Es war kein Abschluss mit großem Aufgebot. Mit einem außergewöhnlichen, kleinen aber feinen Kammerkonzert beendete Bayer Kultur das „stARTfestival 2026“ auf der Bühne des Leverkusener Erholungshauses, die, so hoffen viele, nicht zum letzten Mal Austragungsstätte war.

Eine Entscheidung über die Zukunft dieser geschichtsträchtigen Spielstätte soll in Kürze fallen. Fotos im Foyer geben einen kleinen Einblick, wie viele bedeutende internationale Stars in diesem Haus aufgetreten sind. Und mit dem New Yorker Ausnahme-Quartett Brooklyn Rider, das das amerikanische Strings Magazine als „Zukunft der Kammermusik“ bezeichnet, kam ein weiterer Höhepunkt dazu.

Das leidenschaftliche Streichquartett, das auf dem Weg zur Londoner Wigmore Hall einen Zwischenstopp einlegte, spielt stehend und man scheint es sogar zu hören – alle sind immer auf Sprung, legen ihre ganze Kraft und Energie in die Musik. Das galt sowohl für eine ausgesprochen frische Interpretation eines Schumann-Streichquartetts als auch für ganz neue Musik wie die jetzt in Leverkusen präsentierte Uraufführung des neunteiligen Werkes „Frida’s Dreams“ über die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Das Werk hatte Bayer Kultur gemeinsam mit der Carnegie Hall, der Wigmore Hall und anderen Partnerinstitutionen bei der US-amerikanischen Komponistin und Pulitzer-Preisträgerin Gabriela Lena Frank in Auftrag gegeben.

Ein Streichquartett „mit der Energie einer Rockband und der Spontaneität des Jazz“, so beschrieb es Johannes Fink, Moderator des WDR, der wiederum das Konzert aufzeichnete. Anlass ist der 20. Geburtstag dieser ungewöhnlichen Formation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die 300-jährige Tradition des Streichquartetts auf höchstem Niveau in die Zukunft zu führen. Das Leverkusener Konzert wird samt Interview mit den vier Musikern am 22. Oktober um 20.03 Uhr in der Sendung „WDR 3 Konzert“ ausgestrahlt.

Da kann man dann noch einmal in Ruhe nachhören, wie sich zum Beispiel der Klang von Glocken zwischen wechselnde Gefühle der Leichtigkeit und eine brodelnde Unruhe mischt. Bei der Uraufführung von Franks Auftragswerk im Erholungshaus war jedenfalls ein Erstaunen über ein Geläut, das vier Streichinstrumente imitiert, spürbar. Es sind Friedhofsglocken am Rande von Mexiko-City, die eine spirituelle Reise der surrealistischen Malerin in Klängen einer changierenden Gefühlswelt einrahmen.

Spürbar wird mitunter die Erinnerung an körperliche Schmerzen Fridas, wenn sich enge Cluster-Akkorde in das Ohr schneiden. Schwebende Klänge wechseln mit aufwühlenden Passagen und dem Eintauchen in die motorische Betriebsamkeit einer Metropole. Die schwierige Beziehung zwischen Frida Kahlo und ihrem Ehemann und Wegbegleiter Diego Rivera bestimmt diesen Traum.

Um Liebes-Beziehungen ging es grundsätzlich in diesem aktuellen Programm „Star-Crossed“, das mit einer kleinen Komposition des Brooklyn Rider-Geigers Colin Jacobsen – „Beloved, do not let me be discouraged“ – eröffnet wurde, die emotional die tragische Lovestory von Romeo und Julia aufgreift. Und eine besondere Paar-Beziehung gab es schließlich auch zwischen Clara und Robert Schumann, dessen erstes Streichquartett a-Moll op. 41,1 im zweiten Teil des Abends den exquisiten Abschluss des diesjährigen Festivals bildete.

Präzise und mitreißend gestaltet begeisterten die vier Sätze, differenziert durch eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten, angefangen mit den Einzelstimmen, die wie Wellen ineinanderfließen, über brodelnde Intensität und innige Melodik bis zu den packenden Impulsen, die dem Presto-Finale immer neue Energie gaben.