In Wuppertal wird es heiß. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen in der Stadt voraussichtlich wieder auf über dreißig Grad steigen. Die WZ hat einige Tipps für die heißen Tage zusammengetragen, ohne die schönen Seiten eines heißen Sommers außer Acht zu lassen.
Die Wuppermetropole wurde im jüngsten Ranking der Deutschen Umwelthilfe in Sachen Hitzeschutz besonders gut bewertet – dank des vielen Grüns. Aufgrund spürbar zunehmender Hitzebelastungen hat die Stadt Wuppertal zudem einen Hitzeaktionsplan entwickelt. Zentrale Maßnahmen darin sind die Aufklärung der Bevölkerung über Hitzeschutzmaßnahmen mit Frühwarnsystemen, die Vermeidung einer Überlastung der Gesundheitssysteme, das Erstellen von Hitzeschutzplänen in Einrichtungen, die Erhöhung der Hitzeresilienz von städtischen Gebäuden und die Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt etwa durch Schaffung von mehr Schattenplätzen und Trinkbrunnen. Infos dazu findet man auf dem Hitzeportal der Stadt unter
Besonders glücklich über tropische Temperaturen werden wahrscheinlich die Wuppertaler Schüler sein. Unter 25 Grad in den Räumen gibt es kein Hitzefrei, aber bei Temperaturen darüber liegt es im Ermessen der Schulleitung. In vielen alten Wuppertaler Schulgebäuden wird der Richtwert 27 Grad Raumtemperatur schnell überschritten. In den unteren Klassen muss die Schule einen Tag vorher die Eltern darüber informieren, dass sie den Unterricht vorzeitig beendet und die Schüler früher gehen dürfen. Aber: „Grundsätzlich ist die Schule verpflichtet, die Kinder zu betreuen. Das frühere Abholen ist dann ein Angebot“, sagt Richard Voß aus dem Vorstand der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Lehrer lassen sich dann etwas einfallen und bieten zum Beispiel Spielen im Schatten an. Für Oberstufenschüler ist hingegen kein Hitzefrei vorgesehen.
Laut Verdi gibt es für Arbeitnehmer kein generelles Recht auf Hitzefrei. Laut Verdi-Bundesvorstandsmitglied Rebecca Liebig müssen Arbeitgeber dafür sorgen, dass Betriebe und Einrichtungen so eingerichtet und betrieben werden, dass von ihnen keine Gefährdungen für die Gesundheit der Beschäftigten ausgehen – egal ob bei der Arbeit im Büro oder im Freien. Für Beschäftigte im Freien oder als Fahrerin oder Fahrer müssen Zustell- und Ausliefertouren so gestaltet werden, dass sie zum größten Teil im Schatten arbeiten können. Zudem müssen Arbeitgeber UV-Schutzkleidung, Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen mit UV-Filter und Sonnenschutzcremes zur Verfügung stellen.
Gut lüften, viel trinken
Die Stadt Wuppertal bittet die Bevölkerung angesichts der erwarteten Temperaturen um erhöhte Aufmerksamkeit und empfiehlt, sich über Schutzmaßnahmen zu informieren. „Experten raten dringend dazu, das eigene Verhalten an die Wetterlage anzupassen. Dazu gehört vor allem, über den Tag verteilt ausreichend Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken“, lautet einer der Tipps. Wer die pralle Sonne meidet und körperliche Anstrengungen in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt, schont seinen Kreislauf. Zudem hilft es, Wohnräume tagsüber durch geschlossene Fenster und Rollläden kühl zu halten und erst in der Nacht ausgiebig zu lüften.
Die Krankenkasse DAK-Gesundheit schaltet am Dienstag, 30. Juni eine „Hitze-Hotline“. Ein Expertenteam steht dann unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 1 11 18 41 von 8 bis 20 Uhr für eine individuelle Beratung bereit und gibt Empfehlungen zum richtigen Verhalten bei Hitze. Das Angebot ist kostenfrei und gilt für Versicherte aller Krankenkassen. Die Johanniter wollen mit einem kostenfreien E‑Book zur Resilienz der Gesellschaft beitragen, also langfristig die Fähigkeit unterstützen, Hitzebelastungen vorzubeugen und Risiken abzuschwächen. Das E‑Book „Gut durch Hitzewellen kommen“ ist online erhältlich unter
Die Alten- und Pflegeheime
„Ein zentraler Baustein ist das Lüftungs- und Raumkonzept“, sagt Gea Kirchner, die Betriebsleiterin der Alten- und Pflegeheime der Stadt (APH) zum Umgang mit der Hitze an den Standorten in der Neviandtstraße, Vogelsangstraße, Am Diek, Hölkeshöhe, Herichhauser Straße und dem Wuppertaler Hof am Barmer Bahnhof. „Während der kühleren Morgen- und Abendstunden wird gelüftet, tagsüber werden die Fenster geschlossen gehalten. Vorhänge und Jalousien unterstützen zusätzlich dabei, die Aufheizung der Räume zu reduzieren. Aufenthalte in kühleren Räumen werden aktiv organisiert“, so Gea Kirchner. „Die Bewohnenden erhalten vermehrte Trinkangebote, ergänzt durch gezielte Maßnahmen zur Unterstützung der Flüssigkeitsaufnahme. Auch für Mitarbeitende sind Trinkpausen fest eingeplant.“
Die Krankenbeobachtung wird bei Hitze intensiviert. Auch die Betreuungsangebote werden der Hitze angepasst und verstärkt in kühlere und schattige Gartenbereiche verlagert. Gemäß Sommerspeiseplan gibt es unter anderem Speiseeis, Eiskaffee, Smoothies mit Eis, Wassermelonen, Beerenobst und Kaltschalen, um die Flüssigkeitsaufnahme zusätzlich zu unterstützen und das Wohlbefinden zu fördern. Für den Aufenthalt im Freien gehören Kopfbedeckung sowie Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor dazu. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner nicht in der Mittagszeit im Freien aufhalten, so die APH-Betriebsleiterin.
Wer die warmen Temperaturen draußen genießen, aber etwas Schatten haben möchte, hat in Wuppertal viele Optionen. Im großen Waldgebiet des Staatsforst Burgholz ist es deutlich kühler als in der Innenstadt. Die Hardt mit dem Botanischen Garten gehört zu den beliebtesten Sommerorten der Stadt, aber auch der Nordpark, die Barmer Anlagen und der Skulpturenpark Waldfrieden sind grüne Ausflugsziele mit Schatten.
Abkühlung ist auch möglich in drei öffentlichen Freibädern: im Freibad Eckbusch in Uellendahl, in der eröffneten Mählersbeck und im Freibad Neuenhof in Vohwinkel. Am Beyenburger Stausee kann man teilweise im Schatten am Wasser sitzen, eine Runde spazierengehen oder die Füße ins Wasser halten. Gleiches gilt für das Wupperufer – besonders mit einem kühlen Getränk oder einem Eis aus einer der vielen Wuppertaler Eisdielen lässt es sich hier – mitten in der Stadt – gut aushalten.
Knapp 30 Autominuten entfernt von Wuppertal befindet sich der Beverstrand an der Bevertalsperre – einer der beliebtesten Badeseen in der Umgebung. Wem es draußen insgesamt zu warm ist, der findet in den Hallenbädern wie der Schwimmoper Erholung– aufgrund der Öffnung der Freibäder kann es hier zu eingeschränkten Öffnungszeiten kommen.
Auch Einrichtungen wie Bibliotheken, das Von der Heydt-Museum und das Museum für Frühindustrialisierung bieten einen kühlen Platz bei heißem Wetter. Die Laurentiuskirche in Elberfeld steht allen Besuchern täglich von 11 bis 19 Uhr offen, sofern eine ehrenamtliche Kirchenaufsicht vor Ort ist. Ansonsten ist nur der Vorraum zugänglich, wie Pfarramtssekretärin Katarina Knez sagt.
Die Tiere im Grünen Zoo haben die Wahl, ob sie sich draußen oder in ihren Stallungen aufhalten wollen. „Bei vielen Tierarten sorgen vorhandene Badebecken wie bei den Elefanten oder Lehmsuhlen wie bei den Pinselohrschweinen oder Pekaris für Abkühlung und Schutz vor der Sonne“, erklärt Sophia Danitz, Pressesprecherin des Zoos. Der alte Baumbestand im Zoo spende zudem viel natürlichen Schatten. Davon profitieren Tiere und Besucher gleichermaßen. „Wer die Tiere in Aktion sehen will, sollte vielleicht eher in den Morgenstunden oder vielleicht auch zu einer Abendführung durch den geschlossenen Zoo vorbeikommen“, rät die Pressesprecherin.