Stand: 18.06.2026 20:57 Uhr

Der verurteilte Mörder Benjamin F. ist gefasst worden. Am Dienstag hatte er sich bei einem Ausgang in Peine mit seinem Motorrad abgesetzt. F. sitzt seit 2010 wegen Mordes an Melanie R. in Haft.

F. sei in Norditalien gefasst worden, wie das Landeskriminalamt (LKA) dem NDR Niedersachsen bestätigte. Demnach war er in der Region Venetien, südlich von Verona, offenbar in einen Unfall verwickelt und wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Dort nahm ihn die italienische Polizei fest. Die Hintergründe des Unfalls seien unklar. Wie schwer F. verletzt wurde, ist ebenfalls nicht bekannt. Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen davon aus, dass der Gefangene auf der Flucht stürzte. Sonst sei niemand in den Unfall verwickelt oder dabei verletzt worden, so ein Sprecher des LKA. „Er muss erst mal im Krankenhaus bleiben“, erklärte der Sprecher weiter. Er stehe in der Klinik unter polizeilicher Beobachtung. Wann er nach Deutschland ausgeliefert wird und ob er dann wieder in seine alte Zelle zurückkehrt, ist noch offen.

Wie der verurteilte Mörder entkommen ist

Die Flucht von F. lässt sich als spektakulär beschreiben. Der 42-Jährige entkam während eines begleiteten Ausgangs auf seinem eigenen Motorrad, an dem er laut niedersächsischem Justizministerium Wartungsarbeiten hatte vornehmen dürfen. Demnach war sein Motorrad in einer Garage in der Nähe des Wohnorts seiner Mutter abgestellt. Während der Arbeiten an dem Motorrad sei durchgängig ein Vollzugsbediensteter zugegen gewesen. „Gegen 14.30 Uhr begab sich der Gefangene absprachegemäß erneut zu dem Garagenhof, um seine Arbeiten abzuschließen, wobei er dabei nicht erneut von dem Bediensteten begleitet wurde.“ Anschließend flüchtete er. Nach einer erfolglosen Suche startete das Landeskriminalamt eine Öffentlichkeitsfahndung – mit Fotos, Namen und Personenbeschreibung des Gefangenen. Mehrere Hinweise aus dem ganzen Bundesgebiet führten die Fahnderinnen und Fahnder schließlich auf die Spur nach Italien. F. reiste vermutlich über Bayern dorthin.

Es war bereits der 38. Ausgang des Häftlings

Der 42-Jährige verbüßt laut Justizministerium eine lebenslange Freiheitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Celle. F. durfte die JVA seit drei Jahren stundenweise verlassen. Der begleitete Ausgang am Dienstag war laut Justizministerium bereits der 38. – in einer ersten Mitteilung des LKA war zunächst fälschlicherweise von einem Freigang die Rede. In Peine-Vöhrum habe der Gefangene seine Mutter besucht.

F. stand bei Ausgang nicht durchgehend unter Kontrolle

Die vorherigen 37 Ausgänge von F. seien nach Auskunft der Justizvollzugsanstalt „beanstandungsfrei verlaufen“. Die Begleitung diene nicht dazu, eine Flucht zu verhindern – vielmehr soll sie den Gefangenen beim Ausgang unterstützen, teilte das Justizministerium mit. Der wesentliche Unterschied zur Aufsicht bestehe darin, dass die Begleitperson – auch wenn es sich bei ihr um einen Vollzugsbediensteten handelt – nicht zu gewährleisten hat, dass der Gefangene zeitlich und örtlich durchgehend unter hoheitlicher Kontrolle steht.

Lebenslange Haftstrafe – für Mord an Melanie R.

Das Landgericht Hildesheim hatte Benjamin F. 2011 wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung verurteilt und eine besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damals 27-Jährige die 23-jährige Melanie R. aus Peine mit Messerstichen getötet hatte, weil sie keinen Sex mit ihm haben wollte. Täter und Opfer kannten sich über das Internet, R. dachte, sie schreibe sich Nachrichten mit einer 18-Jährigen namens Sarah. So habe F. sie in eine Wohnung gelockt und dort getötet. Die Tat gab er vor Gericht zu. Im vergangenen Jahr hat die Strafvollstreckungskammer eine Mindestverbüßdauer von 19 Jahren festgesetzt.

So berichtete der NDR vor 15 Jahren über den Prozessauftakt

Video:
Mordprozess am Landgericht Hildesheim (21.02.2011) (2 Min)