„Kein Job ohne Wohnung, keine Wohnung ohne Job“ – so beschreibt der 39-jährige Düsseldorfer Thomas D. den Teufelskreis, in dem er sich befand. Mit 18 sei er „zu Hause rausgeflogen“, sein Vater habe die damalige Wohnung gekündigt und sei in eine andere Stadt gezogen, erzählt D. Hin und wieder habe er bei Freunden auf der Couch übernachtet, habe sich verschuldet – und sei aus Angst vor weiteren Schulden schließlich auf der Straße gelandet, für mehr als 20 Jahre. Doch das ist Vergangenheit: Mittlerweile bezieht D. nicht nur eine eigene Wohnung, sondern ist auch dabei, beruflich Fuß zu fassen: In der Kantine des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales am Fürstenwall lernt er derzeit bei einem Praktikum die Arbeit in einem professionellen Gastronomiebetrieb kennen.
Zu verdanken ist das dem Verein „Housing First“, der seit fünf Jahren insgesamt 150 Wohnungen an obdachlose Menschen in Düsseldorf vermittelt hat – und einigen von ihnen auch Jobs. Gegründet haben den Verein das Straßenmagazin Fiftyfifty, Thalia-Gesellschafter Michael Busch, Notar Armin Hauschild, Professorin Anne van Rießen von der Hochschule Düsseldorf und Michael Harbaum, Geschäftsführer der Drogenhilfe. „Housing First“ finanziert sich über Spenden und über den Verkauf von Kunst.
13 weitere Wohnungen akquiriert, aber noch nicht bezugsfertig
Die vermittelten Wohnungen sind maximal 50 Quadratmeter groß und gehören Privatleuten oder Wohnungsgesellschaften. Die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWD) etwa stellte 21 Wohnungen zur Verfügung. Störungen seien ihnen bisher nicht gemeldet worden, sagte Geschäftsführer Klaus Feldhaus. Auch die 38 Quadratmeter große Wohnung von Thomas D. gehört der SWD und ist die 150. von „Housing First“ vermittelte Wohnung. 13 weitere seien überdies akquiriert, aber noch nicht bezugsfertig, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller. Er ist Schirmherr des Vereins und besuchte D. nun gemeinsam mit Vertretern von „Housing First“ und SWD in seinem neuen Zuhause an der Selbecker Straße in Rath. D. hat dort bereits eine Waschmaschine und einen Kühlschrank, die Küche soll in einigen Wochen folgen.
„Wir wollen den Menschen nicht einfach nur eine Wohnung geben, sondern ein sauberes, dauerhaftes Zuhause“, sagte Oliver Ongaro von Fitftyfifty. Nach dem Einzug würden sie daher auch nicht sich selbst überlassen, sondern engmaschig und wertschätzend von Sozialarbeitern betreut – auch um eines Tages für sich selbst zu sorgen. Thomas D. etwa möchte als Koch arbeiten – und damit seine Leidenschaft zum Beruf machen. „Ich habe nicht nur eine Wohnung bekommen“, sagt der 39-Jährige, „sondern auch eine Zukunft“.