Die Stadt Ludwigslust bekennt sich zu ihrem baugeschichtlichen und künstlerischen Erbe. Und das nicht nur mit Blick auf den Großherzog und das Schloss, sondern auch unter Beachtung der jüngeren Geschichte.
So ist jetzt die Betonstatue „Familie“ im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes auf ihren neuen Standort gesetzt worden. Zuvor war an zentraler Stelle ein neues Fundament für die sechs Tonnen schwere Figur gesetzt worden. Zuvor hatte die Skulptur seit Ende der 1970er-Jahre ganz in der Nähe vor dem Bahnhof gestanden.

Die Skulptur an ihrem neuen Standort, wieder ganz in der Nähe des Bahnhofes. (Foto: Mayk Pohle)
Stadt wollte Skulptur besser präsentieren
Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Tiefbau bei der Stadt Ludwigslust, und seinem Team lag das Kunstwerk am Herzen. „Die Skulptur Familie stand schon zwei, drei Jahre unter einer Baumgruppe, in der Nähe ihres künftigen Standortes. Zuvor war sie restauriert worden. Vor den umfangreichen Baumaßnahmen stand die Skulptur 20 bis 30 Meter nördlich ihres jetzigen Standortes. Wir wollten sie halt nur ein wenig besser präsentieren als bisher. Dazu gehört dann später auch eine Grünfläche.“ Erklärt hat Gröger das bei seiner Radtour mit interessierten Bürgern, bei der einige Baustellen vorgestellt wurden. Zusätzlich werden rund um den Bahnhof im November oder Dezember 34 neue Bäume gepflanzt, bisher macht das Gelände doch eher einen kahlen Eindruck. Es kommen Eichen, Linden und Buchen, eine Sammlung an einheimischen Pflanzen.

Noch sieht der Bahnhofsvorplatz in Ludwigslust kahl aus, das soll sich noch ändern. (Foto: Mayk Pohle)
Skulptur stammt von August-Martin Hoffmann
Die Bronzeplastik „Junge mit Taube“ am Schweriner Pfaffteich, die Skulptur „Familie“ vor dem Ludwigsluster Bahnhof, die Figurengruppe „Geborgenheit“ in Bützow oder die Tierplastik „Kranich und Flamingo“ in Rostock und Schwerin, sie alle sind Werke von August-Martin Hoffmann. Der Künstler siedelte als Westdeutscher einst in die DDR über und hat mit seiner Kunst dort den öffentlichen Raum geprägt. Vor allem in seiner Schweriner Zeit war Hoffmann bis zu seinem Tod 1985 einer der gefragtesten Bildhauer. Zu diesem Urteil kommt zumindest Autor Jakob Schwichtenberg.
Von Partei und Regierung in den Norden geschickt
Der Künstler Hoffmann war einst von der Partei und der Regierung in den Norden geschickt worden und bekam als ersten Großauftrag die künstlerische Konzeption für das im Aufbau befindliche Hydraulikwerk in Parchim. Die Ludwigsluster Skulptur „Familie“ stammt nach den bisherigen Unterlagen wahrscheinlich aus dem Jahr 1979. Die Rechnung für das in Auftrag gegebene Kunstwerk war damals vom „Büro für baugebundene Kunst“ beim Rat des Bezirkes Schwerin ordentlich bezahlt worden. Auch wenn seine Werke sicherlich dem sogenannten sozialistischen Realismus zugeordnet werden können, hatte Hoffmann Zeit seines Lebens doch mit dem Makel seiner westdeutschen Herkunft zu kämpfen und wurde von den Oberen, trotz der vielen Aufträge, stets mit Misstrauen begleitet.
Seine Spuren im Norden werden bleiben
Fakt ist: Hoffmann hat mit seiner Arbeit überall Spuren im ostdeutschen Norden hinterlassen. Es gibt zum Beispiel auch Form-Steinmauern in Lankow sowie Formsteine im Neubrandenburger Kulturpark. Seinen künstlerischen Anspruch hat Hoffmann einmal so formuliert: „Es muss uns gelingen, mit der Kunst eine Stimmung zu schaffen. Die anregt, sich im Detail mit den Problemen tiefgründiger zu beschäftigen, neue Schönheiten zu entdecken. Dabei können die Kunstwerke die Fantasie stimulieren und beflügeln. Ich glaube, wenn es uns gelingt, solche Kunstwerke zu schaffen, werden wir unserer Aufgabe gerecht.“ In Ludwigslust kann nun jeder auf dem Bahnhofsvorplatz anhand der Skulptur „Familie“ selbst überprüfen, ob er Neues entdecken kann.