Andy Burnham von der Labour-Partei nach seinem Sieg bei der Nachwahl in Makerfield.

Andy Burnham von der Labour-Partei nach seinem Sieg bei der Nachwahl in Makerfield.

Foto: dpa/Jon Super

So einen krachenden Sieg hatte man dann doch nicht erwartet. Andy Burnham, der Labour-Kandidat, war zwar in vergangenen Tagen zunehmend als Favorit gehandelt worden. Aber dass er die Ersatzwahl im nordenglischen Makerfield so deutlich gewinnen würde, hatte niemand erwartet. Annähernd 25 000 Wählerinnen und Wähler stimmten am Donnerstag für Burnham, das entspricht 55 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein Rivale von der Rechtspartei Reform UK, Robert Kenyon, erhielt weniger als 16 000 Stimmen, also 35 Prozent.

Die Nachwahl für den Unterhaussitz wird entscheidende Folgen haben für die landesweite Politik. Denn Burnham will sich nicht mit einem Platz auf den Regierungsbänken begnügen: Er will Premierminister werden – und nach seinem Triumph stehen die Chancen gut, dass er Keir Starmer bald ersetzen wird. Burnham hat seinen Führungsanspruch nie versteckt, und seine Worte nach dem Sieg waren deutlich: »Alle wissen, dass die Politik nicht funktioniert«, sagte er in seiner Dankesrede. Dieses Wahlergebnis aber »könnte den Wendepunkt markieren.« Er wolle dafür sorgen, dass »der Name Makerfield für den Wandel steht, den dieses Land braucht.« Es sei »Labours letzte Chance«.

Kein Labour-Politiker ist beliebter als Burnham

Die Labour-Maschinerie hatte alle Ressourcen lockergemacht, um Makerfield zu gewinnen; mehrere tausend Aktivistinnen und Aktivisten waren in den vergangenen Wochen im Klinkenputz-Einsatz. Keir Starmer gab sich erfreut, er schrieb am Donnerstagmorgen auf X: »Die Wähler haben Labours Kampagne der Hoffnung und der Zuversicht gewählt.« Aber auch der Premierminister weiß, dass es vor allem ein persönlicher Sieg für Burnham ist.

Der ehemalige Bürgermeister von Manchester ist der bei Weitem beliebteste Labour-Politiker, und kein anderer Kandidat hätte es wohl geschafft, Reform UK – die aktuell in Umfragen stärkste Partei in Großbritannien – so deutlich auf den zweiten Platz zu verweisen. Noch vor wenigen Wochen, in den Lokalwahlen Anfang Mai, hatte Nigel Farages Rechtspartei im lokalen Gemeinderat etliche Sitze hinzugewonnen. Dass Burnham als Vertreter einer unbeliebten Regierungspartei in einer Nachwahl einen noch größeren Stimmenanteil gewann als in den Parlamentswahlen vor zwei Jahren, ist laut dem Politologen Rob Ford »eine seltene Errungenschaft«.

»Wir haben die Möglichkeit, das Ruder herumzureißen und dem Land das Gefühl zu geben, dass es wieder funktioniert.«


Andy Burnham Labour-Abgeordneter

Für den kommenden Kampf ums Premierministeramt ist dies entscheidend. Denn Burnham kann argumentieren, dass er der beste Kandidat sei, um Reform UK landesweit zu schlagen und Labour in eine zweite Amtszeit zu führen. Allerdings dürfte es schwierig werden, als Premierminister dieselbe Dynamik zu entfesseln, die ihm in Makerfield zum Erfolg verholfen hat; in der Nachwahl trat er als Lokalpolitiker an, und gleichzeitig präsentierte er sich als interner Rebell gegen das Labour-Establishment. Demgegenüber würde er als Regierungschef genau dieses Establishment verkörpern. Auch hat Burnham bislang kein kohärentes Regierungsprogramm vorgelegt – inwiefern er von der Politik Starmers abweichen würde, ist noch unklar.

Premier Starmer will nicht weichen

Für den Moment stellt sich jedoch zunächst die Frage, wie Burnham überhaupt in die Downing Street einziehen könnte. Denn Keir Starmer hat überhaupt nicht vor, das Feld zu räumen und den Posten freiwillig an Burnham zu übergeben. »Sollte es einen Führungskampf geben, dann werde ich antreten«, sagte Starmer am Donnerstagmorgen gegenüber Journalisten.

Burnham müsste also Starmer herausfordern. Dazu bräuchte er die Unterstützung von mindestens 20 Prozent der Fraktion – also 81 Labour-Abgeordnete. Diese könnte er laut Zählung britischer Medien ohne Probleme zusammentrommeln. Wenn der Führungskampf ausgelöst ist, wäre der Premierminister automatisch im Rennen. Auch Wes Streeting, der vor einigen Wochen als Gesundheitsminister aus Protest gegen Starmer zurückgetreten ist, hat angekündigt, er werde antreten. Streeting hat sogar gesagt, dass er bereit sei, Anfang nächster Woche in Aktion zu treten und einen Führungskampf auszulösen.

Viele Labour-Abgeordnete fordern Starmers Rücktritt

Bislang haben rund 100 Labour-Abgeordnete Starmers Rücktritt gefordert. Es dürften bald noch mehr werden – Burnham scheine jetzt »kaum mehr zu stoppen« zu sein, schreibt der »Guardian«. Derzeit hört man aus dem Umfeld von Burnham, dass er erst mal abwarten wolle. Er würde es bevorzugen, wenn Starmer einen Plan für seinen geordneten Abgang vorlegen würde, anstatt auf seinem Posten zu beharren, bis er herausgefordert wird. Ein namentlich nicht genannter Labour-Politiker sagte gegenüber Sky News: »Starmer muss auswählen zwischen einem blutigen Abgang und einem würdevollen Abgang.«

In seiner Siegesrede, die Burnham am Freitagvormittag hielt, sagte er: »Wir haben die Möglichkeit, das Ruder herumzureißen und dem Land das Gefühl zu geben, dass es wieder funktioniert.« Es sei an der Zeit, den Briten wieder Hoffnung zu geben.