Stand: 18.06.2026 09:50 Uhr
Seit Dienstag steht in Hannover Niedersachsens erste „wehrhafte Wand“. Ein Speziallack lässt Urin dort so abprallen, dass Pinkler sich selbst treffen. Nicht alle sind von der Aktion begeistert.
Wer zuletzt einen Termin am Amtsgericht in Hannover hatte, dem wird aufgefallen sein: Rund um das Gebäude riecht es nach Urin. Seit Jahren beschweren sich Mitarbeitende über Gerüche und Beschmutzungen dort. Insbesondere die Wand, die an den Kontakt- und Konsumraum Stellwerk grenzt, wird oft angepinkelt. Jetzt wurde dort ein Speziallack aufgetragen. Durch den soll der Urinstrahl von der Gebäudewand stärker abprallen und den Pinkler selbst treffen. Sie wäre damit den Angaben des Amtsgerichts zufolge die erste „wehrhafte Wand“ ihrer Art in Niedersachsen.
Nicht alle von Maßnahme überzeugt
Das Urin-Problem ist in der Gegend bekannt. „Die benachbarte Staatsanwaltschaft wurde deshalb schon eingezäunt“, sagt eine Mitarbeiterin der Behörde. Sie findet die Idee mit dem Speziallack sinnvoll. Ein anderer Passant hält dagegen. Die Menschen bräuchten andere umfassendere Hilfe. Mit dem Lack bekämpfe man nur Symptome.
Forderung nach öffentlichen Toiletten
Das diakonische Werk Hannover fordert öffentliche Toiletten auf dem Areal. Das wäre eine einfache Lösung mit Würde, sagt der Geschäftsführer Friedhelm Friedkamp. Die Gerichtspräsidentin Christiane Hörschel stimmt ihm zu. Auch ihr sei bewusst, dass die Menschen vom Stellwerk Möglichkeiten brauchen, ihre Notdurft zu verrichten. Sie fordert von der Stadt öffentliche Toiletten in dem Bereich. Die Stadt erklärt auf Anfrage, sie prüfe derzeit, ob künftig entsprechende Anlagen in dem Bereich aufgestellt werden können.

Dadurch prallt der Urin am Gebäude ab und trifft den Verursacher. Die Wand wäre laut Gericht landesweit die erste ihrer Art.
Schlagwörter zu diesem Artikel