Vorwürfe

von Katalin Valeš, MDR SACHSEN

Stand: 16.06.2026 06:30 Uhr

Am DHL Hub Leipzig werfen Beschäftige und eine Gewerkschaft dem Konzern vor, verdeckt Stellen abzubauen, Druck auf die Belegschaft auszuüben und die Arbeitsbelastung zu erhöhen. DHL weist die Vorwürfe zurück und spricht von Fluktuation.

Ein ehemaliger Beschäftigter wirft DHL Hub Leipzig vor, Kündigungen ungerechtfertigt auszusprechen und Beschäftigte under Druck zu setzen.

Acht Jahre arbeitete er im DHL-Hub Leipzig – seine Kündigung kam für ihn überraschend. Er berichtet von Druck und Verunsicherung im Betrieb.

Acht Jahre lang hat Stefan H. (Name von der Redaktion geändert) im DHL Hub Leipzig gearbeitet – dann wurde dem 34-Jährigen gekündigt. Für ihn sei das überraschend gewesen und aus seiner Sicht ungerechtfertigt. Aus Angst vor beruflichen Nachteilen möchte er anonym bleiben. Im Gespräch mit MDR SACHSEN berichtet er von Druck und wachsender Verunsicherung im Betrieb. Er habe den Eindruck, dass es ähnliche Fälle zuletzt häufiger gegeben habe. Am Standort habe zuletzt „ein starkes Klima der Verunsicherung“ geherrscht.

Dem Konzern wirft Stefan H. vor, Kündigungen und Aufhebungsverträge systematisch einzusetzen und das nach außen herunterzuspielen.

Der DHL Hub Leipzig steht in der Kritik, verdeckt und strukturiert Stellen abzubauen. DHL bestreitet das.

Dunkle Wolken über dem DHL Hub Leipzig: Aktive und ehemalige Beschäftigte werfen dem Unternehmen versteckten Personalabbau vor.

Gewerkschaft spricht von Stellenabbau „durch die Hintertür“

Auch die Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM) erhebt schwere Vorwürfe. Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus sagt MDR SACHSEN: „Wir gehen davon aus, dass ca. 1.000, vielleicht sogar mehr, Stellen tatsächlich durch die Hintertür abgebaut wurden. Das ist ein massiver Arbeitsplatzabbau, bei dem sogar betriebliche Mitbestimmung umgangen wurde.“

Beschäftigte würden nach Einschätzung der Gewerkschaft DPVKOM durch Gespräche und Angebote zu Aufhebungsverträgen unter Druck gesetzt. Die Gewerkschaft berate regelmäßig Betroffene, teils liefen Klagen.

Eine Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di lag trotz Nachfrage nicht vor.

Sebastian Breitbarth, Vorsitzender des Betriebsrats am DHL Hub Leipzig

Sebastian Breitbarth, Betriebsratsvorsitzender am DHL Hub Leipzig, spricht von einem „strukturierten Abbau von Stellen“ und sieht vor allem schwächere Beschäftigte betroffen.

Betriebsrat sieht ebenfalls strukturierten Abbau

Auch der Betriebsrat sieht die Entwicklung kritisch. Vorsitzender Sebastian Breitbarth spricht von einem „strukturierten Abbau“ von Stellen. Besonders betroffen seien gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte – „die Schwächsten der Schwachen“.

Der Betriebsrat berichtet auch von Fällen, in denen sich Beschäftigte bei angebotenen Aufhebungsverträgen unter Druck gesetzt gefühlt hätten.

Ronald Brömme ist Betriebsratmitglied am DHL Hub

Ronald Brömme ist seit neun Jahren im DHL Hub Leipzig beschäftigt und hat den Eindruck, dass Kündigungen relativ schnell ausgesprochen werden.

Mitarbeiter-Eindruck: „Mehr Arbeit für weniger Köpfe“

„Man merkt sehr stark, dass die gleiche Arbeit auf immer weniger Köpfe verteilt wird“, sagt Ronald Brömme MDR SACHSEN. Er ist in der Sortierhalle am DHL Hub zuständig für das Be- und Entladen von Containern und seit kurzem Mitglied im Betriebsrat.

Brömme beschreibt, dass Stellen zunnehmend reduziert würden – mit Konsequenzen für die Beschäftigten. Kurzfristige Änderungen im Dienstplan erschwerten etwa die Kinderbetreuung. Zudem kenne er Kolleginnen und Kollegen, denen Aufhebungsverträge teils mehrfach angeboten würden.

Der DHL Hub Leipzig ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region.

Der DHL Hub Leipzig verzeichnet eigenen Angaben zufolge sinkende Sendungsmengen.

DHL weist Vorwürfe zurück

DHL bestätigt MDR SACHSEN, dass die Zahl der Beschäftigten am DHL Hub gesunken ist: von mehr als 7.000 Anfang 2024 auf über 6.000 Anfang im Jahr 2026. Einen gezielten Personalabbau weist das Unternehmen in einem schriftlichen Statement jedoch zurück.

Der Rückgang von Beschäftigten sei vor allem auf natürliche Fluktuation zurückzuführen. Wegen der wirtschaftlichen Entwicklungen „ist es gegenwärtig nicht geplant, durch Fluktuation freigewordenen Stellen nachzubesetzen“, so ein Sprecher.

Zu den von der Belegschaft und Gewerkschaft kritisierten Aufhebungsverträge hieß es, sie seien ein freiwilliges Instrument. Sie würden ausschließlich im gegenseitigen Einvernehmen angeboten. Zu Vorwürfen, Beschäftigte würden unter Druck gesetzt, äußerte sich das Unternehmen nicht.

Unruhe im DHL Hub Leipzig.

Seit vier Jahren sind einem Sprecher zufolge die Sendungsmengen rückläufig.

Seit Jahren weniger Sendungsmengen

Ein DHL-Sprecher bezeichnete das DHL-Drehkreuz Leipzig in dem Statement als „echte Erfolgsgeschichte“ – tausende tarifgebundene und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze seien geschaffen worden.

Allerdings seien bei DHL Express die Sendungsmengen seit 2022 aus verschiedenen wirtschaftlichen Gründen rückläufig.

Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM, steht während eines Warnstreiks mit Beschäftigten vor dem Leipziger DHL Hub.

Die Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM Christina Dahlhaus wirft dem DHL Hub einen verdeckten Stellenabbau ohne Sozialplan und ohne betriebliche Mitbestimmung vor.

Gewerkschaft widerspricht

Gewerkschaft und Beschäftigte widersprechen dieser Darstellung von DHL. „Das ist keine Fluktuation. Natürlich ist das ein Personalabbau“, betont die Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM, Christina Dahlhaus.

Auch Stefan H. stellt die Begründung des Unternehmens infrage. „Als ich dort gekündigt wurde, war immer noch massiv Volumen nachzubearbeiten“, sagt er. Aus seiner Sicht spreche das gegen einen tatsächlichen Rückgang der Arbeitsmenge.

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MDR (kav)