Am Sonntag wird in der Städtischen Galerie im Kulturforum Alte Post die Ausstellung „Flora“ eröffnet – ein naheliegender Titel angesichts der Landesgartenschau. Der Untertitel lautet „Zwischen Wildnis & Zähmung“. 14 Künstlerinnen und Künstler, davon fünf aus Neuss, garantieren eine facettenreiche Ausstellung.

Lorenz Denks, Leiter des Kulturforums Alte Post, Eva Rottstedt, Leiterin der Städtischen Galerie, und Kulturdezernentin Ursula Platen präsentierten die Ausstellung voller Stolz – und das nicht ohne Grund. Bei der Auswahl hatte Rottstedt keine Sekunde gezögert: Das Diptychon von Salomé Berger hatte sie auf Anhieb fasziniert. Die Düsseldorfer Künstlerin ist der Blickfang und deshalb an prominenter Stelle platziert, nämlich an der Wand gegenüber der Eingangstür. Auf den ersten Blick faszinieren die Farben, starke, laute Töne, aber auch Pastellfarben wie ein helles Gelb. Zur ungewöhnlichen Arbeitsweise gehört, dass Fotografien zunächst zu Collagen verarbeitet und anschließend in Malerei überführt werden. Später werden die Motive überlagert, die Malerei bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion.

Fabio Bórquez stammt aus Argentinien und lebt in Mönchengladbach. Für ihn ist die Blume ein Symbol für Schönheit und Vergänglichkeit – die von Anfang an in ihr schlummert. Thomas Mayer aus Neuss hat das Entstehen der Landesgartenschau dokumentiert. Er hat dafür extra den Umgang mit der Drohne geübt, um aus der Vogelperspektive fotografieren zu können. Jürgen Hille, ebenfalls Neusser, hat sich auch mit dem Werdegang von der Rennbahn bis zur Landesgartenschau auseinandergesetzt. Das Resultat ist in einem Buch zu entdecken.

Frederike Hinz aus Schwalmtal stellte die Vorstellung, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, in Frage. In Anlehnung an Albrecht Dürers Aquarellmalerei „Das große Rasenstück“ schuf sie ein großformatiges Bild, das Teil eines Werkzyklus ist. Die Bildserie „Flora“ passt zum Untertitel „Zwischen Wildnis & Zähmung“. Die Neusser Künstlerin Anja Maria Strauss arbeitet mit Naturmaterialien, egal, ob gerade Landesgartenschau ist oder nicht. Diesmal hat sie sich für Lotusfrüchte entschieden, die in ihrer Vielzahl so wirken wie eine Formation von Fallschirmspringern. Die Düsseldorfer Künstlerin Inessa Emmer ist mit ungewöhnlichen Holzschnitten vertreten. Flora und Fauna dominieren, aber die Künstlerin baut auch „Störpunkte“ ein.

Landschaft, Wachstum und die unendliche Vielfalt der Natur sind die Themen der Düsseldorfer Malerin Hedwig Rogge. Marcus Kaiser aus Düsseldorf hat ein Modell aufgebaut mit einer langen Treppe. Das fließende Wasser verschwindet plötzlich, um wenig später wieder aufzutauchen. Hildegard Theodora Monssen ist vom Porträt zur Blume gekommen. Auch hier geht es um Schönheit und Vergänglichkeit. Die Bilder von Ulrike Donié aus Linz am Rhein öffnen bewusst Assoziationsräume und erzeugen Spannung zwischen Ruhe und Bedrohung. Melanie Loureiros Bilder wirken imposant. Oft sind es Naturbeobachtungen aus dem Alltag, die ihre Fantasie beflügeln. Wiebke Meischner zeigt Bambusstäbe mit zarten Trieben aus dem 3D-Drucker.

Die Holzskulptur von Robert Wilmers ist nicht rund, erinnert trotzdem an eine Kugel. Das unbehandelte Holz kann von Besuchern bemalt werden. Pflanzenmotive sind erwünscht. Die Ausstellung wird am Sonntag um 11.30 eröffnet.