Der Stuttgarter Kinderarzt Özgür Dogan hat eine besondere Begegnung mit Gorillas gehabt. Jetzt hat seine Praxis offiziell die Patenschaft für eines der Tiere in der Wilhelma übernommen.

Özgür Dogan ist der Wilhelma und den dortigen Gorillas auf besondere Weise verbunden. Der Vater von drei Kindern im Alter von sechs, vier und einem Jahr geht dort gerne mit der Familie hin für einen Besuch und hat dabei stets besondere Erinnerungen, denn er hat einst auch schon einmal ehrenamtlich an einer Operation bei einem der Tiere mitgewirkt. Nun engagiert er sich erneut, indem seine Kinderarztpraxis die Patenschaft für einen Gorilla übernahm.

Dogan hatte vor Jahren sogar hinter die Kulissen des Stuttgarter Zoos schauen können – bei den Affen und dort eine besondere Erfahrung gemacht. Das war 2014. Damals war er am Olgahospital als Kinderarzt tätig und wurde auserkoren, in der Wilhelma einen Einsatz zu machen. „Das war spannend und ich habe mich sehr gefreut“, berichtet er.

Als er in der Klinik gefragt worden sei, habe er gleich zugesagt: „Es war mir eine Ehre.“

2014 hat Kinderarzt Dogan die Wilhelma ehrenamtlich bei einem medizinischen Eingriff bei einem Gorilla unterstützt. Foto: Dr. Özgür Dogan Eingriff gemeinsam mit dem Wilhelma-Tierarzt

Dogan hatte ehrenamtlich bei einem medizinischen Eingriff gemeinsam mit dem Wilhelma-Tierarzt Tobias Knauf-Witzens an einem Gorilla-Jungtier mitgeholfen. „Es war schon betäubt“, erinnert er sich. Er habe das Tier beim Röntgenbild gehalten. Er war dazugestoßen, als der Gorilla bereits in Narkose war. Die Aufgabe war, eine Lymphknotenbiopsie beim Gorilla-Jungtier Okanda durchzuführen: „Ich habe die Biopsie gemacht.“ Dabei wurde eine Gewebeprobe aus den Lymphknoten entnommen.

Dogan kann sich noch gut an die „recht raue Behaarung“ erinnern und die „dickere Haut“ des Tieres. Und dass der Gorilla „recht schwer“ war. „Da habe ich mir überlegt, wie schwer sie sind, wenn sie ausgewachsen sind.“ Die Biopsie im schlafenden Zustand des Tieres sei eine „schnelle Sache“ gewesen. Der Eingriff habe nur zur Diagnose gedient. Denn die Mediziner wollten der Ursache auf den Grund gehen, weil Lymphknoten des Affen vergrößert waren.

Affe hatte Pfeiffersches Drüsenfieber

Heraus kam, dass der Affe am Epstein Barr-Virus erkrankt war, auch Pfeiffersches Drüsenfieber genannt. Eine Krankheit, die auch Menschen bekommen können. Kinder seien da eher empfindlich, bei Erwachsenen sei die Krankheit eher hartnäckig, weiß Dogan. Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine Virusinfektion, die durch den Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird. Die Krankheit verläuft in der Regel harmlos und heilt meist innerhalb weniger Wochen von selbst. Typische Symptome sind leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten, Müdigkeit und Halsweh. Aber dem Affen ging es gut. „Man kann da nicht groß was machen. Es gab keinen Handlungsbedarf“, erinnert sich Dogan. Es sei durch diese Untersuchung nur eine Erklärung für die geschwollenen Lymphknoten gefunden worden.

Die Kinderarztpraxis von Özgür Dogan hat ein Herz für Gorillas in der Wilhelma und die Patenschaft übernommen. Foto: Wilhelma

Doch das Erlebnis war vor über zehn Jahren ganz einschneidend für den Kinderarzt. Im Jahr 2019 hat er eine eigene Kinderarzt-Praxis in Stuttgart eröffnet und dort auch die Fotos vom Eingriff bei dem Gorilla in seiner Praxis ausgehängt. „Ich werde immer wieder darauf angesprochen“, sagt er. Und als er nun wieder mal in der Wilhelma war, hat er sich beim Betrachten einer Tafel zu einer Patenschaft überlegt, das Thema aufzugreifen und mit dem Praxisteam zusammen etwas Gutes zu tun.

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin (li.) überreichte in der Wilhelma die Patenschaftsurkunde an Özgür Dogan vor der Anlage der Gorillas. Foto: Wilhelma Patenschaften helfen der Wilhelma enorm

Der 42-jährige geborene Frankfurter, der auch dort Medizin studiert hat, war 2009 ins Stuttgarter Kinderkrankenhaus Olgahospital gewechselt. Die Übernahme der Gorilla-Patenschaft hat auch Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin gefreut: „Patenschaften sind ein wichtiger Baustein, um die Weiterentwicklung der Wilhelma zu unterstützen“ betont Kölpin. „Gleichzeitig helfen sie dabei, auf die Bedrohung von Arten aufmerksam zu machen und für ihren Schutz zu werben.“

Der 2014 operierte Gorilla Okanda ist übrigens im Jahr 2015 in den Münchner Tierpark Hellabrunn gewechselt, wie Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann erklärt. Okanda war den Angaben zufolge im April 2011 in England geboren worden und 2012 nach Stuttgart gekommen.

In der Wilhelma werden aktuell westliche Flachlandgorillas gehalten, die aus den tropischen Regenwäldern Zentralafrikas stammen. Das älteste der Tiere ist die über 60 Jahre alte Gorilla-Dame Mimi. Durch Abholzung der Regenwälder, Wilderei und Krankheiten ist ihre Art bedroht. Die Wilhelma beteiligt sich nicht nur an internationalen Erhaltungszuchtprogrammen, auch an Schutzmaßnahmen in den natürlichen Habitaten der Menschenaffen.