Der Abriss hat begonnen – und ist schon wieder gestoppt. Am Samstag rückten die Bagger am Kongressparkhaus an, am Abend ruhten die Arbeiten bereits wieder. Seit Montag untersagt eine einstweilige Verfügung des Amtsgerichts weitere Maßnahmen vorerst. Damit setzt sich ein Konflikt fort, der das Gebäude seit Jahren begleitet.

Dabei war das Parkhaus einst Teil einer Zukunftsvision für Augsburg. Anfang der 1970er Jahre entstand im Wittelsbacher Park ein Ensemble, das den Aufbruch in die Moderne symbolisieren sollte: die neue Kongresshalle, der Hotelturm und das dazugehörige Parkhaus. Vorausgegangen war ein umstrittener Schritt: 1965 wurde der historische Ludwigsbau gesprengt, um Platz für das neue Kongresszentrum zu schaffen.

Wie das Kongressparkhaus zum Problemfall wurde

1972 gingen Kongresshalle, Hotelturm und Parkhaus in Betrieb. Im Umfeld der Olympischen Spiele in München wollte sich Augsburg als moderner Tagungs- und Veranstaltungsstandort positionieren. Die markante Architektur prägte fortan das Stadtbild – und spaltete zugleich die Meinungen. Schon damals regte sich Widerstand gegen die Bebauung des Wittelsbacher Parks.

Während die Kongresshalle später umfassend saniert wurde und heute als „Kongress am Park“ weiter genutzt wird, verschlechterte sich der Zustand des Parkhauses über Jahrzehnte. Das Gebäude gehört einer Wohnungseigentümergemeinschaft, in der Mehrheitseigentümer Bernhard Spielberger, der 2011 durch die Übernahme des in die Insolvenz geschlitterten Wohnungsbauprojekts „Semiarmis“, das als Überbau über dem Parkhaus errichtet werden sollte, die absolute Mehrheit hat. Es gibt weitere Eigentümer mit kleineren Anteilen. Minderheitseigentümer und Immobilieninvestor Jürgen Wowra mit seinen 0,4 Prozent liefert sich seit Jahren einen Schlagabtausch mit Spielberger.

Mit den Jahren wuchs der Sanierungsstau. Spätestens 2012 wurde deutlich, wie ernst die Lage war: Nach einem Brand mussten zunächst Teile des Parkhauses gesperrt werden, später folgte die vollständige Schließung. Für Aufsehen sorgte damals auch ein tonnenschwerer Felsbrocken, den Spielberger in die Einfahrt legen ließ, um die Nutzung der Stellplätze zu verhindern.

Rückblick 2012: Der Felsbrocken, mit dem die Einfahrt in das Kongressparkhaus verhindert werden sollte.

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Rückblick 2012: Der Felsbrocken, mit dem die Einfahrt in das Kongressparkhaus verhindert werden sollte.
Foto: Silvio Wyszengrad

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Rückblick 2012: Der Felsbrocken, mit dem die Einfahrt in das Kongressparkhaus verhindert werden sollte.
Foto: Silvio Wyszengrad

Seit mehr als einem Jahrzehnt stehen die Stellplätze im oberen Bereich des Parkhauses leer. Für Besucher des Kongresszentrums und des benachbarten Hotels bedeutet das fehlende Parkmöglichkeiten, für die Stadt ist das Gebäude zu einem städtebaulichen Problem geworden. Auch nach der Schließung sorgte das leer stehende Kongressparkhaus immer wieder für Schlagzeilen. Zuletzt rückte die Feuerwehr 2025 mehrfach zu Bränden in dem maroden Komplex aus.

Rückblick November 2025: Zunächst brannte Unrat, wenige Tage später ein Auto im Kongressparkhaus.

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Rückblick November 2025: Zunächst brannte Unrat, wenige Tage später ein Auto im Kongressparkhaus.
Foto: Christoph Bruder (Archivbild)

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Rückblick November 2025: Zunächst brannte Unrat, wenige Tage später ein Auto im Kongressparkhaus.
Foto: Christoph Bruder (Archivbild)

Mit dem Verfall begannen die juristischen Auseinandersetzungen. Eigentümer, Hotelbetreiber und Stadt beschäftigten immer wieder die Gerichte. Selbst ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2021, das die Sanierungspflichten der Eigentümer bekräftigte, brachte keine schnelle Lösung.

Kongressparkhaus Augsburg: Abriss, Neubau oder Sanierung?

Während die Stadt auf eine dauerhafte Neuordnung des Areals drängt, verfolgen die Eigentümer unterschiedliche Vorstellungen für dessen Zukunft. Diskutiert wurden in den vergangenen Jahren unter anderem eine Sanierung des Bestands, ein Abriss mit anschließendem Wohnungsbau sowie neue Parkmöglichkeiten für Kongresshalle und Hotelturm. Die Konflikte innerhalb der Eigentümergemeinschaft blieben jedoch bestehen.

Der nun begonnene Abriss schien erstmals Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen. Doch schon kurz nach Beginn der Arbeiten landete der Fall erneut vor Gericht. Obwohl bereits Teile des Gebäudes verschwunden sind, ist der Streit um die Zukunft des Kongressparkhauses noch immer nicht beendet.