
AUDIO: Mordprozess Fabian: Angeklagte Gina H. will vor Gericht aussagen (1 Min)
Stand: 18.06.2026 16:42 Uhr
Die Angeklagte Gina H. will im Mordprozess zum Tod des achtjährigen Fabians im August „einige Dinge richtigstellen“. Unterdessen schilderte eine ehemalige Freundin von ihr, warum sie sich nicht an eine Absprache gehalten hat.
Die im Mordprozess im Fall Fabian angeklagte Gina H. will sich vor Gericht äußern. Das hat einer der beiden Verteidiger kurz vor Beginn der Verhandlung an diesem Donnerstag am Landgericht Rostock gegenüber dem NDR bestätigt. Er unterstütze den Wunsch seiner Mandantin, so der Anwalt, sie wolle „einige Dinge richtigstellen“, die an den vergangenen Prozesstagen vor Gericht erwähnt worden seien. Dies werde voraussichtlich Anfang August geschehen, nach einer Pause von vier Wochen zwischen zwei Verhandlungstagen. Bislang hat Gina H. vor Gericht geschwiegen.
Zuschauer warten schon früh morgens
Im Gerichtssaal erlebten unterdessen rund 120 Zuschauerinnen und Zuschauer am Donnerstag eine Zeugin, die vom Tod des Güstrower Jungen so aufgewühlt war wie keine Zeugin und kein Zeuge zuvor – die ersten hatten sich schon morgens um sechs Uhr vor dem Rostocker Landgericht angestellt. Auch acht Monate nach dem mutmaßlichen Verbrechen brach die Zeugin im großen Verhandlungssaal mehrfach in Tränen aus und wurde vom Weinen geschüttelt. Zweimal unterbrach der Vorsitzende Richter den Prozess für zwei kurze Pausen.
Mit zwei Bekannten am Fundort
Die 52-jährige Frau war mit der Angeklagten befreundet – bis Gina H. sie am 14. Oktober vergangenen Jahres mit in die Nähe des Tümpels bei Klein Upahl nahm, an dessen Rand der Leichnam des seit vier Tagen vermissten Kindes lag. Sie sollte offenbar helfen, dort frische Spuren zu legen, so die Zeugin. Denn Gina H. war in der Nacht zuvor bereits nacheinander mit zwei Bekannten am Tümpel gewesen, was jedoch keiner von ihnen der Polizei melden wollte. So haben es die Männer vor Gericht ausgesagt.
Zweite Hundeleine sollte Spuren legen
Darum nahm Gina H. den eher stürmischen Hund ihrer Freundin an die Leine. Sie legte ihm eine zweite um den Hals, mit der das Tier offenbar Spuren hinterlassen sollte. Offenbar wollte die Angeklagte erreichen, dass es so aussah, als ob das Tier sich losgerissen hat und mit schleifender Leine zum Tümpel gelaufen war. In Wirklichkeit, so die Zeugin, führte Gina H. den Hund zum Tümpel, sie selbst sei am Feldrand stehen geblieben.
Zeugin erschrickt über das Wort „entsorgen“
Nachdem Gina H. zurück war, rief sie die Polizei an und sprach von einem zufälligen Fund während eines Spaziergangs. Die Freundin fand die Reaktion von Gina H. auf den Fund „gefühllos“ oder auch „kalt“, obwohl sie doch als ehemalige Lebensgefährtin von Fabians Vater die Ziehmutter des Jungens gewesen sei. „Ich verstand das nicht“, berichtete die 52-Jährige. Erschrocken war sie, als Gina H. vermutete, jemand müsse den unter Jägern als „Schweinesuhle“ bekannten Tümpel ausgesucht haben, um Fabian „zu entsorgen“. Erschrocken sei sie auch, als Gina H. sich anfangs vehement weigerte, ihr Handy von der Polizei überprüfen zu lassen.
Staatsanwalt sieht sich durch Zeugin bestätigt
Der Zeugin fielen viele Ungereimtheiten auf. Deshalb hielt sie sich nicht an die Absprache mit Gina H. und erzählte noch an diesem Tag der Polizei, dass die Angeklagte schon am Abend vorher am Tümpel war. Sie bedauerte, dass sie „mit reingezogen“ wurde, weil „zwei Männer nicht den Arsch in der Hose hatten, zur Polizei zu gehen“. Die Staatsanwaltschaft sah am Ende des Verhandlungstages ihre These bestätigt, laut der Gina H. ursprünglich an dem entlegenen Tümpel Fabian habe verschwinden lassen wollen. Ihre Verteidiger widersprachen. Schließlich habe die Angeklagte dafür gesorgt, dass der Junge gefunden wurde.
Angeklagt wegen heimtückischen Mordes
Der Prozess hat im April begonnen. Vor Gericht schweigt die Angeklagte bislang. Die 30-Jährige war vier Jahre lang die Lebensgefährtin von Fabians Vater. Er hatte sich im August 2025 von ihr getrennt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr heimtückischen Mord vor, sie habe Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl erstochen und die Leiche angezündet. Die Ermittler vermuten, dass Gina H. glaubte, Fabian stünde ihr bei ihrem Versuch im Wege, Fabians Vater wieder für sich zu gewinnen. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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