Diplomatische Krise weitet sich aus

Selenskyj schickt Orden nach Polen zurück – Hinweis auf Schröder

21.06.2026 – 00:56 UhrLesedauer: 3 Min.

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Wolodymyr Selenskjy bei einer Pressekonferenz: Der ukrainische Präsident legt im Streit mit seinem polnischen Amtskollegen nach. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/ROBIN VAN LONKHUIJSEN / ANP/imago)

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Mehrere ukrainische Politiker schicken polnische Auszeichnungen zurück. Hintergrund ist ein Geschichtsstreit, der eskaliert.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat einen umstrittenen Orden nach Warschau zurückgeschickt. Am Donnerstag war ihm die Auszeichnung vom polnischen Präsidenten Karol Nawrocki entzogen worden. Der Vorfall hat eine diplomatische Krise ausgelöst.

Selenskyj schrieb auf X, dass er verstehe, dass der Orden des Weißen Adlers eine besondere Ehrung darstelle. „Es ist ein Symbol des höchsten Vertrauens der Republik Polen.“ Ein derartiges Symbol brauche Verdienst, aber auch Respekt für die Werte, die die Basis der Gesellschaft formen.

Der ukrainische Staatschef hatte den Streit Ende Mai ausgelöst, als er einer Armeeeinheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der nationalistischen Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Doch in Polen sieht man das anders.

Ukrainische Nationalisten für Massaker an Polen verantwortlich

Denn im Februar 1943 hatten genau diese Nationalisten Massaker in der damaligen polnischen Region Wolhynien verübt. Die Forschung geht von bis zu 100.000 ermordeten polnischen Zivilisten aus. Historiker sehen darin keine spontanen Ausschreitungen, sondern eine zentral geplante ethnische Säuberung („Entpolonisierung“) der Westukraine, koordiniert von der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), einer radikal-nationalistischen, laut Forschung klar faschistischen Bewegung und umgesetzt durch UPA-Einheiten. Bei Vergeltungsaktionen starben zudem Tausende Ukrainer. In der Ukraine werden die UPA-Kämpfer teilweise als Helden angesehen, Polen spricht von einem Völkermord.

Nawrocki, studierter Historiker, verknüpft die Aufarbeitung der Wolhynien-Massaker direkt mit der Frage, ob die Ukraine in EU und Nato aufgenommen werden kann. Im Januar 2025 sagte er bei Polsat News: „Ein Staat, der nicht in der Lage ist, Verantwortung für ein sehr brutales Verbrechen an 120.000 seiner Nachbarn zu übernehmen, kann nicht Teil internationaler Bündnisse sein.“

Polen gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in dem seit mehr als vier Jahren andauernden Konflikt mit Russland. Zuletzt hatte sich die Stimmung in der polnischen Bevölkerung jedoch wegen der vielen Flüchtlinge und einem Streit um Getreideimporte aus der Ukraine gedreht.

Vergleich mit Schröder und Mussolini

Selenskyj äußerte sich nur indirekt zum Geschichtsstreit, in dem er Vergleiche heranzog. „Wenn daher die Ansicht besteht, dass dieses besondere Symbol bei (Zarin) Katharina II., bei (Italiens Diktator) Benito Mussolini und (Ex-Bundeskanzler) Gerhard Schröder verbleiben darf, dann haben wir dem in der Ukraine nichts entgegenzusetzen“, schrieb Selenskyj weiter. Er zeigte sich zugleich versöhnlich. Die Ukraine werde weiterhin offen sein „für alle sinnvollen Formate der Zusammenarbeit“, um widersprüchliche Auslegungen der schwierigen und schmerzhaften Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden.