Infineon-Chipfabrik in Dresden. Foto: Heiko WeckbrodtInfineon-Chipfabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Alle drei Mikroelektronik-Standorte sind auf Ausbaukurs

Dresden, 18.06.26. Sachsens Mikroelektroniker und Wirtschaftspolitiker haben beim „Silicon Saxony Day“ in Dresden die Chancen auf mehr Geschäfte und gute Partnerschaften mit Irland und Japan ausgelotet. „Für sächsische Unternehmen ist dieses wachsende Marktumfeld und der Austausch mit solchen innovativen Unternehmen wichtig für die eigene Weiterentwicklung und die Sicherung zukünftiger Absatzmöglichkeiten“, betont Geschäftsführer Thomas Horn von der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS).

Irland legt „Silicon Island“ auf, Japaner wollen Halbleiter-Spitzenposition zurück

Beide Länder investieren derzeit kräftig in ihre nationalen Halbleiterindustrien: Die grüne Insel, die mit den Intelfabriken in Leixlip einen wichtigen Nukleus hat, will durch das Programm „Silicon Island“ bis 2040 seine Mikroelektronik massiv ausbauen und zu einem führenden Standort für Design, Fertigung und Forschung im Halbleiterbereich aufsteigen. Nippon wiederum versucht derzeit, seine in den 1990er verlorene Führungsposition zurückgewinnen. Die japanische Regierung subventioniert deshalb „Rapidus“ und andere einheimische Chiphersteller. In beiden Fällen sehen sächsische Technologie-Zulieferer einerseits Marktchancen, andererseits auch Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte.

Thomas Horn ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Foto: Heiko WeckbrodtThomas Horn ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt

„In der Mikroelektronik passen Japan und Sachsen seit jeher hervorragend zusammen.“
WFS-Geschäftsführer Thomas Horn

„In der Mikroelektronik passen Japan und Sachsen seit jeher hervorragend zusammen“, argumentiert Horn mit Blick auf Nippon. „Japanische Unternehmen gehören zu den führenden Lieferanten von Halbleiterausrüstung und -materialien und decken etwa 30 Prozent des globalen Umsatzes in diesem Bereich ab.“ Parallel dazu bauen die Japaner ihre Chipproduktion wieder massiv aus. Mit Schaltkreisen der Strukturgenerationen unterhalb von zehn Nanometern wollen sie dabei technologisch (wieder) auf Augenhöhe mit Taiwan, Südkorea und den USA kommen.

Fabriken reichen nicht: Sachsen will auch bei Chipdesign und 3D-Endmontage 1. Geige spielen

Der Freistaat wiederum hat sich in den sechs vergangenen Dekaden zum führenden Mikroelektronik-Standort in Europa entwickelt – mit milliardenteuren Chipfabriken, aber auch vielen hochspezialisierten Zulieferern. Nun sind die Sachsen dabei, ihre Wertschöpfungskette in beide Richtungen abzurunden: „Der Freistaat will das Cluster weiterentwickeln und dabei insbesondere Forschung, Design und die Integration mehrerer spezialisierter Mikrochips in einem einzigen Modul – das Advanced Packaging – stärken“, betont Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD).

Keine Einbahnstraße

Die japanische Außenwirtschaftsorganisation „Jetro“ sieht daraus Vorteile für beide Seiten erwachsen: Man wolle einerseits japanische Innovationen in einem der führenden Halbleiterzentren Europas vorstellen, betont Shigeki Okamoto, der das Berliner Jetro-Büro leitet. Parallel dazu fördere die Organisation „neue Partnerschaften zwischen japanischen Unternehmen und der europäischen Industrie und Forschung“.

Toshiba lässt grüßen: Chip-Kooperation reicht bis in DDR zurück

Schon zu DDR-Zeiten kooperierten die ostdeutschen und japanischen Mikroelektroniker – auch wenn die Japaner nicht mehr unbedingt daran erinnert werden wollen. Denn Toshiba lieferte der DDR in den 1980er Jahren zeitweise Technologiebeschreibungen und Schablonen für Speicherchips, die unter anderem für das „Zentrum für Mikroelektronik Dresden“ (ZMD) und die Erfurter Fabriken im Kombinat Mikroelektronik bestimmt waren. Mit ihrer Embargopolitik schoben die USA diesen Geschäften schließlich einen Riegel vor. Toshiba holte die Schablonen und Unterlagen aus der DDR wieder ab und vernichtete sie – da hatten die ostdeutschen Ingenieure aber längst Kopien angefertigt. Das Ganze wurde in der westlichen Presse als Teil der „Toshiba-Affäre“ publik gemacht.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: WFS, Heiko Weckbrodt: „Innovationspolitik in der DDR“, Wikipedia, Oiger-Archiv