Stand: 19.06.2026 15:20 Uhr
Drei Kieler haben gemeinsam eine neue Sportart entwickelt, inklusive Regelwerk und Spielutensil. Das Spiel mit dem Namen Tschip begeistert immer mehr Fans. Nun steht die Weltmeisterschaft an.
Mehrere Teams, ein Ball und ein Ziel: das Spiel und am Ende das Turnier zu gewinnen. Was klingt wie die Fußballweltmeisterschaft, ist in Schleswig-Holstein viel lokaler anzutreffen, nämlich in Kiel. Und obwohl auch ein Ball involviert ist, hat dieser Sport mit Fußball nur entfernt etwas zu tun.
Bei der noch recht jungen Sportart Tschip steht die Weltmeisterschaft an – so nennen die Gründer ihr eigenes Turnier am 20. und 21. Juni auf der Kieler Woche. Die Teilnahmetickets für Erwachsene waren innerhalb von knapp zwölf Stunden ausverkauft.
Sportart Tschip: Idee des stammt aus Kiel

Rund acht Jahre lang tüftelten die Entwickler an dem perfekten Ringfuß.
Manchmal beginnen große Ideen ganz klein – im Falle von Tschip mit einer Papiertüte. An einem Sommertag im Park kickten die Gründer Jan Wesuls, Tim Bethke und Timo Bruns ein wenig herum, ohne Ziel, nur für den Spaß. Irgendwann landete der Ball in einer leeren Papiertüte und ihr Ehrgeiz war geweckt. Das war 2013. Seitdem verfolgten die drei ihre Idee weiter, ersetzten die Tüte durch einen Ring, bauten einen Prototypen nach dem anderen. Ein Sport war geboren.

Das Tschip-Entwicklerteam besteht inzwischen aus vier Personen: Pascal Entinger, Tim Bethke, Timo Bruns und Jan Wesuls (v.l.n.r.).
Was sich aus einer kleinen Idee mit Freunden heraus entwickelte, ist inzwischen zum kleinen Nischensport mit richtigen Wettkämpfen geworden. Und wo ein Wettkampf ist, müssen ordentliche und nachvollziehbare Regeln her. Die entwickelte das Gründer-Team von Tschip zusammen mit den ersten Fans des Sports. So entstand „tschampion.tschip“, das Regelwerk für Turniere. Und: „Jeder, der mit uns spielt, hat die Option, das mit nach vorne zu entwickeln“, so Jan Wesuls.
Fairplay first: Das Spiel soll Menschen verbinden
Bei dem Spiel sind die Teams nicht nach Geschlecht oder Altersgruppe aufgeteilt. Alle spielen zusammen. Das Spielfeld hat bei Tschip keine feste Größe. Gespielt wird dort, wo Platz ist. Auch die Regeln sind anpassbar an die eigene Spielsituation.
Das unterscheide Tschip von anderen Sportarten, meinen die Gründer. Hier gehe es um Kreativität und Spaß, nicht um strikte Regeln. Deswegen gebe es bei Turnieren auch keinen Schiedsrichter. „Fairplay first“ ist das Motto.
Das ist nichts, wofür ich mich zwingend an einer Sportanlage treffen oder Miete bezahlen muss, sondern ich kann meinen Ring nehmen, dann setzt man sich aufs Fahrrad, fährt irgendwo hin, stellt den Ring in die Mitte und spielt.
Jan Wesuls, Tschip-Gründer
Ausprobieren geht auch ohne Tschip-Ring

Um diesen Ring dreht sich das Spiel. Er besteht aus einer Fahrradfelge und den eigens entwickelten Füßen.
Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann den Sport selbst zu Hause ausprobieren, denn das geht ohne große Hürden oder Anmeldungen, als „Alternative zum klassischen Vereinssport“, sagt Tim Bethke. „Man braucht nicht viel: nur einen Ball und einen Ring.“ Und der muss nicht einmal von ihnen sein, wie Jan Wesuls ergänzt. „Man kann auch gern eine Fahrradfelge aus dem Keller nehmen.“
Bei Tschip dreht sich alles um einen Kreis: den Ring. Gespielt wird mit einem 350 Gramm leichten Fußball und gegeneinander. Das heißt: Ab zwei Personen kann der Spaß losgehen. Bei Turnieren wird um den Ring ein Kreis von etwa drei Metern gezogen, dieser Bereich ist tabu. Der restliche Platz drum herum ist das Spielfeld. Gespielt wird im Wechsel und in drei Sätzen. Wer zuerst elf Punkte hat, gewinnt den Satz.
Ziel ist es, den Ball mit nur einer Berührung in den Ring zu tschippen – mit allen Körperteilen außer den Händen. Ansonsten ist vom Spielen „über Bande“, also gegen eine Mauer, bis zum Fallrückzieher alles erlaubt. Je nachdem, von wo getschippt wird oder wie spektakulär der Treffer war, gibt es zum regulären Treffer noch Zusatzpunkte. „So kann es passieren, dass man mit einem Kopfball-Doppel-Ditscher schon fünf Punkte macht“, erklärt Tim Bethke.
Große Pläne für die Zukunft
Die Begeisterung für den Sport wächst: Immer mehr Menschen in Schleswig-Holstein, aber auch darüber hinaus, interessieren sich für Tschip, so die Gründer. Inzwischen haben sie offizielle Sponsoren, erhalten sogar Anfragen aus Schulen für den Sportunterricht. Einige Fußballtrainer hätten den Ring auch bereits in ihr Fußballtraining mit eingebaut, erzählen sie.
Spaß am Sport statt Gewinnmaximierung
Reich werden wollten die drei damit aber nie, meint Tim Bethke im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Es sei ihnen immer um den Spaß am Sport gegangen. Und wenn der Hype um das Spiel irgendwann abnimmt? „Dann spielen wir halt wieder im Park“, sagt Bethke lachend. So wie alles begann – nur dieses Mal ohne Papiertüte.
Die Tschip-Weltmeisterschaft
Die Tschip-Weltmeisterschaft ist das größte Tschip-Turnier des Jahres. Anstelle von Ländern melden sich hier gegen eine Teilnahmegebühr Hobbysportlerinnen und -sportler an, die Lust haben, mitzumachen. In diesem Jahr sind 48 erwachsene Teams und 30 Kinderteams dabei.
Wann: 20. und 21. Juni 2026
Wo: Stadion am Tonberg, Flintbeker Straße 22, 24113 Kiel
Eintritt für Zuschauerinnen und Zuschauer frei

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