„So toll wäre ich gerne auch getauft worden“, sagt Henriette Deutz und blickt über die Wiese des Geroparks. Buden und Karussells sind nicht aufgebaut, dennoch herrscht an diesem Samstagnachmittag (13. Juni) rund um den Geroweiher beinahe Volksfeststimmung. Familien sitzen auf Bänken oder Decken, trinken Kaffee und essen Kuchen. Kinder spielen ausgelassen. Und die Band „Rolling Thunder Brass“ sowie ein ökumenischer Kinderchor, bestehend aus verschiedenen katholischen und evangelischen Kinderchören der Stadt, sorgen für die passende Musik. Man genießt das Zusammensein.
Katholischer oder evangelischer Segen für die Täuflinge in Mönchengladbach
Während Familien Fotos machen und die Zeremonien verfolgen, erhalten die Täuflinge den katholischen oder evangelischen Segen. „Jedem wird der Segen individuell zugesprochen, aber alle zusammen sind wir eine Gemeinschaft, die Verantwortung füreinander übernimmt“, betont Stephan Dedring, evangelischer Pfarrer in Rheydt. Trotz der Größe der Veranstaltung bleibt jede Taufe ein einzigartiger und persönlicher Moment. Unter den Beteiligten und Organisatoren sind auch Probst Peter Blättler (St. Vitus), Pfarrer Till Hüttenberger (Evangelischen Friedenskirchengemeinde), Vikarin Anna Kierdorf und der evangelische Pfarrer i.R. Olaf Nöller (beide Rheydt) und der katholische Pfarrer Christoph Glanz (Wickrath).
Für Pfarrerin Esther Gommel-Packbier ist genau das auch einer der Gründe für den Erfolg des Festes, das mit nur einem Vorbereitungsnachmittag Ende Mai bewusst niederschwellig gestaltet wurde. „Hier fällt man gar nicht auf, und dennoch bleibt die Taufe am eigenen Tisch ein intimer Moment“, sagt sie. Trotz der zahlreichen Kirchenaustritte beobachtet Gommel-Packbier weiterhin ein großes Interesse am christlichen Glauben. „Der Wunsch nach Segen ist da. Viele Menschen sehnen sich nach dem Gefühl, dass da jemand ist, der auf uns schaut.“ Die Taufe sei die Zusage, dass Gott jeden Menschen bedingungslos annehme.
Diesen Wunsch hat auch die Familie Adeyemi. Vater Adewale sowie seine beiden kleinen Töchter Kleo und Liana werden gemeinsam getauft. „Die Idee zur Taufe ist bei uns kurz vor der Geburt unserer kleinen Tochter entstanden“, sagt seine Ehefrau Tamara Adeyemi. Die Familie habe sich bewusst dazu entschieden, diesen Schritt gemeinsam zu gehen. Ihre große Tochter Julia ist bereits getauft.
Auch die siebenjährige Liv freut sich auf ihren großen Tag. In einem weißen Kleid wartet sie gespannt auf die Zeremonie. „Ich finde das total super, dass ich heute getauft werde“, betont sie.
Emil (4) beugt sich ins Taufwasser am Geroweiher
Britta Gorholt lässt ihre beiden Söhne Emil und Oskar taufen. „Das war schon lange geplant. Aber in den vergangenen Jahren kam einfach immer etwas dazwischen. Deswegen jetzt hier“, sagt sie. „Die beiden großen Geschwister sind auch getauft.“ Für die Familie ist ebenfalls der Glaube der Grund für die Taufe. Für einen besonders heiteren Moment sorgte der vierjährige Emil, der sich neugierig mit dem ganzen Kopf über das Taufwasser beugt.
Die besondere Bedeutung des Tauffestes zeigt sich nicht zuletzt an den teils weiten Wegen, die Besucher dafür auf sich nehmen. Eine Familie reist sogar vier Stunden aus Aschaffenburg an, um dabei sein zu können. Eine frischgebackene Patin formuliert, was viele an diesem Tag empfinden: „Für mich gehört die Taufe einfach dazu. Sie schafft Zugehörigkeit, das finde ich heutzutage sehr wichtig.“
Außer den einzelnen Taufen stand vor allem auch die ökumenische Gemeinschaft im Mittelpunkt, schließlich war es ein gemeinsam von evangelischen und katholischen Gemeinden gestaltetes Fest. Der Regionalvikar und katholische Jüchener Pfarrer Ulrich Clancett betont, dass Menschen stärker auf das schauen sollten, das sie verbindet, und weniger auf das Trennende. „Die Welt funktioniert nur, wenn wir den Weg gemeinsam gehen.“
Pastoralreferent Frank Seeger-Hupperten unterstreicht an diesem Nachmittag die Bedeutung der Taufe: „Was wir hier tun, ist tatsächlich etwas, womit die Bibel uns beauftragt hat.“ Dann verliest er die „Weisung zu taufen“ aus dem Matthäus-Evangelium. Und nachdem 34 Menschen neu den Weg in die Kirche gewählt haben, Kostenpflichtiger Inhalt wirkt die Krise der Kirchen weit entfernt.