Drei Kinder sitzen nebeneinander auf einem Sofa und schauen gemeinsam auf den Bildschirm eines Smartphones.

Umgehen mit VPN? Das geplante Social-Media-Verbot in Großbritannien soll auch den Zugriff über Umwege blockieren.

(Bild: Vukasin Ljustina / Shutterstock.com)

London will verhindern, dass Minderjährige per VPN das geplante Social-Media-Verbot umgehen. Details kommen im Juli.

Stunden nachdem die britische Regierung ihr Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige verkündete, suchten Teenager massenhaft bei Google nach VPN-Anleitungen. Statt sich brav aus TikTok, Instagram und Snapchat zurückzuziehen, googelten sie Umgehungswege – wie Birmingham Mail berichtet.

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Wie leicht diese Kontrollen scheitern, belegt eine aktuelle britische Studie: 46 Prozent der Kinder halten Online-Sperren für leicht umgehbar – ein 12-Jähriger überwand eine KI-Gesichtserkennung testweise mit einem aufgemalten Schnurrbart.

Premierminister Keir Starmer und Technologieministerin Liz Kendall stehen damit vor einem Problem, das Australien nach seinem Verbot bereits kennt: Wer Plattformen sperrt, ohne VPNs zu adressieren, baut eine Mauer, aber das Haus bleibt ohne Dach.

Kinder- und Familienminister Josh MacAlister erklärte gegenüber der BBC, es gebe „Optionen, ob wir die VPN-Nutzung an ein Mindestalter knüpfen könnten“. Die Regierung hat eine Konsultation gestartet, die sich auch mit Einschränkungen für KI-Chatbots und dem Alter der digitalen Einwilligung befasst.

Kendall kündigte an, im Juli mit einer konkreten Erklärung zu VPNs ins Unterhaus zurückzukehren. Das Social-Media-Verbot nach dem Modell „Australia-plus“ soll ab Frühjahr 2027 greifen.

Wie Apple, Google und VPN-Anbieter das Age-Gate umsetzen könnten

Wie ein Age-Gate für VPNs aussehen könnte, bleibt offen. Denkbar wären Altersprüfungen in den App-Stores von Apple und Google, Sperren auf Geräteebene über Kinderprofile oder vertragliche Pflichten für VPN-Anbieter, bei britischen Neukunden einen Altersnachweis zu verlangen.

Eine pauschale Blockade von VPN-Protokollen durch Internet-Provider gilt dagegen als unrealistisch – sie könnten auch Millionen Berufstätige treffen, die über VPN im Homeoffice arbeiten. Genau davor warnen Analysten auch mit Blick auf ähnliche EU-Pläne.

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Ofcom-Kontrolle: Warum KI-Gesichtsscans in der Kritik stehen

Ofcom, die für den Online Safety Act zuständige Aufsichtsbehörde, soll die Durchsetzung übernehmen, räumt aber selbst ein, dass Altersverifikation bei 16-Jährigen deutlich schwieriger ist als bei 18-Jährigen. Kreditkarten- oder E-Mail-Prüfungen greifen bei Minderjährigen nicht.

Die Behörde braucht laut Regierung neue Befugnisse – der bisherige Online Safety Act deckt VPN-Anbieter nicht ab.

Auch der Einsatz von KI-Gesichtsscans zur Altersschätzung steht in der Kritik: Ein interner Regierungsbericht zeigt, dass das beste getestete System bei afrikanischen Frauen aus Subsahara-Ländern um durchschnittlich 4,6 Jahre danebenlag.

Der europäische Domino-Effekt

Die britischen Pläne stehen nicht isoliert da: Auch EU-Rechtsberater warnen inzwischen, dass VPNs die gesamte europäische Altersverifikation aushebeln könnten. Während auf EU-Ebene noch über diese regulatorische Herausforderung diskutiert wird, hat die britische Regierung für Juli eine konkrete Erklärung angekündigt.

Parallel plant London, auf Kinderhandys alle Bilder per On-Device-KI auf Nacktinhalte zu scannen – ein Schritt, der Datenschützer europaweit alarmiert.