Im Dortmunder Fußballtempel lief bereits die Nachspielzeit. 0:0,
Entscheidung vertagt, dachte man bei sich.
WM 2006 – Es geschah in Dortmund…
Damit wäre Deutschland noch nicht zu 100 Prozent im WM-Achtelfinale.
Und Polen war mit diesem Ergebnis noch nicht ausgeschieden.
Riesen-Euphorie also, aber am Ende doch nur eine Momentaufnahme?
„Wir knallen sie durch die Wand hindurch“
„Die Polen stehen mit dem Rücken zur Wand und wir knallen sie durch die
Wand hindurch“, hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann (61), eine Art Heilsbringer
für diese deutsche Nationalmannschaft, bei seiner Kabinen-Ansprache, später zu
sehen in Sönke Wortmanns Film Deutschland – Ein Sommermärchen,
unmissverständlich klar gemacht.
Doch der deutschen Mannschaft fehlte am 14. Juni 2006 vor der großartigen Kulisse von 65.000
Fans in Dortmund lange die Power oder, wie man heute sagt, das Spielglück, um
die Polen tatsächlich aus dem WM-Turnier zu werfen.
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In der 64. Minute brachte Klinsmann auf der rechten Außenbahn den
Dortmunder David Odonkor für Arne Friedrich. -
Oliver Neuville ersetzte nach 71 Minuten den in Polen geborenen DFB-Stürmer
Lukas Podolski (40). -
Odokor, der Flügelflitzer vom BVB war die Überraschung im
deutschen WM-Kader 2006. Ein Spieler, der zuvor nur ein Länderspiel absolviert
hatte (2:2 gegen Japan in Leverkusen, 30. Mai 2006).
Solche Überraschungen
fehlen 2026 – wie so vieles andere auch – rund um die Nationalmannschaft.
In der Nachspielzeit setzte Odonkor noch einmal zu einem Sprint über die
rechte Seite an, in der Mitte kam sein Ball zu Neuville und der Gladbacher
Stürmer traf – wie schon 2002 gegen Paraguay im WM-Achtelfinale – per
Direktabnahme zum 1:0. Der polnische Nationaltorhüter Artur Boruc war ohne
Chance.
„Und jetzt… ist es da!“, jubelte ARD-Reporter Steffen Simon.
Ja, jetzt war es wirklich da, das „Sommermärchen“, diese eigentümliche
Stimmung im ganzen Land, die Deutschland bis ins Halbfinale gegen Italien (0:2
n. V.) wieder nach Dortmund trug.
„Wunderbar, dass sich die Einwechslungen von Odonkor und Neuville so
entscheidend auf das Spiel ausgewirkt haben“, kommentierte Günter Theodor
Netzer (81) bei BILD, „und das war wichtig, dass die Mannschaft für ihren bedingungslosen
Einsatz mit dem späten Tor belohnt wurde.“
„Die Nacht von Dortmund“, sinnierte Jürgen Klinsmann Jahre später, „werde
ich nicht vergessen.“ Tja, wir doch auch nicht…