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Stuttgart (Baden-Württemberg) – Bis zum bitteren Ende. Das ist seit mehr als 40 Jahren das Motto der Toten Hosen. Jetzt sind sie vielleicht ein letztes Mal auf Tour. Beim Auftakt in Stuttgart zeigte sich: Wenn das der Anfang vom Ende sein sollte, dann ist es ein verdammt guter.

65.000 Fans feierten bei sommerlichen Temperaturen auf dem seit Monaten ausverkauften Cannstatter Wasen die Punk-Rock-Legenden. Fast zweieinhalb Stunden lang bewiesen Campino (63) und seine Mitstreiter, dass sie seit Jahrzehnten zu den besten Live-Bands des Landes gehören.

Die Fans sangen jede Zeile der 32 Lieder der Toten Hosen mit. Am Ende gingen sie glücklich, aber auch etwas wehmütig nach Hause

Die Fans sangen jede Zeile der 32 Lieder der Toten Hosen mit. Am Ende gingen sie glücklich, aber auch etwas wehmütig nach Hause

Foto: Michael Hahn

Campino dirigierte die Fans wie immer

Dabei stand über dem Abend die Frage: Ist das wirklich die letzte große Tour der Düsseldorfer? Fest steht: Das jüngst erschienene Nummer-1-Album „Trink aus! Wir müssen gehen“ ist das letzte Studioalbum der Band. Die Tour trägt denselben Titel – und klingt wie ein Abschiedsgruß.

Auf der Bühne sah allerdings nichts danach aus, auch wenn alle Musiker inzwischen jenseits der 60 sind. Campino rannte, sprang und dirigierte die Massen wie immer. Die Hosen gehören zu den ganz wenigen deutschen Gruppen, die nicht nur Stadien füllen, sondern auch die Menschen in den hintersten Reihen erreichen.

Campino und Gitarrist Andreas von Holst (62, r.) stehen seit 1980 gemeinsam auf der Bühne

Campino und Gitarrist Andreas von Holst (62, r.) stehen seit 1980 gemeinsam auf der Bühne

Foto: Michael Hahn

Reise durch die Geschichte der Toten Hosen

Die Setlist war eine Reise durch mehr als vier Jahrzehnte Bandgeschichte. „Opel-Gang“, „Hier kommt Alex“, „Bonnie & Clyde“, „Auswärtsspiel“ und das bei einigen Ultra-Hosen-Fans wegen der sehr mainstreamigen Art wenig beliebte „Tage wie diese“. Dass diese Evergreens zünden, war schon vorher klar. Doch auch die neuen Titel „Show muss weitergehen“, „Wir waren nie weg“ und „Was ist mit uns los“ sind live noch besser als auf dem Album.

Die Dimension dieser Tour ist außergewöhnlich. Bereits mehr als eine Million Tickets wurden verkauft. Die Konzertreise wurde bis 2027 verlängert und zählt zu den größten Rocktourneen, die es hierzulande je gegeben hat.

Bassist Andi Meurer (63) genoss sichtbar jede Sekunde der besonderen Stimmung in Stuttgart

Bassist Andi Meurer (63) genoss sichtbar jede Sekunde der besonderen Stimmung in Stuttgart

Foto: Michael Hahn

Machen es die Toten Hosen wie Peter Maffay?

Was kommt danach? Campino machte nur Andeutungen. „So wollen wir euch in Erinnerung behalten“, rief er den Fans zu. „Ihr seid in unseren Herzen.“ Ein komplettes Karriereende ist dennoch schwer vorstellbar. Spekuliert wird über ein Modell, wie es Peter Maffay (76) mittlerweile praktiziert: keine langen Tourneen mehr, dafür ausgewählte Konzerte an besonderen Orten. Auf jeden Fall können Fans die Hosen 2027 bei den Zusatzterminen sehen, da es für einige Städte noch Karten gibt.

Nach diesem Abend ist klar: Die Toten Hosen mögen ihr letztes Album veröffentlicht haben. Auf der Bühne klingen sie aber noch lange nicht wie eine Band, die gehen will. Das bittere Ende ist hoffentlich noch weit weg.