Das Alphorn erinnert ein bisschen an ein überdimensioniertes Kuhhorn. Allzu viele Töne lassen sich damit zwar nicht spielen. Aber der Jüchener Kirchenmusiker Wilhelm Junker stellt bei den Konzerten immer wieder fest, dass es die Zuhörer erdet. „Das Alphorn geht durch und durch, dadurch fühlen sich viele Konzertbesucher emotional angesprochen. Auch wenn ich nur drei Töne spiele“, sagt Junker, der für den Pastoralraum Jüchen zuständig ist und dort zahlreiche Ensembles und Orchester leitet und organisiert.
Im Kreis Viersen ist er regelmäßig mit seinem Alphorn im Grefrather Wasserburg Dorenburg zu hören, empfängt die Besucher dort wieder am 4. Juli, bevor um 19 Uhr die „Nacht der Sinne“ losgeht. Das Event hat sich herumgesprochen, mittlerweile wird Junker von einem weiteren Dutzend Alphornspielern begleitet.
Als nächstes Großprojekt, das auf sein großes Netzwerk unter Musikern zurückzuführen ist, steht am Samstag, 20. Juni, 18 Uhr in Sankt Jakobus auf dem Programm – ein großes Chor- und Orchesterkonzert, bei dem das Orchester der Universität Leicester (England) und der Chor „Camerata vocale“ aus Krefeld-Hüls unter der Leitung von Paul Jenkins musizieren. Auf dem Programm stehen das Requiem von Gabriel Fauré, das Violinkonzert a-Moll von Johann Sebastian Bach, das Orgelkonzert B-Dur von Georg Friedrich Händel und die Hebriden-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy.
In Hochneukirch fing Wilhelm Junker 1988 als sogenannter „Koch“ an. „Das steht für Küster, Organist und Chorleiter“, erklärt der heutige Kirchenmusiker des Pastoralraums Jüchen. Knapp vier Jahrzehnte später sitzt er beim Interview entspannt im Gemeindezentrum von Otzenrath, wartet auf seine Alphornschüler, einige musikbegeisterte Senioren, die das Instrument neu lernen. Die Musik ist für ihn die große Leidenschaft. An der Musikhochschule in Köln studierte er ursprünglich Horn, sattelte später auf Kirchenmusik um, lernte Orgel und machte eine Ausbildung als B-Organist.
In der Gemeindearbeit setzt er als Leiter des Gospelchors Akzente, der immer freitags zwischen 19.30 und 21 Uhr probt. Montags, 19 bis 21 Uhr, probt Junker mit dem Kirchenchor in Jüchen. Und es gibt die Jüchener Kantorei mit einem weiteren Einzugsgebiet, auch aus Krefeld kommen Sänger. „Es herrscht ein gutes Miteinander, und es sind viele Bekanntschaften daraus entstanden“, sagt Junker über die Kantorei. Über die Jahre gab es einige Reisen. Zum Beispiel nach Rom, Paris, in den Herbstferien geht es nach Görlitz. Auftritte hatte die Kantorei schon bei den Mittagsgebeten im Kölner Dom.
Die Entwicklung des Chorgesangs ist durch verschiedene Umbrüche geprägt. „Früher gab es hier fünf Kirchenchöre“, erinnert sich Junker. Die Sänger aus Otzenrath kamen bei der Umsiedlung später nach Hochneukirch und durch die Musik wuchsen die Ensembles zusammen, fanden eine musikalische Heimat. „Früher gab es immer ein bisschen Konkurrenz, aber das hat sich gegeben“, sagt Junker.
Sein zweites Standbein, erklärt der Kirchenmusiker, ist das Horn. Er arbeitet heute zudem bei der Kreismusikschule in Neuss und Viersen, lässt kaum ein Musikerseminar im Fach Horn aus und organisiert Konzerte, die Jüchens Kulturleben reicher machen.
Und er komponiert: Für das Alphorn hat er sogar selbst einmal ein Stück für zwölf Alphörner gesetzt. Das sei eine große Herausforderung gewesen, denn normalerweise sind sie alle in F gestimmt, da es nur wenige Töne gibt, könne das eintönig werden. Junker wählte verschiedene Stimmungen wie das für die Schweiz typische Fis oder er verlängert mal nach E und F. Um den optimalen Sound herauszuholen, gruppierte er jeweils vier Gruppen von allen Seiten um das Publikum. Dazu begleitete die Orgel.
In Basel bildete er sich bei Alphornist Martin Roos weiter. Roos trat schon als Solist mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz auf. Mit seinem Ensemble „Le Cor Complet“, das mit dem französischen Horn, dem Alphorn und dem Ventilhorn verschiedene Spielformen des Horns vereint, ist Junker am 8. August auf Schloss Dyck beim Schlosssommer (7. bis 9. August) zu hören.