eine geplante Rotation von mehr als 4000 Soldaten nach Polen.

Europäer wünschen sich mehr strategische Eigenständigkeit

Eine Umfrage des European Council on Foreign Relations (ECFR) zeigt ein schwindendes Vertrauen vieler Europäer in die USA als verlässlichen NATO-Partner. In der im Mai durchgeführten Befragung von 19.481 Menschen in 15 Ländern betrachteten nur noch elf Prozent die Trump-Regierung als „Verbündeten“. Vor einem halben Jahr waren es noch 16 Prozent, im November 2024 sogar 22 Prozent.

In nahezu allen untersuchten Ländern sprachen sich die Befragten für eine geringere Abhängigkeit von amerikanischer Militärtechnik aus. Besonders stark ausgeprägt war diese Haltung in Dänemark, den Niederlanden, Schweden, Portugal und Frankreich. Das ECFR erklärte gegenüber Newsweek, inzwischen gebe es eine breite Forderung nach mehr strategischer Autonomie Europas in Verteidigungsfragen.

Europa soll mehr Verantwortung übernehmen

Nach Einschätzung von Hilton haben sich die europäischen NATO-Staaten bereits auf mehr Eigenverantwortung vorbereitet. Höhere Verteidigungsausgaben, der Ausbau der Rüstungsproduktion und zusätzliche Investitionen in Luftverteidigung, Munition und militärische Mobilität sollen in Zeiten des Ukraine-Kriegs und zunehmender Bedrohungen bestehende Lücken schließen.

„Europa übernimmt eine größere Rolle für seine eigene Sicherheit und bleibt dabei fest in der NATO verankert“, so Hilton. Eine stärkere europäische Eigenleistung werde nicht als Abkehr vom Bündnis verstanden, sondern als Ergänzung. Entscheidend sei, dass Anpassungen koordiniert erfolgten und Abschreckung sowie Verteidigungsfähigkeit glaubwürdig blieben. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com).