Ein Barkhausen-Mitarbeiter setzt einen Masur25-Chip in eine Test-Platine ein. Foto: Rafael Vinz für das Barkhausen-InstitutEin Barkhausen-Mitarbeiter setzt einen Masur25-Chip in eine Test-Platine ein. Foto: Rafael Vinz für das Barkhausen-Institut
Institut beantragt Millionenförderung bei Bär

Dresden, 15.06.26. Barkhausen-Ingenieure haben – wie zuvor schon avisiert – bei Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) Geld für ein Chipdesign-Zentrum in Dresden beantragt. Der „Hub ChipDE-Digital“ in Sachsen soll eine von fünf Außenstellen des geplanten „nationalen Kompetenzzentrums Chipdesign“ (ChipDE) sein. Das hat das Barkhausen-Institut Dresden heute mitgeteilt.

Bund will 40 Millionen für 5+1 Standorte und drei Jahre herausrücken

Wenn das Bundesforschungsministerium den Antrag bewilligt, könnten die Chipdesigner Anfang 2027 loslegen. Insgesamt will der Bund dafür 40 Millionen Euro für drei Jahre herausrücken. Da eine Koordinierungsstelle und fünf regionale Außenstellen geplant sind, würde dies für Dresden – im Falle eines Zuschlages – rechnerisch sechs bis sieben Millionen Euro ausmachen.

Prof. Gerhard Fettweis. Foto: René Gaens für das Barkhausen-InstitutProf. Gerhard Fettweis. Foto: René Gaens für das Barkhausen-Institut

„Mit dem konsequenten Aufbau von Kompetenzen im Chipdesign kann Sachsen seine starke Marktposition … über die Chipproduktion hinaus erweitern.“
Prof. Gerhard Fettweis

„Hier ergibt sich eine besondere Chance für Sachsen“, meint Instituts-Gründer Prof. Gerhard Fettweis. „Mit Silicon Saxony zählt der Freistaat schon heute zu einem der führenden Mikroelektronikstandorte Europas. Mit dem konsequenten Aufbau von Kompetenzen im Chipdesign kann Sachsen seine starke Marktposition langfristig festigen und über die Chipproduktion hinaus erweitern.“

Europa will viele Lücken in der langen Kette vom Sand über den Chip bis zum Elektronik-Endprodukt schließen

Hintergrund: Europa und Deutschland haben durchaus starke, spezialisierte Mikroelektronik-Unternehmen, aber auch deutliche Lücken in der Halbleiter-Wertschöpfungskette. So hat sich zwar seit den 1960er Jahren im Großraum Dresden ein Chipproduktions-Standort entwickelt, der inzwischen europaweit führend ist. Den Europäern fehlt es aber an Fabriken für Schaltkreise der neuesten Strukturgenerationen, an großen Chipdesign-Schmieden und Endmontagefabriken. Und seit dem Ende der DDR und dem Aus für das Computerkombinat Robotron gibt es auch im „Silicon Saxony“ nur noch wenige Endkunden für die in Sachsen hergestellten Chips.

Chipdesign-Zentrum geht auf noch junge Bundes-Mikroelektronikstrategie zurück

Diese Lücken wollen sowohl der Freistaat Sachsen, wie auch Bund und EU auf unterschiedlichen Wegen schließen. Dazu gehören das neue EU-Chipgesetz aus Brüssel, die sächsische Ansiedlungsstrategie, aber eben auch die noch junge Mikroelektronik-Strategie der Bundesregierung. Die sieht laut Bundesforschungsministerium unter anderem den „Ausbau der Chipdesignfähigkeiten in Deutschland“ durch das „Kompetenzzentrum Chipdesign“, aber auch neue Chipfabriken und Pilotlinien vor.

Deutsche Politiker setzen weiter auf kleinteilige, verteilte Strukturen

Wie in Deutschland üblich, richtet der Bund aber nicht ein schlagkräftiges Zentrum an einem Ort ein, sondern verteilt die Gelder auf mehrere Standorte, um finanzielle und regionalpolitische Begehrlichkeiten der verschiedenen Bundesländer zu stillen. Ähnlich ging es bereits bei der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) zu, die – anders als es der Name suggeriert – auf zahlreiche, teils auch recht kleine Standorte in der ganzen Bundesrepublik verteilt ist, die sporadisch zusammenarbeiten. Von daher ist auch in den nächsten Jahren nicht absehbar, dass in Deutschland ein ähnlich hochkarätiges Mikroelektronik-Forschungszentrum wie das Imec in Flandern entsteht.

Projekt soll Europas Abhängigkeit mindern

Dennoch wären Lückenschlüsse beim Chipdesign zweifellos ein großer Fortschritt für die deutsche Mikroelektronikindustrie und -entwicklung. Das neue, dezentrale Zentrum werde „die technologische Souveränität Deutschlands im Bereich der Mikroelektronik stärken“, sind die Dresdner überzeugt. Zugleich könne es die „Abhängigkeit von externen Entwicklungen und Lieferketten verringern“. Sachsen bringe dafür „besonders gute Voraussetzungen mit“, argumentieren die Dresdner. „Mit der Gründung des Barkhausen Instituts hat Sachsen bereits 2018 die Weichen für genau diese Entwicklungen gestellt, die Europa heute vorantreibt. Das Institut forscht an vertrauenswürdigen Chip- und Systemarchitekturen und entwickelt neuartige Konzepte für ein schnelles und kostengünstiges Chipdesign. Dies wird besonders in für Sachsen bedeutsamen Zukunftsfeldern wie Medizintechnik und Verteidigung immer wichtiger.“ Und: Regionale Chipdesign-Fähigkeiten könnten jungen Unternehmen helfen, Ideen für neue Technologieprodukte rascher zu realisieren. Dies könnte für einen Nachfrageschub sorgen, der wiederum modernere Chipfabriken in Europa auslasten könnte – an dieser Nachfrage-Stellschraube will auch die EU mit ihrem Chipgesetz 2.0 gerade drehen.

Je eine Chipdesign-Außenstelle für Digitalchips, Mixed-signal, KI, Funk und Chiplets

Wenn die fünf regionalen Teile des neuen nationalen Chipdesignzentrums benannt und dotiert sind, soll das „ChipDE“ ab dem 1. Januar 2027 Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Unternehmen beim Chipdesign unterstützen. „Durch den Zugang zu modernen Entwicklungswerkzeugen, europäischen Designplattformen und Expertenwissen sollen die Kosten und Einstiegshürden für neue Chip‑Entwürfe erheblich gesenkt werden“, heißt es aus dem Barkhausen-Institut. Neben den Dresdnern dürften auch die Münchner gute Chancen auf einen Zuschlag haben: In Bayern sitzen Infineon und weitere Elektronikunternehmen sowie Halbleiter-Abnehmer aus der Autoindustrie. Die fünf Teilzentren sollen Themen wie digitale Schaltkreisen, Mixed-signal-Chips, aber auch Funk- und KI-Elektronik und Chiplets bearbeiten. Außerdem ist eine Koordinierungsstelle geplant, die zusätzlich die Querschnittsaufgaben quelloffene Technologien (Open-Source) und Technologiezugang beackert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Barnkhausen-Institut Dresden, Oiger-Archiv, BMFTR