Der österreichisch-kanadische Unternehmer und Milliardär Frank Stronach ist in Kanada wegen sexueller Übergriffe schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß soll Mitte September verkündet werden. Bis dahin bleibt der Gründer des Automobilteile-Herstellers Magna auf freiem Fuß.
Der 93-jährige Stronach war in mehreren Punkten angeklagt gewesen. Schuldig gesprochen wurde er nur in zwei Punkten – »unsittlicher Übergriff« und sexuelle Nötigung. Drei Vorwürfe einer Klägerin wurden fallen gelassen, weil das Gericht die Aussage der Frau nicht als glaubhaft einstufte. Weitere Anklagepunkte zog die Staatsanwaltschaft mangels Beweisen zurück. Stronach wies alle Vorwürfe zurück.
Welche Stellen beraten bei sexualisierter Gewalt?
Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist Tag und Nacht unter der Nummer 116 016 erreichbar ‒ kostenlos und auf Wunsch anonym. Über die Internetseite können sich Betroffene zudem online per E-Mail oder Chat beraten lassen.
Weitere Anlaufstellen per Telefon, Mail oder persönlich sind das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch, das Opfertelefon Weißer Ring oder die Lara Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen (Berlin). Für Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern. Mit dem Beratungsstellenfinder bbf Frauen gegen Gewalt können Betroffene in einer Suchmaske Hilfe am Ort finden.
Je nach Region gibt es lokale Frauenhäuser und Beratungszentren. Eine Übersicht gibt die Frauenhaus Koordinierung.
Wo kann man Spuren sichern lassen?
Gewaltschutzambulanzen sichern Spuren kostenlos, vertraulich, anonym. Manchmal heißen sie auch Opferhilfeambulanz oder ähnlich. Auch manche Krankenhäuser, Frauenarztpraxen oder der Rettungsdienst bieten Spurensicherung an. Fragen Sie am besten per Telefon nach.
Hier finden Sie die Homepages der Gewaltschutzambulanz der Charité Berlin und der Gewaltschutzambulanz Bremen. Mehr Informationen zur ärztlichen Versorgung nach Vergewaltigungen bieten die Frauenärzte im Netz.
Haben Sie den Verdacht, dass Ihnen jemand K.-o.-Tropfen verabreicht hat, sollten Sie möglichst schnell eine Blut- oder Urinprobe zur Untersuchung abgeben. Die Substanzen sind nach wenigen Stunden nicht mehr nachweisbar. Beratungsstellen und Hilfetelefone geben Auskunft, wo das möglich ist.
Was können Betroffene selbst tun?
- Ein Gedächtnisprotokoll mit Datum schreiben. Erinnerungen jeweils mit dem aktuellen Datum hinzuzufügen
- Nachrichten mit Datum, Uhrzeit, Name und Kontext als rechtssichere Screenshots speichern
- Getragene Unterwäsche, Kleidung und Hygieneartikel wie Tampons und Binden aufbewahren. Ebenso Bettwäsche, Handtücher, die DNA-Spuren aufweisen können
- Idealerweise vor der medizinischen Spurensicherung nicht duschen und wenn möglich nicht zur Toilette gehen
Weitere Informationen in leichter Sprache (PDF): Gesine Netzwerk Gesundheit: Was tun?
Weitere Informationen
Im Prozess hatten sieben Klägerinnen gegen den Milliardär ausgesagt. Die vorgeworfenen Taten reichten bis ins Jahr 1977 zurück.
Der in Österreich geborene Stronach hatte in Kanada ein kleines Werkzeugunternehmen zu einem der weltweit größten Hersteller für Autoteile, Magna International, ausgebaut. Zudem rief er die Stronach Group ins Leben, ein auf Pferderennsport spezialisiertes Unternehmen. Im Alter von 80 Jahren gab der Milliardär die Führung des Unternehmens ab und kehrte in seine Heimat Österreich zurück. Dort gründete er eine eigene politische Partei, das Team Stronach. Mittlerweile lebt er wieder in Kanada.