Gruppe in einer Achterbahn

AUDIO: Sound mit Kick: Achterbahn-Hits erobern die große Konzertbühne (4 Min)

Stand: 14.06.2026 07:10 Uhr

Nie zuvor konnte man Soundtracks von Achterbahnen in einem klassischen Konzert hören – bis jetzt. Das Sinfonieorchester Hannover und der Chor der Leibniz Universität Hannover wollen das mit „Coasters in Concert“ ändern.

von Miriam Stolzenwald

Bei einer bestimmten Musik kann man schon mal Gänsehaut bekommen. Erst recht, wenn man sie in der berühmten Holzachterbahn Colossos im Heidepark hört, in der der Wagen langsam in die Höhe gezogen wird und dann mit Karacho in die Tiefe rattert. Aber wann genau hört man diese Musik eigentlich? „Man hört diese Musik, wenn man in der Achterbahn-Warteschlage steht“, erklärt Tobias Rokahr, Leiter des Sinfonieorchesters Hannover.

„Da steht man meistens in so Häusern oder überdachten Bereichen und da sind versteckte Boxen. Manchmal hört man sie auch, wenn man die Achterbahn fährt. Das ist jetzt nicht so ein Jahrmarkt-Gedudel, sondern das sind große, orchestrale epische Soundtracks, wie man sie aus dem Kino kennt.“ Echte Fans warten in diesem Bereich manchmal bis zu eineinhalb Stunden.

Halbes Jahr für die „Coaster“-Partituren

Ob die Bahn „Nessie“ im Hansa-Park oder „Taron“ im Phantasialand, die Soundtracks zum flauen Gefühl im Magen stammen deutschlandweit zum Großteil aus der Feder der Brüder Andreas und Sebastian Kübler. Die Musik ist digital produziert – also ohne echte Instrumente. Deshalb gibt es dazu auch keine Noten. „Da habe ich gesagt: Ok, dann schreibe ich das halt nach Gehör auf“, sagt Rokahr. „Es hat wunderbar viel Spaß gemacht, weil ich natürlich beim Orchestrieren das Gefühl hatte, ich sitze in der Bahn.“

Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis die Partituren fertig waren. „Der musikalische Reiz ist für uns tatsächlich – ich sag es mal ganz platt – dass wir mal was anderes spielen. Denn wir sind ja komplett klassisch unterwegs und haben uns vorgenommen, so alle paar Jahre mal so eine Art Crossover-Projekt zu machen“erklärt der Dirigent. „Und diese Achterbahn-Soundtracks wurden noch nie auf der Welt live gespielt.“ Für die Mitglieder des Sinfonieorchesters Hannover und den Chor der Leibniz Universität Hannover ist die Musik auch eine Achterbahnfahrt, findet auch Geigerin Julia. „Das Zusammenspiel bei der Musik ist sehr anspruchsvoll, weil es unheimlich viele Tempowechsel gibt und weil sich die Stimmung der Musik wahnsinnig schnell verändert. Es ist natürlich so richtig effektvoll auf die Mütze komponiert.“

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Bedenken bei einigen Park-Betreibern

Orchester probt

Schon bei den Proben ging es hoch und runter.

„Für uns als Chor war es vor allem anfangs sehr schwer, sich da einzufühlen. Da war dann sehr viel U und O und A einfach nur. Und da waren wir dann teilweise ein bisschen irritiert. Ich finde jetzt gerade dadurch, dass es jetzt live gemacht wird, mit echten Instrumenten und echten Stimmen, dass es nochmal eine ganz andere Dynamik reinbringt. Vielleicht auch diese Abenteuerenergie“, meint Lydia, die im Alt des Uni-Chors Hannover singt.

Die verschiedenen Parkbetreiber habe er allerdings erstmal von seiner Konzert-Idee überzeugen müssen, sagt Tobias Rokahr. Die Parks stehen in Konkurrenz zueinander und die Betreiber waren wenig begeistert, die Soundtracks in einem Konzert auf einmal zu hören.

Bedürfnis nach live-gespieltem Rollercoaster-Soundtrack

Sehr vorfreudig hingegen sind die Achterbahn-Fans, die Dirigent Tobias Rokahr für das Konzert in Hannover erwartet: „Ich bin seit zwei Jahren auch so ein Achterbahn-Junkie geworden und dann bleibt es nicht aus, dass man auch mal in das eine oder andere Forum schaut. Da liest man dann: ‘Diese Musik ist so schön. Wann wird man das mal live hören?’. Oder Leute schreiben manchmal unter YouTube-Videos: ‘Dieser Soundtrack hat mein Leben gerettet.’ Es gibt dafür ein Bedürfnis, das hören zu wollen und dem kommen wir jetzt nach.“

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