Am Donnerstagmorgen hieß es im Haus Müngsten in Solingen „Willkommen im Nein“: Gastgeber war dieses Mal die Teamentwicklungsfirma Deepwood GmbH. Neben zahlreichen Outdoor- und Indoor-Events machte sich die Firma spätestens mit dem Brückensteig einen Namen. Die Geschäftsführer Søren Walla und Gottfried Engendahl gaben Einblicke in die langwierigen Entwicklungen hin zu dem Klettersteig über den Stahlbogen der Müngstener Brücke. Ein Erlebnis, das heute rund 15 000 Menschen im Jahr anzieht; aber auch ein Projekt, das den Geschäftsführern zwölf Jahre Durchhaltevermögen, Biss und Ehrgeiz abverlangte.
„Wir sind auf dieses touristische Highlight sehr stolz – hier kommen Städte zusammen“, fasst Janine Ballein zusammen, die seit Kurzem die Leitung des Brückensteigs übernimmt. Jetzt heiße es, das Angebot über die Stadtgrenzen hinaus zu transportieren und da seien sie „ganz klar auf einem guten Weg“. Im August feiert der Klettersteig über die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands fünfjähriges Jubiläum – doch ein Blick zurück zeigt, dass dafür viel Willenskraft nötig war.
Søren Walla fasst in einem historischen Rückblick die wichtigsten Ereignisse zusammen: von der Einweihung der Brücke im Jahr 1897 bis hin zu ihrer eigenen Unternehmensgründung der Marke Deepwood im Jahr 2009. Die durch Aktivelemente Emotionen in Menschen hervorrufen und so eine Änderung der Haltung bewirken will. Doch bald wollten die Geschäftsführer – im wahrsten Sinne des Wortes – höher hinauf, setzten sich in den Kopf, einen Klettersteig auf der Müngstener Brücke ins Leben zu rufen. Widersetzten sich auf dem Weg „365 Neins, die allesamt ein Aus des Brückensteigs bedeutet hätten“, erinnert sich Walla, fanden Lösungen für fehlende Sicherheitssysteme, für Bedenken hinsichtlich des Denkmal- und Naturschutzes, diskutierten mit Experten des UNESCO-Welterbes und verliehen der Brücke, die einst als Suizid-Hotspot galt, ein neues, lebensbejahendes Sinnangebot.
Exklusivvertrag mit der Deutschen Bahn für 20 Jahre
Heute blicken die Geschäftsführer mit Stolz zurück – ein 20-jähriger Exklusivvertrag mit der Deutschen Bahn ist geschlossen, die Eröffnung des Brückensteigs fand im August 2021 statt. Positive Presse, eine immer stärker werdende überregionale Sichtbarkeit und „das einzige Event in Deutschland mit einer 5,0-Sternebewertung – ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen“, meint Gottfried Engendahl. Es ist eine Erfolgsgeschichte, und ihr Ende ist scheinbar noch lange nicht erzählt: Räumlich angekommen an ihren „absoluten Kapazitätsgrenzen“ wollen die Geschäftsführer mehr. Erste Pläne, mit den Städten gemeinsam ein Besucherzentrum im Brückenpark zu bauen und zu beziehen, sind abgelehnt worden, stattdessen soll Deepwood nun das „Mimo-Haus“ („Minimal Impact – Maximum Output“) bekommen, ein Ergebnis eines architektonisch nachhaltigen Projekts der Hochschule Düsseldorf. Die Schlüsselübergabe fand zuletzt statt, noch muss das Haus allerdings von der Nordbahntrasse nach Solingen umziehen. „Wir hoffen, Sie dort 2027 begrüßen zu dürfen“, schätzt Engendahl vorsichtig. Daneben ist auch die Buga zu einem wichtigen Kooperationspartner geworden, die geplante Hängebrücke ein „zusätzliches Geschenk“.
Der Fokus von Walla und Engendahl liegt darauf, die touristischen Bedarfe aufzunehmen, die aktuell im Bereich der Müngstener Brücke einfach noch fehlten. „Die Menschen fahren teilweise lange Strecken, um den Brückenpark zu besuchen. Doch danach gibt es nichts weiter zu sehen, es gibt keinen touristischen Mehrwert“, führt Engendahl aus. Und bis das geplante Besucherzentrum da ist – „wollen wir den touristischen Auftrag übernehmen.“
Zukunftspläne haben die Geschäftsführer der Deepwood GmbH viele, einige davon sind konkret, andere weniger – doch sicher ist: Sie wollen hoch hinauf.