Der St. Sebastianus-Schützenverein Bilk will mit seiner Kirmes hoch hinaus. „Das erste Mal seit mehr als 20 Jahren haben wir wieder ein Riesenrad auf unserer Kirmes“, freut sich der 1. Sebastianus-Chef Ulrich Müller. „Sowieso ist der Festplatz so gut mit Fahrgeschäften bestückt wie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr.“ Das heißt, dass sich auf dem 28.500 Quadratmeter großen Aachener Platz, auf dem außerhalb der Schützenfestzeiten jeden Samstag ein Trödelmarkt durchgeführt wird, insgesamt 45 Fahr- und Laufgeschäfte und jede Menge kulinarische Angebote tummeln werden. Damit ist der Platz, auch wegen der großen Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Riesenrad oder Polyp, bis auf ganz wenige Meter komplett voll. „Wir veranstalten hinter der großen Rheinkirmes im Juli die zweitgrößte Schützenfestkirmes in Düsseldorf“, verkündet Müller nicht ohne Stolz. „Das war vor vielen Jahren schon mal so und wird jetzt wieder so sein.“

Dass die Schausteller den Bilker Schützen erstmals wieder „die Bude einrennen“, hat allerdings nicht allzu viel mit gestiegener Attraktivität der Kirmes oder Verlockungen des Schützenvereins zu tun. Vielmehr ist es das Werk des Schaustellerverbands Düsseldorf. „Wir sind eine Zusammenarbeit mit dem Schaustellerverband eingegangen und haben sozusagen alle Rechten und Pflichten abgetreten“, erklärt Müller. „Wir verzichten beispielsweise komplett auf die Standgebühren.“

Die erheben jetzt der Schaustellerverband als Ausrichter des Volksfestes. „Bei den Gebühren bewegen wir uns im überschaubaren Bereich. Wir haben ja auch Arbeit mit der Organisation. Auch bei der Stromversorgung haben wir mit dem Anbieter einen moderaten Vertrag abgeschlossen“, erläutert der Vorsitzende des Düsseldorfer Schaustellerverbands Oliver Wilmering. „Wir haben viel dafür getan, um die Bilker Kirmes für die Schausteller so attraktiv wie möglich zu machen.“

Das war nötig, weil die Kirmes auf dem Schützenplatz Bilk in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten immer kleiner geworden ist. „Wir haben zwar immer noch 8000 bis 10.000 Euro durch die Kirmes eingenommen, aber der Niedergang war deutlich spürbar“, gesteht Müller. „Und bevor unsere Kirmes komplett stirbt, haben wir früh genug gegengesteuert.“

Mit der tatkräftigen Unterstützung der Schausteller soll die Bilker Kirmes zu neuen Höhenflügen ansetzen. „Im Verbandsvorstand waren nicht alle begeistert, als der Vorschlag eingebracht wurde, Bilk in Eigenregie zu organisieren. Wir mussten Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Wilmering. „Aber ich und inzwischen auch der Schaustellerverband sind der festen Überzeugung, dass die Bilker Kirmes eine große Chance besitzt, für alle eine ausgelassene, fröhliche, erfolgreiche Veranstaltung zu werden.“

Dafür griff Wilmering nicht nur auf die Mitglieder des lokalen Schaustellerverbands zurück, sondern lotste auch aus anderen Orten Schausteller nach Bilk. „Die Hälfte der Schausteller kommen aus Düsseldorf, die andere eben nicht“, so Wilmering. „Meine Mutter kommt mit ihrer Losbude und auch ich bin mit meiner Event-Gastronomie dabei, weil ich vom Erfolg der Kooperation mit den Schützen überzeugt bin.“ Die neuen Kirmes-Organisatoren legen Wert darauf, dass es eine Kirmes für alle Generationen wird. „Wir haben darauf geachtet, dass wir für alle ein Angebot bieten. Für Kinder beispielsweise gibt es ein Kinder-Kettenkarussell und vieles mehr. Für die, die auf Geschwindigkeit stehen, gibt es unter anderem den Polypen und die, die es gemütlich haben möchten, können sich im Riesenrad Bilk von oben ansehen“, so Wilmering. „Und wir haben darauf geachtet, dass wir nicht acht Crepes- und neun Grill-Stände haben, sondern dass es abwechslungsreich ist. Deswegen mussten wir auch einigen Bewerbern absagen.“

Um die Anziehungskraft des Volksfestes weiter zu steigern, wird es am Kirmesmontag einen „Tag der Vereine“ geben, an dem sich die Panther, die DEG und die Fortuna dem Kirmesvolk präsentieren. Müller, der auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine (IGDS) ist, ist von dem in Bilk eingeschlagenen Weg überzeugt. „Zusammen mit Oliver habe ich unser Konzept in der IGDS-Platzmeisterrunde vorgestellt“, so Müller. „Das hat auch Wirkung gezeigt, denn wir haben Anfragen von einigen Vereinen erhalten.“

Das erste Schützenfest mit angeschlossener Kirmes, bei der das Volksfest von den Schaustellern auf die Beine gestellt wurde, hat bereits in Oberkassel stattgefunden. Die Oberkasseler Schützen hatten im vergangenen Jahr von der Bilker Initiative gehört, sie für gut befunden, sind in den „fahrenden Zug eingestiegen“ und hatten das Glück ihr Schützenfest vor dem Ideengeber zu begehen. „In Oberkassel hat das Wetter nicht wirklich mitgespielt. Und doch war der Neuanfang für das Volksfest ein Erfolg“, bilanziert Wilmering. „Wenn in Bilk das Wetter mitspielt, wird es ein großer Erfolg.“