Auf dem RAW-Gelände spitzt sich der Konflikt zu. Die Kurth-Gruppe erklärt das Verfahren „RAW West“ für gescheitert, während Bezirk und Senat eine Klärung durch weitere Verhandlungen fordern.

Visualisierung Turm an der Warschauer Brücke

Das RAW-Gelände zwischen Revaler Straße und Warschauer Brücke soll sich von einem subkulturellen Hotspot zu einem gemischt genutzten Stadtviertel wandeln. / © Visualisierung: Kurth Immobilien

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain wächst der Druck auf Clubs und soziokulturelle Einrichtungen. Die Kurth-Gruppe hat das Bebauungsplanverfahren „RAW West“ nach Darstellung des Bezirks einseitig für gescheitert erklärt und einzelne Betreiber zur Räumung aufgefordert. Bezirk und Senat wollen die Gespräche dennoch fortsetzen.

  • Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
  • Adresse: Revaler Straße 99, 10245 Berlin
  • Bebauungsplan: „2-25a“
  • Zentrale Forderung: langfristige Sicherung der Kultur- und Clubnutzungen
  • Aktueller Stand: Kurth-Gruppe erklärt Verfahren für gescheitert

Der Streit um das RAW-Gelände erreicht eine neue Eskalationsstufe. Laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat die Kurth-Gruppe das Bebauungsplanverfahren „RAW West“ abgebrochen, obwohl Senat und Bezirk Mitte Mai einen Rahmenvertragsentwurf vorgelegt hatten. Dieser Entwurf soll die Entwicklungsinteressen der Eigentümerseite mit der dauerhaften Sicherung des „Soziokulturellen L“ verbinden. Das Land Berlin will nun erneut auf die Kurth-Gruppe zugehen und einen weiteren Klärungsversuch starten.

Die Visualisierung zeigt die geplante Entwicklung des Projekts „RAW West“ auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain. Zu sehen sind moderne Neubauten mit begrünten Fassaden und Dachflächen, die zwischen historischen Bestandsgebäuden entstehen sollen.

Eine Visualisierung des Projekts „RAW West“ zeigt die geplante Neubebauung auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Während Investoren auf eine Entwicklung des Areals drängen, steht die langfristige Sicherung von Clubs und soziokulturellen Nutzungen weiterhin im Mittelpunkt der Verhandlungen. / © Visualisierung: Kurth Immobilien

Bedrohung auf dem RAW-Gelände: Räumung verschärft den Konflikt

Der Konflikt betrifft einen der bekanntesten Kulturstandorte Berlins. Auf dem früheren Reichsbahnausbesserungswerk zwischen Revaler Straße, Warschauer Straße, Modersohnstraße und Stadtbahn haben sich seit Jahren Clubs, Sportangebote, Ateliers, Märkte, Gastronomie und Kulturprojekte angesiedelt. Besonders im westlichen Teil des Areals bündelt das „Soziokulturelle L“ zentrale Nutzungen. Nach Angaben aus dem Umfeld der Betreiber würde eine Räumung des Cassiopeia Ende Juni die sofortige Insolvenz des Clubs bedeuten.

Der Bezirk kritisiert vor allem den Zeitpunkt der Räumungsaufforderungen. Denn Senat und Bezirksamt hatten der Kurth-Gruppe zuvor ein Angebot gemacht, das auch eine vorgezogene Baugenehmigung für Wohnungsbau einbezieht. Die Eigentümerseite hatte diese Möglichkeit im Januar 2026 unter Hinweis auf den sogenannten Bauturbo zur Bedingung für die Fortführung des Verfahrens gemacht. Aus Sicht des Landes Berlin sollte ein solcher wirtschaftlicher Vorteil aber mit einer verbindlichen Sicherung der Kulturflächen gekoppelt werden.

Der Rahmenvertragsentwurf sieht nach Angaben des Bezirks vor, das „Soziokulturelle L“ für 30 Jahre über einen Generalmietvertrag abzusichern. Zusätzlich bot das Land Berlin einen Zuschuss für Investitionsmaßnahmen an. Zudem hat Berlin bereits ein Schallgutachten beauftragt. Nach Darstellung des Bezirks blieb eine inhaltliche Antwort der Kurth-Gruppe auf den Vertragsentwurf bisher aus. Parallel dazu erhielten einzelne Nutzer Räumungsaufforderungen, während andere neue Vertragsangebote bekamen.

Das RAW-Gelände nahe der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain zeigt den „Amazon Tower“ im Hintergrund und verdeutlicht die Diskussion um weitere Hochhaus-Pläne.

Während die Kurth-Gruppe das Bebauungsplanverfahren „RAW West“ für gescheitert erklärt und Räumungen vorantreibt, setzen Bezirk und Senat weiterhin auf Verhandlungen, um die langfristige Sicherung der Kultur- und Clubnutzungen auf dem Areal zu gewährleisten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Klärung für „RAW West“: Bezirk und Senat wollen Bebauungsplan weiterführen

Das Bebauungsplanverfahren „2-25a“ läuft seit 2019. Es soll für „RAW West“ neues Baurecht schaffen und zugleich die bestehenden Kultur- und Clubnutzungen absichern. Frühere Planungen sahen ein gemischt genutztes Quartier mit Kultur, Gewerbe, Büros, Sport, Freiräumen und Wohnungen vor. Das rund 51.000 Quadratmeter große Areal ist seit Jahren Gegenstand komplexer Abstimmungen.

Die BVV-Fraktionen von Grünen, Linken und SPD wollen nun eine Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung einberufen. Dort sollen Senat und Kurth-Gruppe den Stand der Verhandlungen darlegen. Zugleich kündigten die Fraktionen an, den Bebauungsplan bei Bedarf auch unter veränderten Bedingungen weiterzuführen. Ziel bleibt, den soziokulturellen Charakter des RAW-Geländes möglichst weitgehend zu sichern.

Quelle: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg