Nelly und Tobias Schmücking verbindet mehr als nur die Verwandtschaft. Beide arbeiten 500 Kilometer voneinander entfernt künstlerisch mit unterschiedlichen Medien, nachdem sie ganz verschiedene Ausbildungswege absolviert haben. Aber es gibt eine thematische Nähe. Die Gestalt des Tieres ist der verbindende Gedanke in der gemeinsamen Ausstellung „Pinguine, einsame Hunde und die Zeit“, die am Sonntag in der Galerie Künstlerbunker eröffnet wird.

Für Tobias Schmücking ist der Ort ein Stück Heimat, schließlich war seine Mutter Jutta Schmücking Mitbegründerin der Künstlergemeinschaft und hatte viele Jahre ein Atelier im Haus. Längst ist er selbst freischaffender Künstler, hat zunächst mit Schwerpunkt Zeichnung und später Film studiert.

Besonders in den brandneuen Arbeiten aus diesem Jahr verquicken und ergänzen sich beide Sparten. Schwarzweiß-Bilder zeigen Verästelungen in Grautönen, die durchaus pflanzlicher Natur sein könnten, in einigen lässt sich eine Fischform erahnen. Der Künstler arbeitet nicht völlig abstrakt, hatte durchaus ein Sujet im Kopf, den Quastenflosser, dem er sich Strich für Strich näherte – im Dunkeln, entsprechend dem Lebensraum des „Latimeria“, der wissenschaftliche Name ist zugleich Titel dieser Serie.

Tobias Schmücking hat jedes Blatt in der Dunkelkammer auf Fotopapier gezeichnet und dafür Fotofixierer verwendet, um winzige Lichtpunkte und -linien zu setzen. Überwiegend arbeitete er mit winzigen Lichtquellen in Kanülen, die dunkle Spuren hinterließen. Beide sind während des Prozesses nur kurz sichtbar, sodass der Zeichner weitgehend im Dunklen tappte und das tatsächliche Ergebnis erst beim Entwickeln beurteilen konnte.

Eine Weiterentwicklung ist der Film, den Besucher im fensterlosen Innenraum auf sich wirken lassen können. Er beginnt ganz zart mit wenigen vertikalen Linien, die sofort als Landschaft interpretiert werden, sobald sich einige „Grasbüschel“ andeuten. Daraus entsteht aber ein Geflecht, das sich dreidimensional verschiebt, dreht, windet und den Betrachter immer wieder verunsichert.

Neben diesen Neulingen ist zu sehen, wo 2002 (seine zweite Ausstellung war in der Galerie am Werk) die künstlerische Entwicklung bei Tobias Schmücking begonnen hat. Damals zerlegte er 25 Einstellungen von Tiervideos (aus so vielen Bildern pro Sekunde setzt sich ein Fernsehbild zusammen) in ebenso viele Zeilen und setzte ein neues Bild aus diesen verschiedenen Streifen zusammen. Das Ergebnis sind Vexierbilder, die das jeweilige Tier nur als Ahnung zeigen.

Seine Cousine Nelly Schmücking lebt als freischaffende Künstlerin in Leipzig und hat zunächst Biologie auf Diplom und Kunstgeschichte studiert. Sie schafft Tierplastiken, in denen sie anatomische und verhaltenstypische Eigenschaften analysiert.

Aber sie bildet nicht einfach nach, sondern lässt bewusst Leerstellen und verfremdet durch den Einsatz von künstlich wirkenden Materialien. Bei ihrem Wildhund in Lebensgröße verbinden sich Körperteile aus Holz mit solchen aus klarem Kunststoff, ein Kiwi ist aus Drahtgeflecht geformt, beim Pinguin aus verschweißten Metallplatten ist der Kopf nur angedeutet. Und doch sind alle Tiere durch Form und charakteristische Haltung leicht zu erkennen.

Es sind Ergebnisse einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Tier als denkendes und fühlendes Lebewesen, verstärkt durch die fragmenthafte Darstellung der Körper. Hier ist wieder die Parallele zu den Bildern ihres Kölner Cousins.