Auf den Schock der überraschenden Freilichtbühnen-Schließung reagierten Augsburgs führende Politiker Anfang des Jahres mit flott gedrehten Videos: Die damalige Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) „ärgerte“ sich über die Nachricht, sah darin aber auch eine Chance, Kultur in der Innenstadt neu zu denken. Florian Freund, damals noch SPD-OB-Kandidat, versprach schnelle Lösungen – auch, um den Veranstaltern zu helfen. Den Ankündigungen folgte eine zügige Entscheidung; leider eine, die nur die Halbwertszeit eines Jahres hat.
Dass die Ersatzbühne am Gaswerk nur für 2026 angemietet wurde, kann man der ehemaligen Stadtregierung nicht vorwerfen. Erstens ahnte im Januar keiner, ob die Bühne funktionieren würde. Irgendwie hoffte man zweitens wohl auch, für 2027 eine bessere Lösung präsentieren zu können. Drittens waren alle auf den Wahlkampf fokussiert. Die Schließung der Freilichtbühne kam für Schwarz-Grün daher äußerst ungelegen. Für die Herausforderer war sie ein gefundenes Fressen, um das Narrativ zu stärken, dass diese Stadt einen politischen Wechsel braucht.
Freilichtbühnen-Aus: Quittung für politische Kurzsichtigkeit
Was dabei keiner im Blick hatte: Das Staatstheater hätte schon Anfang des Jahres eine verbindliche Aussage darüber gebraucht, ob es auch 2027 eine Ersatzbühne zur Verfügung hat. Doch diese Aussage gab es nicht. Die Quittung für diese politische Kurzsichtigkeit liegt nun auf dem Tisch: Die Open-Air-Saison für nächstes Jahr ist gestrichen, die Augsburger müssen auf die seit fast hundert Jahren bestehende und lieb gewonnene Tradition verzichten.
Für 2027 ist das Kind in den Brunnen gefallen, doch für das Theater mit seinen langen Vorlaufzeiten ist auch 2028 nicht mehr weit entfernt. Oberbürgermeister Florian Freund muss jetzt beweisen, dass er seine Ankündigungen im Wahlkampf ernst meinte und so schnell wie möglich eine Alternative präsentieren. Gelingt ihm das nicht, könnte die Open-Air-Tradition bis zur Wiedereröffnung der Freilichtbühne Geschichte sein.