
Vor dem G7-Gipfel im französischen Évian sind mehrere Tausend Menschen in Genf gegen die Politik der mächtigen Industrienationen auf die Straße gegangen. Nach mehreren Vorfällen ordnete die Polizei die Auflösung der Demonstration an.
Tausende Menschen haben in Genf gegen den bevorstehenden G7-Gipfel im nahegelegenen Frankreich protestiert. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zog der Protestmarsch des Bündnisses „No G7“ am Nachmittag durch die Grenzstadt in der Schweiz. Polizeisprecher Alexandre Brahier teilte mit, etwa 20.000 Menschen hätten sich an dem Marsch durch die Stadt in der Schweiz beteiligt. Die Sicherheitskräfte hatten zuvor bis zu 50.000 Menschen erwartet.
Die Staats- und Regierungschefs der G7-Industriestaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA treffen am Montag in Évian-les-Bains auf der französischen Uferseite zusammen. Da Frankreich nach Angaben der Genfer Stadtregierung keine Proteste dulden wollte, meldeten die Organisatoren die Demonstration in Genf an.
Genf liegt etwa 50 Kilometer vom französischen Gipfelort Évian-les-Bains entfernt.
Gegen Faschismus und Imperialismus
Zur Koalition der G7-Gegner zählen unter anderem pro-palästinensische und anti-kapitalistische Aktivisten. Auch feministische Gruppen beteiligten sich an der Demonstration, die sich „gegen Faschismus und Imperialismus“ richtete.
Kritisiert wird unter anderem das Fehlen international bedeutender Themen beim G7-Gipfel, etwa der Kampf gegen die Folgen des Klimawandels oder die Solidarität mit Entwicklungsländern. Auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die extreme Konzentration des Reichtums stünden nicht auf der Tagesordnung.
Die G7 sei eine „illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“, hieß es in einem Manifest von „No G7“. Dort fällten „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung“.
Einzelne Zusammenstöße
Viele Plakate richteten sich gegen US-Präsident Donald Trump. „Wir haben große Angst vor der Politik und den politischen Maßnahmen von Herrn Trump und auch den anderen Staats- und Regierungschefs der G7, weil sie kämpfen, überall Kriege führen“, sagte eine „No G7“-Sprecherin.
Der Protestzug verlief bis zum späten Nachmittag entlang der genehmigten Route. Die Polizei hielt sich lange im Hintergrund und war kaum zu sehen. Ein Block aus einigen Hundert schwarz gekleideten Mitläufern störte die lange Zeit friedliche Atmosphäre der Demonstranten.
Die Vermummten rissen Pflastersteine aus dem Boden und Sperrholzverkleidungen von Schaufenstern, setzte Autos und Müllcontainer in Brand und warf zahlreiche Scheiben ein, sowohl von Geschäften als auch an Bushaltestellen, Reklametafeln sowie den Eingängen von UN-Organisationen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Wie der Polizeisprecher mitteilte, wurde die Auflösung der Demonstration angeordnet.
Großes Sicherheitsaufgebot
In Genf ist der G8-Gipfel in Évian von 2003 – damals noch mit Russland – in schlechter Erinnerung geblieben: Damals hatten Demonstranten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert und zahlreiche Geschäfte verwüstet. Die Schäden wurden auf etwa sechs Millionen Schweizer Franken geschätzt.
Hunderte Genfer Geschäftsleute und Hoteliers verriegeln seit Tagen ihre Schaufenster mit Sperrholz. Die Genfer Polizei hat Verstärkung aus dem ganzen Land aufgeboten. Mehrere Tausend Polizisten kontrollieren seit zwei Tagen überall in der Stadt Autos und Personalien von Passanten.
Die Aufgabe der Schweizer Sicherheitskräfte ist nicht nur die Bewältigung der Demonstration. Sie müssen auch die Sicherheit der anreisenden Staats- und Regierungschefs garantieren. In Genf liegt der nächstgelegene Flughafen zu Évian, die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen.