Den Deutschen wird eine besondere Beziehung zu Mallorca nachgesagt. Nicht umsonst wird die Baleareninsel scherzhaft auch als „17. Bundesland“ bezeichnet. Zahlreiche deutsche Touristen verbringen dort ihren Urlaub – und einige von ihnen lassen sich sogar dauerhaft auf der Insel nieder. Rund 19.500 deutsche Auswanderer hatten nach Angaben des spanischen Instituts für Statistik (INE) im Jahr 2025 ihren Hauptwohnsitz auf Mallorca gemeldet.
Wer ebenfalls davon träumt, seinen Lebensmittelpunkt auf die Urlaubsinsel zu verlegen, sollte allerdings die größten Herausforderungen und Fallstricke kennen, die ein Umzug nach Mallorca mit sich bringt. Caro und Andreas Robens, die als langjährige Mallorca-Auswanderer aus der Vox-Sendung „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ bekannt sind, haben uns verraten, welche Fehler deutsche Neuankömmlinge besonders häufig begehen – und wie man sie vermeiden kann.
Wer sind Caro und Andreas Robens?
Das Ehepaar Caroline „Caro“ und Andreas Robens zählt zu den wiederkehrenden Protagonisten der Doku-Soap „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“, in der deutsche Auswanderer vor, während und nach ihrem Neuanfang im Ausland begleitet werden. Wie der Fernsehsender Vox schreibt, lernten sich Andreas und Caro Robens 2010 auf Mallorca kennen, wo beide zunächst in einer Diskothek am Ballermann arbeiteten. Kurz darauf machten sich die beiden Bodybuildings-Begeisterten mit der Eröffnung eines eigenen Fitnessstudios in El Arenal selbstständig. Als langjährige Mallorca-Bewohner wissen sie, welche Tücken das Leben auf der Insel mitbringen kann und was künftige Auswanderer beachten sollten.
1. Fehler beim Auswandern nach Mallorca: Zu wenig Startkapital
Viele deutsche Auswanderer unterschätzen nach Ansicht des Ehepaars die anfänglichen Kosten, die für den Neustart auf Mallorca benötigt werden. Vor dem Umzug auf die Insel sollte also sichergestellt werden, dass ausreichende finanzielle Rücklagen vorhanden sind.
Man braucht schon mindestens eine Monatsmiete Kaution – meistens zwei oder drei – plus Maklercourtage, und die Miete wird meist halbjährlich bezahlt. […] Außerdem ist das Leben hier mindestens genauso teuer wie in Deutschland.
Caro und Andreas Robens
„Man braucht schon mindestens eine Monatsmiete Kaution – meistens zwei oder drei – plus Maklercourtage, und die Miete wird meist halbjährlich bezahlt. Außerdem haben die meisten noch keinen Job und selbst wenn, kommt das Gehalt ja erst nach einem Monat. Außerdem ist das Leben hier mindestens genauso teuer wie in Deutschland“, betonen Caro und Andreas Robens.
Zunächst sollten Auswanderer laut den „Goodbye Deutschland“-Stars also darauf achten, dass die Suche und der Bezug der neuen Unterkunft auf Mallorca gewisse Kosten mit sich bringt. Wie die auf Umzüge nach Mallorca spezialisierte Agentur Mallorca Expats informiert, stellen die Wohnausgaben in der Regel den größten finanziellen Posten im Alltagsleben auf der Insel dar. Für eine 50 Quadratmeter große Wohnung fallen demnach je nach Lage monatliche Mietpreise von 700 bis 900 Euro in ländlichen Gebieten und 900 bis 1200 Euro in der Hauptstadt Palma oder anderen beliebten Küstenorten an. Hinzu kommen anfängliche Kosten für den Speditionstransport des Hausstands, Kaution und Maklerprovision sowie erste Anschaffungen.
Andreas und Caro Robens verweisen zudem auf die übrigen Lebenshaltungskosten, die sich ihrer Erfahrung nach auf einem ähnlichen Niveau bewegen wie in Deutschland. Laut Mallorca Expats sind die alltäglich anfallenden Ausgaben, beispielsweise für Lebensmittel, Mobilität und Nebenkosten, auf der Insel im Schnitt 18 bis 23 Prozent günstiger als in der Bundesrepublik. Allerdings liegt das Durchschnittseinkommen auf Mallorca deutlich unter dem in Deutschland. Nach Angaben der Regierung der Balearischen Inseln betrug das Monatsbruttogehalt auf den Balearen im Jahr 2025 im Schnitt 2396 Euro. In Deutschland sind es dem Statistischen Bundesamt zufolge hingegen 4784 Euro. In Relation zum Lohnniveau ist das Leben auf der Baleareninsel also teurer.
2. Fehler beim Auswandern nach Mallorca: Die Wohnungssuche unterschätzen
Je nach Standort kann die Suche nach einer geeigneten Bleibe auf Mallorca für Einwanderer zur Geduldsprobe werden. Wie unter anderem das Mallorca Magazin berichtet, ist der Miet- und Immobilienmarkt auf der Insel derzeit durch überteuerte Preise und einen überproportionalen Anteil an Ferienunterkünften und Saisonvermietungen geprägt, die zu einer Wohnungsnot in den Ballungszentren führen.
Der Wohnungsmarkt ist hier so angespannt, dass es unheimlich schwer ist, etwas zu finden.
Caro und Andreas Robens
Auch Caro und Andreas Robens warnen vor Herausforderungen bei der Wohnungssuche: „Der Wohnungsmarkt ist hier so angespannt, dass es unheimlich schwer ist, etwas zu finden. Ohne spanischen Arbeitsnachweis und mehrere spanische Gehaltsabrechnungen fast unmöglich.“ Demnach sollten sich Auswanderer genügend Zeit für die Suche nehmen, eventuell die Unterstützung eines Maklers in Anspruch nehmen und bestenfalls bereits über eine feste Anstellung oder Beschäftigung verfügen. Das erhöht die Chancen auf dem Wohnungsmarkt.
3. Fehler beim Auswandern nach Mallorca: Schlechte Ideen für die Selbstständigkeit
Einige Auswanderer träumen womöglich davon, sich in ihrer neuen Wahlheimat selbstständig zu machen – wie bei „Goodbye Deutschland“ und anderen TV-Formaten häufig gesehen, beispielsweise mit der Eröffnung eines eigenen Cafés oder Restaurants. Doch wer sich im Vorfeld nicht intensiv mit den notwendigen Voraussetzungen und Investitionskosten sowie Angebot und Nachfrage auf dem jeweiligen Markt auseinandersetzt, kann mit seinem Ansatz schnell scheitern, wie das Unternehmerpaar Robens weiß.
Nicht alles, was in Deutschland läuft, läuft auch auf Mallorca. Man muss sich dem Markt anpassen.
Caro und Andreas Robens
Viele Auswanderer würden demnach mit einer Geschäftsidee nach Mallorca kommen, ohne sich zuvor gründlich vor Ort zu erkundigen, ob diese überhaupt nachgefragt wird. „Nicht alles, was in Deutschland läuft, läuft auch auf Mallorca. Man muss sich dem Markt anpassen“, mahnen die „Goodbye Deutschland“-Stars daher an.
Hilfestellung auf dem Weg zur Freiberuflichkeit oder bei der Gründung eines Unternehmens auf Mallorca können beispielsweise die vom spanischen Industrieministerium eingerichteten Anlaufstellen „Puntas de Atención al Emprendedor“ geben.
4. Fehler beim Auswandern nach Mallorca: Mangelnde Sprachkenntnisse
Wer nicht gerade nach Österreich oder in die Schweiz auswandert, muss am neuen Wohnort mit einer gewissen Sprachbarriere rechnen. Auf Mallorca ist die deutsche Community zwar so groß, dass zumindest in touristisch geprägten Regionen viel Deutsch oder Englisch gesprochen wird. Trotzdem sollten sich deutsche Auswanderer Andreas und Caro Robens zufolge nicht darauf verlassen.
„Auch wenn man auf Mallorca in Urlaubsgebieten mit Deutsch und Englisch weiterkommt, auf Ämtern ist das meist nicht der Fall“, erklären die beiden. Zudem sei es deutlich schwieriger, ohne spanische Sprachkenntnisse eine passende Arbeitsstelle zu finden. Für viele Dienstleistungen würden laut ihrer persönlichen Einschätzung höhere Kosten anfallen, wenn man auf deutschsprachige Unternehmen zurückgreifen muss.
Auch wenn man auf Mallorca in Urlaubsgebieten mit Deutsch und Englisch weiterkommt, auf Ämtern ist das meist nicht der Fall.
Caro und Andreas Robens
Grundlegende Sprachkenntnisse in einer der beiden Amtssprachen Spanisch und Katalanisch sind also auf Mallorca unabdingbar für Behördengänge, im Arbeitsalltag sowie bei Arztbesuchen oder im Bildungsbereich, wie auch die Mallorca Zeitung betont. Bestenfalls bereitet man sich frühzeitig mit einem Sprachkurs vor, um bei Ankunft auf der Insel bereits Grundkenntnisse vorweisen zu können.
5. Fehler beim Auswandern nach Mallorca: Sich nicht an Land und Leute anpassen
Neben der Offenheit für das Erlernen einer neuen Sprache sollten sich deutsche Auswanderer zudem nicht scheuen, mit einheimischen Mallorquinern in Kontakt zu treten und sich an die Gepflogenheiten auf der Insel anzupassen.
Nicht nur unter Deutschen bleiben, sondern sich auch bemühen, sich mit Einheimischen anzufreunden, sich für ihre Kultur interessieren und die deutsche Mentalität ablegen. Deswegen wandert man aus.
Caro und Andreas Robens
Der letzte Rat der „Goodbye Deutschland“-Stars lautet daher: „Nicht nur unter Deutschen bleiben, sondern sich auch bemühen, sich mit Einheimischen anzufreunden, sich für ihre Kultur interessieren und die deutsche Mentalität ablegen. Deswegen wandert man aus. Wenn einen alles im Ausland stört, besser in Deutschland bleiben.“
Wer aus Deutschland zuwandert, sollte sich demnach der kulturellen Unterschiede bewusst sein, die zwischen dem Heimatland und Mallorca vorherrschen, und sich etwa in vielen Alltagssituationen auf ein gemächlicheres Tempo einstellen. „Hier kann es mal an der Kasse länger dauern, weil sich die Kassiererin mit einer Kundin unterhält. Der Handwerker kommt vielleicht eine Stunde später als abgemacht, und die Geschäfte haben nachmittags vielleicht Siesta. Man sollte alles einfach entspannter sehen“, fassen Caro und Andreas Robens ihre Erfahrungen zusammen.