Jakob und seine Mama Katrin aus Stadtbergen sind Profis auf dem Erdbeerfeld. Zum Erdbeergarten in der Wellenburger Allee im Augsburger Stadtteil Göggingen sind sie am Samstag um 14 Uhr mit dem Fahrrad gefahren. Nachdem die beiden mehrmals im Jahr Erdbeeren selbst pflücken, haben sie eine Expertise. „Die kleinen Erdbeeren sind besser als die Großen“, ist Katrin überzeugt. „Und wenn der Strunk oben ist, sind sie besonders gut.“
„Hier auf dem Feld haben sie eine bessere Qualität“
Jakob macht es deutlich mehr Spaß, die Erdbeeren selbst zu pflücken als Obst im Supermarkt zu kaufen. Auch ist er sicher: „Hier auf dem Feld haben sie eine bessere Qualität.“ Dazu kommt ein weiterer Aspekt: „Naschen, direkt auf dem Feld ist eine große Freude für die Kids, die kommen völlig erdbeerverschmiert wieder raus“, sagt Katrin augenzwinkernd. Manchmal ernten sie so viel, dass die Ausbeute verarbeitet werden muss: „Kuchen, Marmelade oder einfach pur mit Löffelbiskuits und Sahne“, zählt Katrin auf.
Noch ambitionierter ist Walter Eberle in den Pflückwegen unterwegs. Ausgestattet mit einem bereits stattlich gefüllten Eimer erklärt er sein Tagesziel: „Für selbstgemachte Marmelade brauche ich mindestens vier Kilo Erdbeeren.“ Er ist überzeugt: „Marmelade schmeckt viel besser, wenn man sie selbst macht und weiß, was drin ist.“
„Das Selbstgepflückte hat einen anderen Stellenwert“
Ebenfalls zu den Profis unter den Selbsterntenden zählt Sonja. Der Besuch von Erdbeerfeldern ist für sie eine „Tradition“. Als ihre Kinder klein waren, waren diese immer als Erntehelfer dabei. Im aktuellen Alter von 14 und 16 Jahren muss die Mama zwar alleine ernten, doch ein Teil der Tradition bleibt: Der Erdbeerkuchen wird gemeinsam gebacken. Als selbsterlernte Fachfrau weiß Sonja, nach welchen Erdbeeren man Ausschau halten soll: „Überall Rot sollten sie sein, aber nicht zu Rot, sonst werden sie zu schnell matschig.“

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Diese Familie betreibt vier Erdbeergärten für Selbstpflücker: Florian und Tanja Schweiger mit den Töchtern Mona, Johanna und Valentina
Foto: Michael Eichhammer
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Diese Familie betreibt vier Erdbeergärten für Selbstpflücker: Florian und Tanja Schweiger mit den Töchtern Mona, Johanna und Valentina
Foto: Michael Eichhammer
Die Körbe von Max, Mama Cornelia und Oma Margit sind um 14:30 Uhr schon gut gefüllt. Die drei sind voller Zuversicht, dass sie heute sechs Kilo Erdbeeren nach Hause bringen werden. Kein Wunder: Das Trio aus Göggingen ist seit Jahren gut eingespielt. „Erdbeeren zu pflücken ist vor allem für die Kinder ein tolles Erlebnis“, findet Cornelia. „Selbst zu ernten und zu sehen, wie sich die Schüssel Stück für Stück füllt“, nennt sie als Gründe. „Das Selbstgepflückte hat einen anderen Stellenwert“, stimmt Oma Margit zu. Ihrem Enkel Max gefällt es, anders als beim Kauf im Supermarkt „in der Natur zu sein“. Verarbeitet wird die Ernte der Drei zu Marmelade, als Kuchenbelag und fürs Müsli.
Tobi ist mit seiner Oma Sabine und dem Opa aus dem angrenzenden Radegundis angereist. Der Opa schwärmt: „Dieses Jahr haben wir eine wunderbare Saison, überall Erdbeeren!“ Er bevorzugt die selbstgepflückten Süßigkeiten frisch zum Magerquark.
Die Freundinnen Mia und Maia aus Augsburg-Pfersee sind einmal im Jahr hier oder beim Erdbeerfeld in Stadtbergen. Zwei bis drei Kilo Ertrag haben sie sich für heute vorgenommen. Geplant ist ein Erdbeerkuchen. „Naschen gehört dazu“, findet Mia. Doch ist das eigentlich offiziell erlaubt?
„Ausdrücklich“, so die eindeutige Antwort von Betreiber Florian Schweiger. „Wir haben sieben verschiedene Erdbeer-Sorten zu bieten, die Leute sollen da durchprobieren.“ Seit mittlerweile 26 Jahren betreibt die Familie Schweiger Erdbeerfelder in Augsburg – zunächst in der Bürgermeister-Ulrich-Straße und der Friedrich-Ebert-Straße. Dann kamen die Standorte an der Uni und der Wellenburger Allee dazu. Die Hauptsaison ist von Mitte Mai bis Anfang Juli. Stolz ist die Familie auf ihr Ampelsystem, welches auf der eigenen Homepage anzeigt, wie sich die Situation an den vier Standorten gerade gestaltet: Grün bedeutet, dass – wie heute – reichlich Erdbeeren auf die Besucher warten. Gelb zeigt, dass man etwas akribischer suchen muss, während Rot signalisiert, dass das Feld aktuell geschlossen ist.
Erdbeeren aus dem Supermarkt halten zwar länger, dafür schmecken sie nicht so gut
„In der Corona-Zeit war das eines der wenigen Aktivitäten, die man noch machen konnte, so haben das einige Menschen wiederentdeckt“, berichtet Tanja Schweiger. „Erdbeerpflücken ist als Event für Familien wieder stärker geworden, vor allem an den Wochenenden und Feiertagen“, resümiert Florian Schweiger. Das liegt auch daran, dass der Trend zu regionalen und saisonalen Lebensmitteln geht. „Erdbeeren aus dem Supermarkt halten zwar länger, dafür schmecken sie nicht so gut“, findet seine Frau.
„Wir haben viele Stammgäste – und Stammpersonal“, erzählt Tanja Schweiger. Zu letzterem zählen Gabi und Peter Obermeier. Das Ehepaar aus Göggingen ist seit 21 Jahren vor Ort im Erdbeerverkauf tätig. „Uns macht der Umgang mit Menschen Spaß – und die Gewissheit, dass wir etwas Gutes verkaufen“, sagt Gabi Obermeier.