Architektur aus nächster Nähe erleben und sich inspirieren lassen – dazu lädt auch in diesem Jahr der Tag der Architektur ein. Am 27. und 28. Juni öffnen in Nordrhein-Westfalen 141 Wohnhäuser, Quartiere, Gärten und Grünanlagen in 76 Städten und Gemeinden ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Die Bandbreite reicht von Wohnungen in einer umgebauten Scheune bis zum universitären Forschungszentrum, vom neuen Wohnkomplex auf einer ehemaligen Brachfläche bis zum Campus für Digitalisierung, KI und Innovation.

Das Gelderland ist ebenfalls vertreten. Ein Objekt, das besichtigt werden kann, ist die Friedhofskapelle Walbeck, Kevelaerer Straße 21. Das in den 1950er Jahren errichtete und Ende der 1980er Jahre erweiterte Gebäude wurde von der Gelderner Baugesellschaft umfassend saniert und behutsam weiterentwickelt. Der Architekt ist Ernst-Christian Gerats. Die bislang zu klein bemessene Trauerhalle erhielt eine helle, moderne und großzügige Erweiterung, die nun Platz für bis zu 30 Sitzplätze bietet. Durch die offene und zugängliche Gestaltung entstand ein würdevoller Ort mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, der sowohl kleinen als auch größeren Trauerfeiern einen angemessenen Rahmen geben soll. Die Friedhofskapelle ist am Sonntag, 28. Juni, von 12 bis 14 Uhr geöffnet. Eine Führung findet um 12 Uhr statt.

Besichtigt werden kann auch die ebenfalls von der Baugesellschaft in Geldern neu gebaute Realschule An der Fleuth, Am Rodenbusch 19b, am Samstag, 27. Juni, von 10 bis 14 Uhr. Die dreizügige Schule wurde Anfang 2024 fertiggestellt und bietet Platz für 540 Schüler mit Fachräumen für Kunst, Werken, Musik, Hauswirtschaft, Chemie, Physik und Informatik. Zentraler Anlaufpunkt ist das Foyer, das gleichzeitig Eingang, Pausenhalle und Veranstaltungshalle ist. Dieses ist offen gestaltet und verbindet die Funktionsbereiche der Schule im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss. Zusätzlich ist im ersten Obergeschoss ein Selbstlernzentrum mit Bibliothek untergebracht. Diese besondere Funktion ist auch von außen am Baukörper deutlich zu erkennen. Der Architekt ist Engelbert Hanßen. Die Führung beginnt um 12 Uhr am Haupteingang.

Ein drittes Objekt steht in Kevelaer und kann am Samstag, 27. Juni, in der Zeit von 11 bis 14 Uhr besichtigt werden: Das neue Jugend- und Verwaltungszentrum, Kroatenstraße 85, ist ein Gebäudeensemble, bestehend aus der sanierten ehemaligen Virginia-Satir-Schule und dem L-förmig angegliederten Neubau. Der regionaltypisch verklinkerte Altbau mit Satteldach kontrastiert dabei mit der dynamischen Erweiterung mit Holz- und Pfosten-Riegel-Fassade. Funktional teilt sich der Bau in städtische Verwaltungsräume und das Jugendzentrum Kompass. Die Entwurfsplanung stammt von den beiden Architekten Michael van Ooyen und Oliver Droop. Führungen finden um 11, 12 und 13 Uhr statt. Treffpunkt ist vor dem Haupteingang.

„Was mich an den 141 Projekten dieses Jahrgangs besonders freut: Die Mehrzahl sind keine Neubauten, sondern entwickeln den Gebäudebestand weiter“, sagt Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. „Die Planenden haben Bestehendes weitergedacht – klug, nachhaltig, mit Respekt vor dem, was schon da war. Das ist kein Kompromiss, das ist Haltung.“ So werde graue Energie, die in bestehenden Gebäuden gespeichert sei, sinnvoll weitergenutzt. „Qualitäten erhalten statt abreißen: Das sind die Antworten unseres Berufsstands auf die Herausforderungen unserer Zeit“, unterstreicht die Präsidentin der größten deutschen Architektenkammer.

In Nordrhein-Westfalen findet der „Tag der Architektur“ bereits zum 31. Mal statt. Seit 1996 nutzen alljährlich viele Tausend Architekturfans und Bauinteressierte das Event am letzten Juni-Wochenende, um gestalterische Trends, intelligente Planungsansätze und technische Entwicklungen rund ums Bauen und Wohnen kennenzulernen – und mit den Planenden über Ideen und Konzepte ins Gespräch zu kommen.