Stand: 17.06.2026 10:11 Uhr
In Sehnde in der Region Hannover hat ein Gänsegeier Jungtiere in einem Storchennest gefressen. Der Greifvogel hatte zuvor die Eltern vertrieben. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) gibt es mehr Geier in Deutschland.
„Die beiden großen Störche haben versucht, es zu verhindern, hatten aber keine Chance“, sagt Sabine Kleinert, auf deren Hof das Nest steht. „Wir waren todunglücklich.“ Normalerweise würden sich Gänsegeier von Aas ernähren, teilt der NABU mit. „Diese Attacke ist absolut außergewöhnlich“, so ein Sprecher. „Dieser Geier hatte wohl großen Hunger.“ In Frankreich habe es offenbar einen ähnlichen Fall gegeben. Auch dort solle ein Gänsegeier den fast flüggen Storchennachwuchs aus einem Nest erbeutet haben.
Gänsegeier fasziniert Ornithologen und Naturfotografen

Nach einiger Zeit verschwindet der Geier wieder aus dem Storchennest.
Das Auftauchen des Nesträubers im Sehnder Ortsteil Klein Lobke weckte das Interesse von einem Dutzend Ornithologen und Naturfotografen. „Wann sieht man hier schon mal einen Gänsegeier?“, sagt Sabine Kleinert. Das sei eine Attraktion gewesen. Mutmaßungen, dass die Jungtiere schon tot gewesen seien, widersprach sie: „Die Weißstörche haben ihren Nachwuchs bis zuletzt versorgt. Und dann kam der Geier.“ Für Naturfotograf Lutz Petersen war das „ein tolles Erlebnis“. Er hat mit Kamera und Teleobjektiv fünf Stunden am Nest gewartet – bis ihm ein Foto vom Abflug des Geiers gelang.
Hofbesitzerin hofft auf Nachwuchs im kommenden Jahr

Die Weißstörche kehrten nach dem Abflug des Geiers zurück in ihren Horst.
Die beiden Weißstörche kehrten nach dem Verschwinden des Geiers direkt zu ihrem Horst zurück. „Die sitzen da oben wieder, als wäre nichts gewesen“, schildert Sabine Kleinert. Sie hofft jetzt auf neuen Nachwuchs im kommenden Jahr, aber auch, dass der Geier seinen Weg nicht mehr nach Klein Lobke findet.
Geier wohl nur auf Nahrungssuche in Deutschland
Immer mehr Geier kreisen derweil über Deutschland. Nach einzelnen Sichtungen im April und Mai sind laut NABU momentan mehr als ein Dutzend der Greifvögel im Land unterwegs. So gab es Sichtungen in Bayern am Karwendelgebirge und am Ammersee, am hessischen Edersee, nahe der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart sowie nun in der Region Hannover. Die Aasfresser stammten sehr wahrscheinlich aus Frankreich oder Spanien, hieß es vom Umweltverband. Sie seien hier aber wohl nur auf Nahrungssuche und nicht auf der Suche nach neuen Revieren. Gänsegeier legen laut Experten 300 bis 400 Kilometer zurück und sind mit einer Flügelspannweite von bis zu 260 Zentimetern größer als Steinadler.

Die vier Küken werden in der Station in Sachsenhagen versorgt. Zehn Tage sollen sie noch im Brutkasten bleiben.

Die Nässe hilft den Jungstörchen sehr. Seit Jahren kommt das Storchenpaar zum Brüten ins NABU-Artenschutzzentrum Leiferde.

Die Störchin war bei der Futtersuche gestorben. Fünf Eier lagen im Nest an der Liebfrauenkirche in Neustadt am Rübenberge.

Die letzte Sichtung in Schleswig-Holstein liegt schon fast 20 Jahre zurück, so ein Experte.