Blick aus der Chefetage auf die Baustelle der Chipfabrik 4 von Infineon Dresden im März 2024. Foto: Heiko Weckbrodt
Mikroelektronik-Standort Dresden macht es vor: Auch milliardenschwere Großprojekte sind zügig realisierbar
Dresden, 16.06.26. Behörden und allzu behäbige Investoren können sich am sächsischen Mikroelektronik-Standort Sachsen eine Scheibe abschneiden, wenn es darum geht. Großprojekte selbst im überregulierten und überbürokratischen Deutschland flott zu realisieren. Das hat der Baumanager Klaus-Peter Stöppler eingeschätzt.
Bau- und Immobilienfachmann Klaus-Peter Stöppler / Fotorechte: Klaus-Peter Stöppler
„Silicon Saxony ist eine Blaupause, wie sich Deutschland auf wichtigen Zukunftsmärkten positionieren kann.“
Baumanager Klaus-Peter Stöppler
Die weit verbreitete Behauptung, Deutschland könne keine Großprojekte mehr erfolgreich umsetzen, sei schlichtweg falsch: „Silicon Saxony ist eine Blaupause, wie sich Deutschland auf wichtigen Zukunftsmärkten positionieren kann“, meint Stöppler. „Die Übertragung dieses Erfolgsmodells auf andere Zukunftsmärkte wie Raumfahrt, Drohnen und Robotik muss gelingen, um Deutschland langfristig eine wirtschaftlich attraktive Zukunft zu verschaffen.“
Infineon eröffnet Dresden-Fab Nr. 4 Anfang Juli – drei Monate vorfristig
Konkret verweist der Bauexperte auf die neuen Chipfabriken von Infineon, Bosch, TSMC und anderen Halbleiter-Schwergewichten, die in Rekordtempo ihre Baugenehmigungen bekamen und ihre Mikroelektronik-Werke teils sogar vorfristig in Betrieb nehmen konnten. So startet beispielsweise Infineon in wenigen Tagen seine vierte Fab in Dresden – ein Vierteljahr eher als anfangs geplant.
Sachsens Behörden arbeiten mit verschränkten Teilgenehmigungen
Auch bei TSMC hatten die Behörden in Dresden sowie auf Landes- und Bundesebene mit Voraberlaubnissen und Teilgenehmigungen gearbeitet und koordinierende Projektmanager eingesetzt, um das Verfahren zu beschleunigen. Solche Beispiele zeigen nach Meinung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), „wie es auch unter den komplexen Regulierungsbedingungen in Deutschland gelingen kann, Investitionsvorhaben in einem wettbewerbsfähigen Zeitplan umzusetzen“.
Archivbild von der Baustelle der TSMC-ESMC-Fabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Das sieht Bauprojektmanager Stöppler ähnlich: Deutschland tue sich immer wieder schwer, große Vorhaben wie den Flughafen Berlin-Brandenburg, die Sanierung von Schienennetz, Autobahnen und Brücken zügig umzusetzen. Doch „Verzögerung“ sei kein in Stein gemeißeltes Gesetz: „Die erfolgreiche Entwicklung von Silicon Saxony in Dresden zeigt, dass Deutschland allen Unkenrufen zum Trotz Großprojekte erfolgreich durchführen kann“, argumentiert er.
Entscheidend: Ziele sind klar, Finanzierung steht und Behörden ziehen mit
Der entscheidende Unterschied zwischen erfolgreichen und gescheiterten Großprojekten bestehe nicht in der Technologie oder der Größe der Investition: „Fast alle Problemprojekte weisen dieselben Symptome auf: unklare Zielsetzungen, zu viele Entscheidungsebenen, mangelnde Verantwortlichkeiten und eine fehlende Gesamtsteuerung. Erfolgreiche Projekte dagegen zeichnen sich durch klare Prioritäten und eindeutige Entscheidungsstrukturen aus.“
Wurde letztlich vom US-Halbleiterprimus abgeblasen: Die Visualisierung zeigt den Eingangsbereich der ursprünglich geplanten Intel-Doppelfabrik in Magdeburg. Grafik: Intel
Dies zeige sich eben auch an den Mikroelektronik-Großinvestitionen in Sachsen, die – anders als etwa die Intel-Fabs in Magdeburg oder die Wolfspeed-Fabrik im Saarland – tatsächlich realisiert werden und dies auch recht zügig. Sichtbar sei, dass die Halbleiter-Investoren in Sachsen einen klar definierten wirtschaftlichen Fokus auf Chips für KI und den Automobilbau verfolgen. Hinzu komme, das Bauherr, Land und EU den Projektzielen eine hohe Priorität eingeräumt haben. Zudem war die Milliarden-Finanzierung von Anfang an festgezurrt, betont der Bauexperte. „Sicherlich auch aufgrund der klaren wirtschaftspolitischen Zielsetzung und der verlässlichen Rahmenbedingungen arbeiteten Behörden, Projektsteuerer, Planer und ausführende Unternehmen hervorragend zusammen.“
Von links nach rechts: Heinrich Hünting vom sächsischen Wirtschaftsministerium, Silicon-Saxony-Chef Frank Bösenberg, Hagen Schroth von Hochtief, Sachsenenergie-Vorstand Frank Brinkmann und der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert deuten mit Spaten in den Händen an: Wir packen es an. Das neue Elbwasserwerk entsteht allerdings nicht auf dem Bootssteg, sondern auf der anderen Elbseite. Foto: Heiko Weckbrodt
Nötige Infrastrukturen gleich mitgedacht
Zudem denken Behörden und Investoren in Dresden und Sachsen die nötigen Infrastrukturen gleich mit. So investiert Sachsenenergie mit Blick auf die expandierende Halbleiterindustrie mehrere Hundert Millionen in ein neues Flusswasserwerk, ein vom Trinkwasser getrenntes Industriewasser-Leitungssystem, neue Stromleitungen und dergleichen mehr. Und diese Begleitinvestitionen sichern ab, dass die milliardenschweren Fabrik-Neubauten wirklich realisiert werden und im Zeitplan bleiben. Stöppler: „Europas größter Halbleiterstandort erweitert seine Produktionskapazitäten massiv, um die steigende Nachfrage aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Elektromobilität und Digitalisierung zu bedienen.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Klaus-Peter Stöppler, Linkedin, Oiger-Archiv, SSK
