Dieses Dorf hatte schon viele Überväter: Knittkuhl gehörte ursprünglich zur Honschaft Hasselbeck im Herzogtum Berg, ab 1930 dann zur Gemeinde Hasselbeck-Schwarzbach im Kreis Mettmann. Mit dem Bau der Bergischen Kaserne in den 1960er-Jahren wurde sie zur Soldaten-Siedlung und 1975 schließlich Hubbelrath zugeordnet. Erst seit 2014 ist Knittkuhl Düsseldorfs 50. Stadtteil – und genießt seitdem so etwas wie eine eigene Identität.

Hier gibt es nur eine Handvoll Straßen, keine abgedrehte Architektur, kaum Infrastruktur, ein Supermarkt konnte nicht lange überleben, immerhin hält ein Bus. Und doch ist das Gemeinschaftsgefühl hier so groß, dass alle mit Stolz sagen: „Ich bin Knittkuhler!“ Jeder kennt jeden, Anonymität ist verpönt. Gelebte Nachbarschaft nennt man so etwas, und wer das sagt, kennt sich im Dorf aus: Christian Klöhn ist Vorsitzender des SSV Knittkuhl, neben den Kulturfreunden der einzige Verein im Ort. Im SSV-Vereinsheim kamen jetzt zwei Dutzend Menschen zusammen, um sich ein wenig selbst und vor allem Knittkuhl zu feiern.

Eingeladen hatte die Bezirksvertretung 7, die im Rahmen einer Veranstaltungsreihe auf die eigene Arbeit aufmerksam machen und eben die einzelnen Stadtteile des Stadtbezirks 7 stärker in den Fokus rücken will. Und auch über Knittkuhl gibt es halt eine Menge zu erzählen. Ein Beispiel: Düsseldorf ist ja gerade dabei, mit seinen in die Zweit- und Drittklassigkeit abrutschenden Vereinen im Leistungssport in der Versenkung zu verschwinden. Der SSV mit seinen 1360 Mitgliedern ist, und das wird nur allzu gerne in dieser Stadt vergessen, Landesleistungsstützpunkt für die Rhythmische Sportgymnastik, veranstaltet mit dem City-Cup alljährlich ein hochrangiges Turnier und bringt auch eigene talentierte Sportlerinnen hervor.

Und die Knittkuhler wissen sich zu wehren. Als die Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) vor 16 Jahren ein mehr als 200 Hektar großes Gelände rund um den Segelflughafen für 12,6 Millionen Euro verkaufen wollte, um es bebauen zu lassen, regte sich in Knittkuhl der Protest besonders lautstark. „Wir hatten zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, doch alle Vertreter der Stadt sagten einen Tag vorher ab. Sie durften wohl nicht kommen“, erinnert sich Wolfgang Gruß, der federführend in der rasch gegründeten Bürgerinitiative Aaper Wald agierte.

Unterschriften wurden für ein Bürgerbegehren gesammelt, 22.000 Stück, die auf einmal wegen eines Formfehlers alle ungültig waren. „Wir haben von vorne angefangen, hatten 81 Sammelstellen, in Praxen, Apotheken, Kneipen“, berichtet Gruß. Bis Juni 2011 waren es so wieder 14.000 Unterschriften. „Am 28. Juni 2011 erhielt ich einen Anruf von Oberbürgermeister Dirk Elbers, im Rathaus erzählte er mir, die Bima habe das Angebot zurückgezogen. Das wusste ich aber vorher schon, auf dem Weg dorthin hatte mich ein Reporter der Rheinischen Post informiert“, so Gruß.

Und gastfreundlich sind die Knittkuhler. Als die Flüchtlingswelle 2016 auch Knittkuhl erreichte, temporäre Unterkünfte an der Blanckertzstraße und auf dem Gelände der Bergischen Kaserne entstanden, war es die Grundschule mit ihrer Leiterin Antje Grüneklee, die den Kindern zu einer festen Struktur verhalf. „Aber es waren eigentlich alle im Dorf, die mit Sach- und Geldspenden mitwirkten. Es entstand ein dichtes Netzwerk, um die Kinder mit Schulsachen zu versorgen, ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Grüneklee. „Wir haben Ausflüge gemacht und zusammen Marmelade gekocht. Diese Zeit hat uns hier alle zusammengeschweißt. Denn manchmal standen morgens 50 weitere Kinder verschüchtert vor dem Schultor und wussten nicht so recht, wohin“, so die Schulleiterin.

Es gebe noch so einige Geschichten mehr über Knittkuhl zu erzählen, etwa über den Karneval, der nach einer feucht-fröhlichen Nacht auch zu einem aufwendigen April-Scherz führte, als Knittkuhl plötzlich eine U-Bahn-Station erhalten sollte. War natürlich Quatsch, es blieb bei dem einen Bus. „Und der kommt sogar meistens, manchmal jedoch auch nicht“, weiß Christian Klöhn. Aber darüber regt sich in Knittkuhl schon lange keiner mehr auf.