Frei nach dem Motto „Eigenlob stinkt nicht“ unterrichtet das Amt für Verkehrsmanagement die Mitglieder aller zehn Bezirksvertretungen aktuell über den Stand des barrierefreien Ausbaus der Stadtbahn- und Straßenbahnhaltestellen in der Landeshauptstadt. Dieser schreite kontinuierlich voran, heißt es in einer Informationsvorlage für die Politik: Im Hochflur-Stadtbahnnetz verfügten etwa zwei Drittel aller Steige schon über einen stufenlosen Einstieg, im Niederflur- und Straßenbahnnetz die Hälfte aller Halte.

Der barrierefreie Ausbau von Haltestellen in NRW ist gesetzlich im Personenbeförderungsgesetz verankert. Eigentlich sah die gesetzliche Vorgabe vor, dass alle Haltepunkte seit dem 1. Januar 2022 vollständig barrierefrei sein sollten, damit mobilitätseingeschränkte Menschen einfacher mit Bus und Bahn unterwegs sein können. Doch landesweit hängt man zurück, auch in Düsseldorf. Aktuell befindet sich der Um- und Ausbau von rund 40 Stadt- und Straßenbahnhaltestellen gleichzeitig in Bearbeitung, wodurch, so die Verwaltung in ihrer Vorlage, „eine effiziente Projektabwicklung deutlich erschwert wird.“

Deshalb wird nun vonseiten der Stadt umgesteuert: „Um den barrierefreien Haltestellenausbau fokussiert weiter voranzutreiben, haben Verwaltung und Rheinbahn ein neues Umsetzungsprogramm Schiene für die nächsten fünf Jahre erarbeitet“, heißt es in der Informationsvorlage für die Politik: Dieses wurde „vor dem Hintergrund vorhandener Prioritäten, personeller und finanzieller Ressourcen sowie des Fortschritts bereits laufender Planungen erstellt.“

Für den Stadtbezirk 9 bedeutet der vorübergehende Planungsstopp, dass auf die Haltestellen entlang der Linien U72 und U76 Umbauten erst für nach dem Jahr 2030 in Aussicht gestellt sind. Betroffen sind diese vier Halte: Holthausen (Kamper Acker), Opladener Straße, Ickerswarder Straße und Elbruchstraße. Dabei war man für den Hochbahnsteig am Kamper Acker schon seit einigen Jahren in der Entwurfsplanung.

Im Nahverkehrsplan 2017 hatte dieser Halt die Prioritätsstufe drei für den Halteabschnitt der U76 bekommen. Wegen der Klärung der Tragfähigkeit des dortigen Regenrückhaltebeckens habe es dort einen langen Planungsstopp gegeben, heißt es in der Dokumentation zur Informationsvorlage. Zusätzlich ist – wie bei den drei anderen von der Verschiebung betroffenen Haltestellen – zu lesen: „Die Fortsetzung der Planung erfolgt in Abhängigkeit einer politischen Entscheidung zur Zukunft des Mischbetriebs in Düsseldorf.“

Auf Anfrage unserer Redaktion erläuterte ein Stadtsprecher, was darunter zu verstehen ist: „Der barrierefreie Ausbau auf Streckenabschnitten, die sowohl von Hochflur- als auch Niederflurbahnen befahren werden, ist aufgrund der unterschiedlichen Bahnsteighöhen städtebaulich herausfordernd. Aus diesem Grund erarbeitet die Stadtverwaltung verschiedene Lösungsansätze, die unter anderem sowohl eine Trennung der Systeme als auch eine Beibehaltung des Mischbetriebs vorsehen.“

Wie das aussehen könnte, darüber soll dann auch bei der Aufstellung eines neuen Nahverkehrsplanes mit Experten und der Politik diskutiert werden. „Gemäß Beteiligungskonzept zur Neuaufstellung des Düsseldorfer Nahverkehrsplans sollen unter anderem Gespräche mit Politik und Bürgern in den Bezirken vor Ort stattfinden. Die Zukunft der Mischbetriebsstrecken wird somit parallel zu den laufenden Untersuchungen auch Thema sein“, teilte der Stadtsprecher weiter mit.

Die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) 9 waren quer durch alle Fraktionen entsetzt über die deutliche zeitliche Verschiebung. „Ich bin fassungslos“, sagte etwa die zweite stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Christine Majewski (Grüne). Ulrich Hampe, Sprecher der CDU-Fraktion, verwies auf die einst von Oberbürgermeister Stephan Keller gegebene Zusage, dass der barrierefreie Umbau der Haltestelle Benrather Schlossallee 2029 hätte erfolgen sollen. Auf der neuen Liste taucht dieser Halt schon gar nicht mehr auf: „Wir sollten den OB beim Wort nehmen“, so Hampe. Und auch die nun geplante Fertigstellung der Haltestellen entlang der Kölner Landstraße ab 2040 ließ ihn fassungslos zurück. Der eine oder andere BV-Politiker unkte sogar, dass er diesen Termin wohl nicht mehr erleben werde.

Ines Hümmerich, BV-Mitglied für die CDU, die auch im Seniorenrat sitzt, verwies darauf, dass die Barrierefreiheit im ÖPNV ein Thema in fast jeder Sitzung des Seniorenrates sei. Andrea Wimschneider (Grüne) ärgerte sich in der Sitzung, dass der Stadtbezirk 9 fast 100.000 Bewohner habe, aber mit keinem einzigen Projekt mit Fertigstellung bis 2030 auftauche.

Wie sich die Landeshauptstadt in den kommenden Jahren beim ÖPNV aufstellen will, wird im neu aufzustellenden Nahverkehrsplan hinterlegt, bei dem man im Zeitverzug ist. Auf Anfrage teilte der Stadtsprecher dazu mit, dass die Stadt die Arbeiten nun offiziell mit dem Kick-Off Ende März begonnen habe. Für den Erarbeitungsprozess wird eine Dauer von etwa drei Jahren veranschlagt.