Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador sind die Gruppengegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA. Im zweiten Vorrundenspiel trifft die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann an diesem Sonnabend auf das mit durchschnittlich 25,9 Jahren jüngste Team des Turniers: die Elfenbeinküste. Der zweite Vorrundengegner im Check.

Die Mannschaft

Wenn über die Fußballer der Côte d’Ivoire gesprochen wird, fallen schnell Beschreibungen wie physische Stärke, hohes Tempo und Härte in Zweikämpfen. „Die tun weh, die deutsche Mannschaft muss aufpassen. Da hat man Gegenspieler, die riskieren Gelbe Karten. Das ist nicht so einfach“, sagte etwa ARD-Experte Thomas Hitzlsperger und meinte damit wohl die beiden zentralen Mittelfeldspieler Franck Kessié und Seko Fofana, die beim Last-Minute-Sieg gegen Ecuador (1:0) jeweils Gelb gesehen hatten.

Vergleicht man die Ivorer in der Foulstatistik mit den deutschen Fußballern, liegt das DFB-Team mit 18 geahndeten Regelverstößen gegen Curaçao deutlich vor dem Gegner am Samstagabend in Toronto (22 Uhr, ZDF und Magenta TV). Auch wenn die Elfenbeinküste bei acht Fouls weniger drei Gelbe Karten mehr kassierte.

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Der Punkt ist jedenfalls der, dass es aus deutscher Sicht fahrlässig wäre, die Ivorer auf ihre athletischen Fähigkeiten zu reduzieren. Denn der vielleicht beste Kader aller afrikanischen Nationen bei dieser WM, mit mehreren europäischen Topspielern, kann viel mehr als das.

19.06.2026, Kanada, Toronto: Fußball, WM 2026, Elfenbeinküste, Pressekonferenz. Emerse Faé, Cheftrainer der Elfenbeinküste, spricht bei der PK vor dem Spiel gegen Deutschland. Foto: Stephanie Scarbrough/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Wir fahren nicht in die USA, um Urlaub zu machen. Ich glaube, die Elfenbeinküste hat das Potenzial, etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Warum nicht das Finale anstreben?

Emerse Faé, Trainer der Elfenbeinküste

Kein Wunder also, dass Ecuador-Matchwinner Amad Diallo ankündigte: „Mit dem Sieg ist es noch nicht getan. Es liegen noch zwei weitere Spiele vor uns, und wir müssen sie mit derselben Einstellung angehen und versuchen, auch sie zu gewinnen. Wir sind hierhergekommen, um Geschichte zu schreiben.“

Für den deutschen Nationalspieler Jonathan Tah dürfte es indes auch ein besonderes Spiel werden. „Ich freue mich sehr auf dieses Spiel, weil es schon so ist, dass ich als Deutscher in Deutschland aufgewachsen bin. Aber durch meinen Vater habe ich was von der Kultur mitbekommen und fühle mich auch verbunden mit dem Land“, sagte der 30-Jährige. Er soll 2014 Anwerbeversuche des Verbandes ausgeschlagen haben, machte kürzlich mit seiner Familie aber Urlaub in Abidjan, um Kultur, Musik und Essen zu erleben.

Der Trainer

Ähnlich wie Diallo sparte auch Trainer Emerse Faé nicht an gewagten Aussagen. Nachdem der ivorische Verband eine Viertelfinal-Teilnahme als Ziel ausgegeben hatte, ging Faé noch weiter: „Wir fahren nicht in die USA, um Urlaub zu machen. Ich glaube, die Elfenbeinküste hat das Potenzial, etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Warum nicht das Finale anstreben?“

Obwohl die Elfenbeinküste noch nie eine Vorrunde bei einer WM überstand, bei den vergangenen beiden Turnieren gar nicht dabei war und beim Afrika-Cup durchwachsene Leistungen zeigte, scheint das Selbstbewusstsein also zur Genüge vorhanden zu sein.

Er kam wirklich als ein Niemand. Aber nach der ersten Trainingseinheit bin ich zum Sportdirektor und habe ihm die Hand geschüttelt und gesagt: ‚Gratuliere.‘

David Raum über den Ivorer Yan Diomande

Das dürfte auch daran liegen, dass Trainer Faé in der jüngsten Vergangenheit Erfolg hatte mit seiner Herangehensweise. So konnten aus einer defensiv stabilen und recht simplen taktischen Ausrichtung heraus vor allem die kreativen Offensivtalente glänzen.

Sie bescherten der Elfenbeinküste den Triumph beim Afrika-Cup 2024 im eigenen Land. In einer aussichtslosen Situation hatte der damalige Co-Trainer nach dem Rauswurf von Jean-Louis Gasset Faé übernommen und die Nation sensationell zum Titel geführt. Seitdem genießt der frühere Nationalspieler in seinem Heimatland großes Vertrauen.

Der Star des Teams

In Sachen Dribblings kann es Yan Diamonde mit den beiden deutschen Nationalspielern Florian Wirtz und Jamal Musiala ganz sicher aufnehmen. Der 19-jährige Flügelstürmer von RB Leipzig ist der Shootingstar der abgelaufenen Bundesliga-Saison und wurde beim Sieg über Ecuador zum Spieler des Spiels gewählt.

„Er hat sehr, sehr viel Qualität, aber ich weiß natürlich auch, wie man ihm den Spaß am Spielen nehmen kann. Ich habe ihn tagtäglich im Training erlebt“, sagte David Raum, ebenfalls Leipziger, am Rande der WM-Vorbereitung in Herzogenaurach vor wenigen Wochen. „Er kam wirklich als ein Niemand, keiner kannte ihn, eine hohe Rückennummer. Jeder dachte, er ist wahrscheinlich wieder irgendein Projekt, das nicht spielen wird. Aber nach der ersten Trainingseinheit bin ich zum Sportdirektor und habe ihm die Hand geschüttelt und gesagt: ‚Gratuliere.‘“

Die aktuelle Form

Neben Diamonde überzeugen derzeit auch Hoffenheims Bazoumana Touré, Diallo von Manchester United und der erfahrene Nicolas Pépé, der nach schweren Jahren in der jüngsten Spielzeit bei Villarreal herausragende 18 Torbeteiligungen in 36 Ligaspielen sammelte. Auf ihre pfeilschnellen Durchbrüche wird es in der Offensive ankommen. Aber auch auf die von Elye Wahi, dessen Einreiseerlaubnis nach Kanada erst abgelehnt und dann doch noch genehmigt wurde.

ARCHIV - 14.06.2026, USA, Philadelphia: Fußball, WM, 2026, Elfenbeinküste - Ecuador, Vorrunde, Gruppe E, 1. Spieltag, Philadelphia-Stadion. Amad Diallo aus der Elfenbeinküste jubelt nach seinem Tor zum 1:0. (zu dpa: «DFB-Gegner Elfenbeinküste: Diamant Diomande überstrahlt alle») Foto: Petr David Josek/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Amad Diallo avancierte mit seinem Treffer zum Matchwinner der Elfenbeinküste im Spiel gegen Ecuador.

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Und nicht zuletzt spielt die Defensive eine wichtige Rolle, zu der es aktuell noch ein paar Fragezeichen gibt. Denn die eigentlich so starke Abwehrkette, die in keinem der zehn Qualifikationsspiele zur WM und auch nicht gegen Ecuador ein Gegentor kassierte, wackelte beim Auftaktspiel in der ersten halben Stunde bedenklich. Zweimal traf Ecuador in dieser Zeit Aluminium.

Das lag wohl auch daran, dass mit Atalanta Bergamos Odilon Kossounou (einst Bayer Leverkusen) und Evan Ndicka von der AS Rom (einst Eintracht Frankfurt) zwei Leistungsträger verletzungsbedingt nicht in der ersten Elf auflaufen konnten. Beide könnten gegen Deutschland aber zurückkehren.

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Sollte es anders kommen, dürfte Trainer Faé eine gute Alternative in petto haben, schließlich hat er seine Mannschaft auch auf taktischer Ebene deutlich weiterentwickelt. Anders als beim Afrika-Cup, setzte man im WM-Testspiel gegen Frankreich nicht auf viel Ballbesitz, sondern mehr auf Umschaltspiel, und konnte dank eines spektakulären Konterspiels mit 2:1 gewinnen.

So oder so dürfte die Mannschaft von Trainer Nagelsmann ausreichend gewarnt sein, dass mit der Elfenbeinküste alles andere als ein einfacher Gegner wartet. „Wir sind mit der Mentalität gekommen, alles zu gewinnen. Wir wollen Geschichte schreiben“, kündigte Diomande an, auch wenn er zugab, dass die Aufgabe schwierig sei. „Aber wir warten auf sie.“

Wie weit es gehen kann

Sportlich ist für die Verantwortlichen bei der Côte d’Ivoire also alles drin. Ein entscheidender Faktor in dieser Frage sind aber auch die eigenen Fans. Diese wären mehr als bereit gewesen, ihr Team bei der WM anzufeuern, erhielten für die USA aber in zahlreichen Fällen keine Visa. „Das schmerzt uns zutiefst, weil es uns von unserer Aufgabe abhält, unser Team zu unterstützen“, sagte Julien Kouadio Adonis von der Fanvereinigung CNSE, die zum Sportministerium gehört.

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Umso mehr hofft die Mannschaft der Elfenbeinküste nun auf die Unterstützung aus der ivorischen Diaspora. Und darauf, dass zumindest ein paar Anhänger spontan noch nach Kanada einreisen dürfen.