Stand: 19.06.2026 13:10 Uhr
Ein Gänsegeier hat am Mittwoch erneut ein Storchennest geplündert – diesmal in Algermissen (Landkreis Hildesheim). Erst am Dienstag war ein ähnlicher Fall im nahegelegenen Sehnde (Region Hannover) bekannt geworden.
Nachdem er die Jungvögel in Algermissen gefressen hatte, saß der Gänsegeier noch lange im Horst der Störche, wie Augenzeugen berichteten. Das Storchenpaar habe hingegen auf dem Nachbarhaus gesessen, sagte Alexander Krüger. Der Hobby-Fotograf ist nach Algermissen gekommen, um das Naturschauspiel zu dokumentieren. Das Auftauchen des Geiers im Ortsteil Ummeln hat das Interesse von mehreren Naturfotografen und Ornithologen geweckt. Es sei sehr selten, den Vogel hier zu sehen, sagte auch der Tierfotograf Heiko Graf-Warnecke. „In dieser Region habe ich noch nie einen Gänsegeier gesehen“, sagte Graf-Warnecke. Er sei sehr glücklich über die Bilder, die er von dem Vogel gemacht habe.
Ähnlicher Vorfall in der Region Hannover
Erst am Dienstag hatte ein Gänsegeier in Sehnde (Region Hannover) ein Storchennest beraubt und die Jungvögel gefressen. Zuvor hatte der Geier die Elternstörche vertrieben. Aufgrund der Nähe und Ähnlichkeit beider Vorfälle könnte es sich um denselben Geier halten, vermutet Bärbel Rogoschick, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde (Landkreis Gifhorn).
Storchennester sind leichtes Ziel
Laut dem NABU sind Gänsegeier in der Regel reine Aasfresser. Dass der Vogel auf seiner Futtersuche ausgerechnet Storchennester geplündert hat, hält Bärbel Rogoschick allerdings für einen Einzelfall. Der Geier habe wohl großen Hunger gehabt und das genommen, was er packen konnte, sagte Rogoschick dem NDR Niedersachsen. Gänsegeier seien keine Jäger sondern Sammler. Die Jungvögel waren laut der Expertin daher ein leichtes Ziel, da Storchennester freie Fläche bieten, auf der Geier gut landen, aber auch verweilen und verdauen können. Zudem hätten Störche kaum Möglichkeiten, sich gegen den großen Gänsegeier zu wehren, der einiges aushalten kann, sagte Rogoschick.
Keine Gänsegeier-Population in Deutschland
Die Expertin sieht durch einen einzelnen Vogel aber derzeit keine Gefahr für die Storchenpopulation in Niedersachsen. Auch wenn es möglich sei, dass der Vogel noch weitere Storchennester aufsucht, bevor er zurück in den Süden fliege, so Rogoschick. Gänsegeier kommen laut NABU vermehrt im spanischen Raum, Nordafrika und Mittelasien vor. Einzelne Geier würden aber auch immer wieder in Deutschland kreisen, da die Vögel viele Kilometer am Tag zurücklegen können. Eine feste Population gebe es hierzulande allerdings nicht, sagte Rogoschick.

In Sehnde hat der Greifvogel zunächst die Elterntiere vertrieben. Laut NABU kreisen immer mehr Geier in Deutschland.
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