Am Schwabmünchner Bahnhof sorgt ein Schild für besondere Verwunderung: Dort ist es Busfahrerinnen und -fahrern nun verboten, auf die Toilette zu gehen. Dahinter steckt offenbar ein skurriler Streit zwischen dem Besitzer des Bahnhofgebäudes und einem Dienstleister, der im Auftrag des Augsburger Verkehrsverbundes Buslinien in der Region bedient. Tatsächlich ist diese Auseinandersetzung bei Weitem nicht die Einzige dieser Art im Großraum Augsburg. Bei ihrer Notdurft gelten für die Fahrerinnen und Fahrer oft widrige Bedingungen. „Ich fühle mich wie ein Tier“, sagt ein Busfahrer im Gespräch mit unserer Redaktion. Wir haben uns mit mehreren Insidern unterhalten, die uns die Situation im Augsburger Personennahverkehr schildern.
Busfahrer berichten übereinstimmend von fehlenden Toiletten und Auseinandersetzungen um Pinkelpausen. Sie beschreiben die Zustände als „unwürdig“, teils sogar „gefährlich“, weil Fahrerinnen und Fahrer ohne die Möglichkeit, sich zu erleichtern, an ihre Belastungsgrenze gebracht werden. Das deckt sich auch mit den Erfahrungen von einem, der sich auskennt.
Busfahrer im Augsburger Land beklagen mangelnde Toilettenversorgung
„Das Problem ist eigentlich lange erkannt“, sagt der Fischacher SPD-Kommunalpolitiker Rudolf Linderl, der als Kenner des Nahverkehrs im Augsburger Umland gilt und sich regelmäßig bei einem Pendlerstammtisch in den Stauden dazu austauscht. Er berichtet von einem Runden Tisch im Augsburger Landratsamt zur Toilettenproblematik. Doch passiert sei lange nichts. Damit bestätigt er andere Erfahrungsberichte.
Die beiden Fahrer, die mit uns gesprochen haben, möchten anonym bleiben, um berufliche Konflikte zu vermeiden. „Für Toilettengänge gibt es kein Budget“, sagt ein Busfahrer, der bis 2024 im Auftrag des AVV unterwegs war und nach eigenen Angaben unter anderem aufgrund der Toilettenversorgung nicht mehr im AVV fährt. Auch wenn sein Arbeitgeber nicht der AVV, sondern ein Subunternehmen war, richtet sich sein Vorwurf auch direkt an den Verbund. „Das billigste Angebot bekommt den Zuschlag“, sagt er. So billig, dass Geld fürs Klo fehlt?
Das Gebiet des AVV umfasst neben Stadt- und Landkreis Augsburg noch den Landkreis Aichach-Friedberg und vereinzelte Kommunen in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries. Verschiedene Quellen nennen uns in diesem Bereich außerhalb des Augsburger Stadtgebiets nur wenige Haltestellen als Möglichkeiten für Busfahrer, eine Pause auf der Toilette einzulegen; etwa in Aystetten, Gessertshausen oder Friedberg. „Männliche Busfahrer lösen das Problem dann einfach, indem sie in die Büsche springen“, berichtet der frühere AVV-Busfahrer. „Natürlich fühlen sich manche Anwohner davon belästigt.“
Situation im AVV: Fahrgäste reagieren gereizt auf Toilettenpausen der Busfahrer
Wer sich während der Fahrt gar nicht erst erleichtern möchte, verzichte auf Essen und Trinken während der Schicht. „Wenn man zu wenig Wasser im Körper hat, sinkt auch die Konzentration“, sagt der Fahrer. So werden die fehlenden Klos zum Sicherheitsrisiko. Und auch manche Fahrgäste seien ein Problem, sagt er: „Ich wurde manchmal beschimpft, wenn ich den Bus an der Endhaltestelle zugesperrt habe, um auf Toilette zu gehen.“

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Am Bahnhof in Bobingen ist eine der wenigen Gelegenheiten für Busfahrerinnen und -fahrer, auf die Toilette zu gehen.
Foto: Christof Paulus
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Am Bahnhof in Bobingen ist eine der wenigen Gelegenheiten für Busfahrerinnen und -fahrer, auf die Toilette zu gehen.
Foto: Christof Paulus
Ähnliches berichtet ein Fahrer, der nach wie vor im Augsburger Land Bus fährt. „Auf manches versprochene Dixie-Klo warten wir heute noch“, sagt er. „Wenn man uns nicht wie Menschen behandeln will, soll man das sagen. Aber dann suche ich mir eine andere Stelle.“ Auf Nachfrage unserer Redaktion verweist der AVV auf die Zuständigkeit der Busunternehmen, die vom Verbund beauftragt und bezahlt werden. „Wir wirken positiv auf diese ein“, sagt Verbundsprecherin Irene Goßner auf Nachfrage unserer Redaktion. „Die genauen Planungen der Unternehmen kennen wir aber nicht.“ Der AVV gebe Qualitätskriterien vor und bestehe natürlich darauf, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden.
Dem widerspricht Gerhard Bestele, Inhaber des Busunternehmens Demmelmair in Friedberg. „Eher war es in der Vergangenheit so, dass wir auf den AVV zugegangen sind.“ Toiletten für Busfahrerinnen und -fahrer nennt auch er ein „hochbrisantes Thema“. Seine Firma stelle, wo es möglich ist, an den Endhaltestellen Dixie-Klos für die Fahrer auf. Am Geld scheitere es indes gar nicht, sagt Bestele. „Wir können von den Kommunen, denen die Grundstücke gehören, oft gar keinen Platz für die Klos mieten.“
In Schwabmünchen wären indes wohl 300 Euro monatlich nötig, um das Problem zu beheben. So viel verlangt der Bahnhofsbesitzer vom zuständigen Busunternehmen Regionalbus Augsburg, damit dessen Fahrer die Toilette nutzen können. „Völlig überteuert“, kommentiert der Betrieb diese Forderung.