An großen Häusern hätte er so ein Projekt nicht machen können, meint Hetzel. Die Schwellen seien viel zu hoch. Das Theater Rampe spricht ein breites, diverses Publikum an. Einige kamen spontan herein, als sie im Vorbeigehen die Ankündigung sahen, erzählt Kathrin Stärk, die die Pressearbeit macht. Immer wieder streckt das Theater seine Fühler ins Quartier aus.
Die Juroren sind insgesamt zu fünft, einer springt ein, wenn ein anderer nicht kann. Warum sie mitmachen, wollen auch die Bewerber:innen wissen. „Mich hat’s interessiert, wie dich“, gibt Thommi zurück. „Weil ich einfach neue Leute kennenlernen wollte“, erklärt Daniel. „Habt ihr euch die Fragen selber ausgedacht?“, fragt eine junge Frau, die am Ende ihres Studiums nach einer Perspektive sucht. Roger verneint: Er war nicht dabei. „Bist du zufrieden damit?“, fragt sie weiter. Ja, mit den Fragen kann er etwas anfangen. „Geht’s dir gut?“, will sie nun wissen. „Nicht wirklich“, antwortet er.
„Wo hast du heute Nacht geschlafen?“, fragt Thommi. „Bei meinem Ex-Freund in einem kleinen Zimmer“, antwortet die Bewerberin und fügt hinzu, etwas unsicher: „Nicht so wie du.“ Der Juror entgegnet, auch er habe inzwischen ein kleines Zimmerchen. Ja, in dem Stück sind die Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt. Aber wie sich an diesem Beispiel zeigt: Die Unterschiede sind nicht immer groß. Was die beiden Menschen verbindet – auch mit vielen im Publikum – ist, dass sie nicht wissen, wo sie das Geld hernehmen sollen. Die Armut nimmt zu. Und das in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt.
Über Geld spricht man nicht, heißt es oft. Das gilt ebenso für diejenigen, die viel mehr haben, als sie wirklich bräuchten, wie für die, die sich schämen, arm zu sein. Vielleicht liegt genau hier der Fehler: Man sollte viel mehr darüber sprechen. Hetzels Theaterexperiment arbeitet daran. „Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“, lautet eine weitere Frage. „Ja!“, antworten fast alle Bewerber:innen: „Auf jeden Fall.“ Aber wie? „Indem sie relevante Themen auf die Bühne bringt“, sagt eine. „Indem sie das tut, was man nicht von ihr erwartet“, meint eine andere.
Die Bewerbungsgespräche laufen noch täglich bis Freitag, 19. Juni, jeweils ab 16 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro für einen Tag, man kann kommen und gehen, wann man will. Für das Grand Finale am Sonntag um 20 Uhr gilt ein solidarisches Preismodell: Jede:r gibt, was er oder sie kann, mindestens aber 6 Euro. Mehr Infos hier.