Blatt für Blatt malt der Mann mit rosafarbener Straßenkreide eine Blume um die Fußgängerampel, die in der Friedberger Straße über die Berliner Allee führt. Er trägt Fahrradhose, Weste und Helm, ist selbst mit dem Fahrrad dorthin geradelt. Und er ist einer von etwa 20 Menschen, die sich am Dienstagmittag spontan an der Kreuzung im Herrenbach versammelt haben, um der Radfahrerin zu gedenken, die dort am Montag bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Die Demonstrierenden, darunter auch Mitglieder des AFDC, forderten mehr Sicherheit für Radfahrende im Straßenverkehr, mehr Rücksicht und niedrigere Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nur einen Tag später würde in Augsburg erneut ein Radfahrer bei einem Unfall sterben.

Polizei nennt noch keine Details zum tödlichen Unfall in Haunstetten

Am Donnerstag fährt die Tramlinie 3 wieder wie üblich auf ihrer Strecke zwischen dem Augsburger Hauptbahnhof und Königsbrunn. An den schweren Unfall, der sich am Vortag zwischen den Haltestellen „Kopernikusstraße“ und „Bischofsackerweg“ ereignet hat, erinnern nur noch die weißen Markierungen auf dem Asphalt. Ein 59 Jahre alter Radfahrer war an der Einmündung vom Unteren Talweg in die Postillionstraße in Haunstetten von einer Straßenbahn erfasst und tödlich verletzt worden.

Unmittelbar nach dem Unfall errichteten Einsatzkräfte der Polizei dort einen Sichtschutz. Der Bereich rund um die Unfallstelle war über mehrere Stunden gesperrt. An der Kreuzung befinden sich mehrere Fußgängerampeln – auch zur Überquerung der Straßenbahngleise. Zu Ursache und Hergang des Unfalls macht die Polizei noch keine Angaben. Eine Sprecherin der Polizei erklärt, dass hierzu zunächst ein Unfallgutachten erstellt werden müsse – was mehrere Monate in Anspruch nehmen könne. Erst dann lasse sich sagen, wie es zu dem schweren Unfall gekommen ist.

Der Bereich um die Unfallstelle in Haunstetten war am Mittwoch für mehrere Stunden gesperrt. Am Donnerstag sind von dem Einsatz nur noch weiße Markierungen zwischen den Gleisen zu sehen.

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Der Bereich um die Unfallstelle in Haunstetten war am Mittwoch für mehrere Stunden gesperrt. Am Donnerstag sind von dem Einsatz nur noch weiße Markierungen zwischen den Gleisen zu sehen.
Foto: Marcus Merk

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Der Bereich um die Unfallstelle in Haunstetten war am Mittwoch für mehrere Stunden gesperrt. Am Donnerstag sind von dem Einsatz nur noch weiße Markierungen zwischen den Gleisen zu sehen.
Foto: Marcus Merk

Bei dem Unfall am Montag war es eine 70-jährige Frau, die an einer Kreuzung im Stadtteil Spickel-Herrenbach auf ihrem Fahrrad die Straße überqueren wollte. Wie die Polizei berichtete, wurde sie von dem Fahrer eines Lastwagens, der von der Friedberger Straße in die Berliner Allee abbiegen wollte, offenbar übersehen. Die Radfahrerin verlor bei dem Zusammenstoß mit dem tonnenschweren Fahrzeug ihr Leben.

2025 starben in Augsburg zwei Radfahrer bei einem Verkehrsunfall

„Die zeitliche Nähe der beiden tödlichen Unfälle erschüttert uns“, teilt Michael Liebert vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Augsburg (ADFC) auf Nachfrage mit. Eine solche „Dichte“ sei für Augsburg nicht typisch. Wie Zahlen der Polizei zeigen, kommt es in Augsburg selten vor, dass ein Radfahrer bei einem Verkehrsunfall stirbt: Im vergangenen Jahr ist das insgesamt zweimal passiert, in diesem Jahr bisher dreimal – der höchste Wert seit 2016. Gesunken ist dagegen die Zahl der Fahrradfahrer, die bei einem Verkehrsunfall im Stadtgebiet verletzt wurden, von 646 im Jahr 2016 auf 500 im Jahr 2025.

Der Unfall im Herrenbach, bei dem eine 70 Jahre alte Frau getötet wurde, beschäftigt in den Tagen danach noch viele Bürgerinnen und Bürger. In den Kommentarspalten zu unserer Berichterstattung bekunden Leserinnen und Leser ihr Beileid, wünschen der Familie des Unfallopfers und dem Lkw-Fahrer viel Kraft. Und sie diskutieren: Hätte der Unfall verhindert werden können? Vielleicht durch einen Spiegel an der Kreuzung? Michael Liebert vom ADFC hält andere Maßnahmen für sinnvoll, um die Sicherheit für Radfahrende an der Unfallstelle künftig zu erhöhen.

ADFC schlägt versetzte Haltelinie an der Unfallkreuzung vor

Zum einen schlägt er vor, die Haltelinie für Fahrzeuge an der Kreuzung nach hinten zu versetzen. Auto- und Lkw-Fahrer hätten dadurch einen besseren Blick auf Radfahrer und Fußgänger. „Ferner sollte der Rad- und Fußverkehr nicht gleichzeitig mit dem KFZ-Verkehr grün bekommen, sondern etwas früher und länger“, erklärt Liebert weiter. Besonders gefährlich werde es allerdings, wenn sowohl Rad- als auch Autofahrer in die Kreuzung fahren, ohne vorher anzuhalten. Dann sollten Verkehrsteilnehmer besonders umsichtig sein, ihre Geschwindigkeit reduzieren, den Schulterblick beachten und alle Spiegel prüfen. „Radfahrende sollten im Zweifel lieber defensiv fahren und auf ihre Vorfahrt verzichten“, ergänzt er.

Die Polizei beschreibt die Kreuzung grundsätzlich als „übersichtlich“. Eine leicht erhöhte Gefahr bestehe aufgrund des Gefälles und der damit verbundenen höheren Geschwindigkeiten der Radfahrer in Richtung Westen, erläutert ein Sprecher. Das Mobilitäts- und Tiefbauamt sieht an der Kreuzung kein erhöhtes Risiko und verweist in diesem Zusammenhang auf einen gelben Blinker und einen Spiegel am Ampelmast, der abbiegende Autofahrer auf den querenden Rad- und Fußverkehr aufmerksam machen soll. Nach einem schweren Verkehrsunfall überprüfe und untersuche man den betroffenen Ort aber grundsätzlich.