Obwohl nicht mal die Hälfte des Jahres verstrichen ist, ist sich Dirk Andreas sicher: Der vergangene Sonntag war einer der schönsten Tage im Jahr. Denn: Er moderierte die Große Königsparade, einem der vielen Höhepunkte des Kaarster Schützenfestes, das am Samstag um 12 Uhr mit Böllerschüssen eingeläutet worden war.
Im 300 Quadratmeter großen Zelt von Rico Wallfass waren zum Auftakt unter anderem die Königshäuser zusammengekommen. Bürgermeister Christian Horn-Heinemann trug eine braune Schürze und fackelte nicht lange: Der Fassanstich war eine Sache von Sekunden. Dass starker Wind vorhergesagt war, machte Platzmeister Wallfass nicht nervös: Nach dem verheerenden Sturm vor ein paar Jahren hatte er sein Zelt an den entscheidenden Stellen verstärken lassen. Das Wetter sollte aber ohnehin besser werden als erwartet, sodass die 1.650 Schützen und Musiker nicht nass wurden.
Das allein ist es aber nicht, was das Schützenfest zu den schönsten Tagen des Jahres werden lässt, sondern es sind die vielen kleinen Geschichten wie diese: Markus Weber, Schützenkönig des vergangenen Jahres, hatte während seiner Amtszeit den Kontakt zu seiner Tochter, die er seit 19 Jahren nicht mehr gesehen hatte, wiederhergestellt. „Wir bleiben jetzt in Kontakt“, erklärte Weber. Eine andere kleine, aber schöne Geschichte stammt von Thomas George, Mitglied bei den „Kaarster Prachtjungs“ und Abteilungsleiter „Boxen“ bei der SG Kaarst: „Mittlerweile sind auch Flüchtlinge in einigen Zügen aufgenommen worden.“ Schützenfest kann also auch Integration.
Auch Geschäftsführer Stefan Stamm bezeichnete die Schützen in seiner Ansprache bei der Kranzniederlegung am Ehrenmal als höchst angenehme Zeitgenossen, die mitfühlend seien und denen das Schicksal anderer Menschen nicht egal sei: „Unser Brauchtum geht mit der Zeit.“ Die Schützen feierten friedlich und seien für Fremde aufgeschlossen. „Hier in unserer Heimat können wir jeden Tag etwas Gutes tun“, sagte Stamm.
Von dieser Hilfsbereitschaft profitierte auch Schützenkönig Klaus Gehlen: Ihm war ein brachliegendes Grundstück an der Maubisstraße, nur einen Steinwurf vom Ehrenmal entfernt, zum Aufbau der Residenz zur Verfügung gestellt worden. „Die Fläche gehört dem Schwiegervater meiner jüngsten Tochter, er hatte sie mir im vergangenen Jahr sofort angeboten, als ich den Vogel von der Stange geholt hatte“, freute sich Gehlen.
Einen tragenden Job hatte Kevin Bongartz übernommen: Er trug den eindrucksvoll großen und über 20 Kilogramm schweren Schellenbaum, der in Höhen bis zu vier Metern getragen wird. „Ich muss aufpassen, dass er nicht mit den Fähnchen in Berührung kommt“, erklärte Bongartz.
Schützenmeister Christian Guder befragte die Wetter-App, die Beruhigendes versprach. Dennoch waren das Königspaar Klaus und Claudia Gehlen, die Ministerpaare Achim und Hedwig Winkler sowie Claus Schiffer mit Andrea Breuer auf Nummer sicher gegangen: Die Damen hatten weiße Regenschirme dabei. „Die sollen den Regen vertreiben“, erklärte der Präsident.
Kein Schützenfest ohne Ehrungen: Julian Rittmann hat sich um die Bruderschafts-App gekümmert und bekam dafür jetzt das Silberne Verdienstkreuz. Über das St. Sebastianus Ehrenkreuz freuten sich Grenadiermajor Christian Weyen und Dirk Horhäuser, Vorsitzender des Jägerkorps. Die höchste Auszeichnung, das Schulterband zum St. Sebastianus Ehrenkreuz bekam ein Schütze, der seit 50 Jahren meist im Hintergrund für die Bruderschaft aktiv ist: Berthold Breuer.
Und so geht es weiter: Der Schützenfest-Montag beginnt um 10.30 Uhr mit dem Frühschoppen im Zelt. Abends trifft man sich zum Krönungsball. Vorher, um 17.30 Uhr, gibt es die Königsparade. Am Dienstag um 17 Uhr wird der neue Schützenkönig ermittelt. Anschließend wird es einen Vorbeimarsch an den alten und den neuen Majestäten geben. Um 20 Uhr wird das alte Königshaus verabschiedet und das neue vorgestellt.