Der JSV Speyer betritt die Halle gemeinsam und geht doch unterschiedlich raus. Ein Weltmeister tritt auf. Die Frauen erreichen ein Etappenziel.

Zwei gegensätzliche Ergebnisse brachte der Doppelkampftag den Teams des JSV Speyer am Samstag im Judomaxx. Der deutliche 11:3-Sieg der Frauen gegen den JC Wiesbaden lag allerdings mit Blick auf die Verteilung der Favoritenrollen ebenso im Bereich des Erwartbaren wie die 4:10-Niederlage der Männer gegen TSV Abensberg, auch wenn diese sicherlich hofften, das Ergebnis ein bisschen enger zu gestalten.

Die Chance dazu bestand gerade im ersten Durchgang, als der Rekordmeister gleich mehrmals enge Kämpfe für sich entschied, so bereits im ersten Duell des Tages, als Felix Bächle in einem Marathonduell von mehr als sieben Minuten nur aufgrund von Strafen verlor. Es war bereits ein Vorbote dessen, was die JSV-ler an diesem Tag erwartete.

Topteam Abensberg

Um gegen ein Top-Team wie Abensberg zu gewinnen, muss schon fast alles klappen, und die knappe Niederlage in einem Kampf, in dem ein Sieg im Bereich des Möglichen lag, war bereits zu Beginn ein schwerer Rückschlag. Nicht viel besser ging’s weiter. Denn nach einer schnellen Niederlage von Fabian Häßner gegen Jaba Papinashvilli gaben sich zwei weitere Speyerer trotz starker Leistungen geschlagen.

Ex-Weltmeister Mollaei

Pascal Bruckmann wuchs gegen den ehemaligen Weltmeister Saeid Mollaei über sich hinaus und ließ phasenweise die leise Hoffnung auf eine Sensation aufkommen. Doch am Ende setzte sich der Routinier durch. Anschließend gab sich Viktor Driller in der Verlängerung geschlagen. Erst dann sorgte Tengo Zirakashvilli für den ersten Speyerer Punkt.

Sein georgischer Landsmann Dimitri Gochilaidze verpasste es allerdings, gleich nachzulegen. Denn nach 7:45 Minuten verlor er. Pierre Ederer trat trotz einer Verletzung an und ging gegen Zachary Burt in Führung, landete aber dann auf dem Rücken, um den 1:6-Pausenrückstand zu finalisieren. So hieß es im zweiten Durchgang, Schadensbegrenzung betreiben.

Bächle verkürzt

Und immerhin das gelang relativ gut. Felix Bächle feierte gleich im ersten Kampf einen Erfolg. Irakli Kupatadze gab sich jedoch im Duell mit seinem Landsmann Papinashvilli nach sechs spannenden Minuten geschlagen und Yves Touna unterlag nach voller Kampfzeit gegen Lukas Vennekold. Anschließend sorgte Finn Seeger für den wohl größten Jubel des Tages, als er kurz vor Schluss gegen Burt ausglich und dann in der Verlängerung sogar den Kampf für sich entschied.

Zirakashvilli feierte seinen zweiten Punkt des Tages, um auf 4:8 zu verkürzen. Mehr Erfolge gab es nicht. Denn Franz Haettich unterlag nach einem unterhaltsamen und intensiven Kampf gegen Mollaei, und auch Marius Kölbinger überließ den Punkt. „Wir sind mit den Leistungen zufrieden, auch wenn das Ergebnis enttäuschend ist. Jeder in der Halle hat gesehen, wie eng die Kämpfen waren, und wenn ein paar der engen Duelle für uns ausgehen, sieht die Sache schon ganz anders aus“, so JSV-Teamchef Michael Görgen-Sprau.

Speyer mit Chancen

Trotz der Niederlage hat der JSV weiterhin Chancen auf die Play-off-Teilnahme. Die Speyerer liegen auf Tabellenplatz drei der Bundesliga Süd, zwei Punkte hinter dem JC Rüsselsheim und einen Zähler hinter dem JC Leipzig, die aber beide jeweils einen Kampf mehr aufweisen haben als die Domstädter. Nach der Sommerpause muss der JSV gegen die letzten beiden Teams der aktuellen Tabelle, Karlsruhe und Offenbach, gewinnen, und hoffen, das Abensberg gegen die anderen Rivalen genauso souverän agiert wie am Samstag in Speyer. Dann könnte es für die Männer mit dem erneuten Einzug in die Finalrunde klappen.

Bauer weist den Weg

Dafür, dass die zahlreichen Speyerer Fans nach dem unglücklichen ersten Durchgang der Männer doch feierten, sorgten die JSV-Frauen, die im ersten Teil ihres Kampfes gegen Wiesbaden für die Vorentscheidung sorgten. Bettina Bauer machte den Anfang mit einem schnellen Sieg im Bodenkampf, was umso beeindruckender erschien, weil sie hochgestellt in die Klasse bis 70 Kilogramm kämpfte und auf die international erfahrenen Niederländerin Luna de Kock traf.

Der einzige Rückschlag war die Niederlage von Amber Gersjes im folgenden Kampf zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Doch nachdem Darja Dorowskich die JSV-Führung wiederherstellte, blieb diese bestehen. Debütantin Nicole Stakhov bescherte sich eine erfolgreiche Premiere im JSV-Team mit einem hart erarbeiteten Sieg über die volle Zeit.

Schnelles Trio

Wesentlich schneller ging es bei Seija Ballhaus, Lea Schmid und Bertille Murphy, die den 6:1-Pausenstand besorgten. Zu Beginn des zweiten Durchgangs gewannen die Gäste kurz wieder Oberwasser. Denn Geke van den Berg und die zweite Debütantin, Emily Plich, zogen den Kürzeren. Wiesbaden kam auf 3:6 heran.

Dabei blieb es. Denn Darja Dorowskich sowie die Speyerer Eigengewächse Özlem Gülmez, Antonia Büttner und Corinna Bayer gewannen alle vorzeitig, ebenso wie Bertille Murphy im Abschlusskampf. Besonders hervorzuheben war der Sieg der erst 15-jährigen Büttner, die ihren ersten Bundesligakampf absolvierte und dabei in der heimischen Halle, in der sie das Judo einst erlernte, gleich einen Traumeinstand feierte.

„Wir sind sehr stolz auf diesen Team. Wir kämpfen eine super Saison bis jetzt, und wir freuen uns, dass wir immer gut rotieren und vielen verschiedenen Kämpferinnen Einsätze geben können. Die Stimmung in der Mannschaft ist klasse. Das war die Stimmung am Samstag in der Halle auch. Wir freuen uns sehr auf die kommenden Aufgaben“, so JSV-Teamchefin Nadine Lautenschläger. Mit diesem Erfolg steht der Einzug der Speyererinnen in die Play-offs fest. Am letzten Kampftag beim Tabellenzweiten Hertha Walheim kommt es zum direkten Duell um Platz eins in der Bundesliga Südwest, wobei dem JSV hierfür bereits ein Unentschieden reicht.