Zum Monatsende heißt es in Benrath, gleich von drei Geschäften Abschied zu nehmen, die seit vielen Jahren zum Bild der Fußgängerzone dazugehörten: der Metzgerei Becker (am 27. Juni), dem benachbarten kleinen Blumenladen Schneider und dem Schokoladen an der Friedhofstraße. Dessen Betreiber Jochen Scharf öffnet am Donnerstag, 25. Juni, das letzte Mal. Bis dahin verkauft er sowohl seine Waren als auch die Inneneinrichtung noch ab. Auch wegen des Fortuna-Abstiegs schließt der Fan-Laden „Bezirk 9“ an der Görresstraße. Das ist dann Laden Nummer vier.

Ein Betreiberwechsel hat inzwischen an anderer Stelle der Hauptstraße stattgefunden: Wo einst viele Jahre das Naturprodukt-Geschäft Spinnrad war, hat nun Vodafone einen Serviceshop eröffnet. An der Sistenichstraße hat sich vor Kurzem eine inhabergeführte Boutique verabschiedet. Die Gründe für die Geschäftsaufgaben sind vielfältig: vom Rückzug aus Altersgründen bis hin zu hohen Kosten bei gleichzeitigem Rückgang der Kundenfrequenz. Dem Handel macht zu schaffen, dass immer mehr Menschen die Waren im Internet bestellen oder sie im Discounter kaufen.

Doch es gibt sie: Die Händler, die dem Trend trotzen. Mit Produkten, die nur sie alleine in großer Auswahl, guter Qualität und Beratung anbieten und für die sich auch weitere Anfahrten lohnen. Dazu zählen beispielsweise das Teehaus an der Cäcilienstraße und der gegenüberliegende Spielzeugladen „Hobby+Spiel Müller“, der Werkladen an der Börchemstraße mit seinem breiten Angebot für Menschen, die selbst kreativ werden wollen, oder auch die Buchhandlung Dietsch. Diese Läden eint, dass sie alle sehr gute Google-Bewertungen haben.

Erst Anfang März hat Maria Janine Jockenhöfer an der Görresstraße den Sprung in die Selbstständigkeit mit ihrem Geschäft „Hi Sunny“ gewagt. Dort bietet die 25-Jährige in dem Eckgeschäft, in dem Jahrzehnte die Boutique „Legal Fashion“ war, Deko, Schmuck sowie ausgewählte Kleidungsstücke und Kleinmöbel an. Hinzu kommen Workshops – etwa fürs Kränze binden mit Trockenblumen oder mit lufttrocknendem Ton.

Es gibt sie also immer noch, die inhabergeführten Geschäfte in Benrath. Doch auch Inge Nitschke, die mit ihrem Mann das Abitare Due an der Hauptstraße führt und die zugleich ehrenamtliche Vorsitzende des Händlerzusammenschlusses Aktionsgemeinschaft Benrath (AGB) ist, weiß, dass Ladenlokale in Benrath inzwischen viel länger leer stehen als noch etwa vor Corona.

Aber zu schwarz malen wollen die Händler im Stadtteil nicht: Nach den Ergebnissen einer Passantenfrequenzmessung, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf gemeinsam mit der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Köln im vergangenen Jahr durchgeführt hatte, wurde deutlich, dass sich der Stadtteil im Süden Düsseldorfs nicht vor anderen Einkaufsgegenden verstecken muss – im Gegenteil.

Bei all dem spielt eine wichtige Rolle, dass es die auf vielen Gebieten tätige AGB gibt. Gemeinsam mit der IHK, der Wirtschaftsförderung und der Bezirksverwaltungsstelle hatte man nach Corona die „Standortallianz“ gegründet. Für einen internen Termin waren vor einiger Zeit Inhaber von Ladenlokalen eingeladen worden. Einige leben selbst vor Ort, andere nicht. Und nun ist auch die Auswertung da, die kommende Woche präsentiert werden soll. In dieser wird es darum gehen, wie die Eigentümer von Geschäftsflächen Benrath als Standort bewerten: Was läuft gut, was fehlt – und wo besteht Handlungsbedarf? Dafür wurden auch Passanten befragt. Bei dem nicht öffentlichen Termin am kommenden Mittwoch will man miteinander ins Gespräch kommen und es sollen erste Ideen entwickelt werden.

Bastian Offermanns, der vor fast genau vier Jahren mit seiner Mutter das Geschäft „Spielwaren Mamerow“ in Benrath übernahm und es in das dritte „Hobby+Spiel Müller“-Geschäft in Düsseldorf umwandelte, ist froh, dass es in Benrath die AGB gibt: „Die macht hier sehr gute Arbeit“, sagt er und ergänzt, dass er ganz zufrieden mit dem Standort sei. Offermanns ist davon überzeugt, dass Einzelhändler dann überleben können, wenn sie Alleinstellungsmerkmale gegenüber dem Online-Handel bieten: guten Service, gute Auswahl und genauso schnelle Beschaffung von Produkten. „Bei uns laufen die Geburtstagskisten sehr gut“, berichtet er. Kinder hinterlegen Wunschzettel für die Party, eingeladene Kinder können dann davon welche erfüllen. Zudem ist das Warenangebot immer up to date. Wenn irgendwo ein neuer Spieletrend, etwa auf TikTok, auftaucht, dann hat er diesen kurze Zeit später auch im Geschäft – wie gerade etwa kleine Quetschbälle mit Gesicht.