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Verdächtig feuchte Flecken unter den Achseln. Hollywood-Stars wie Cameron Diaz (53), Halle Berry (59), David Hasselhoff (73) oder Steve Carell (63) schwitzen weit mehr als andere – und das nicht nur unter den gleißenden Scheinwerfern in TV-Studios und bei Filmdrehs. Sie leiden unter Hyperhidrose, einer krankhaften Schweißbildung. In BILD erklärt ein Top-Dermatologe, was dahintersteckt. Und was jeder von uns dagegen tun kann.
Weit über 30 Grad sind an diesem Wochenende in Deutschland angesagt. Menschen, die ohnehin schon leicht und stark schwitzen, hilft bei dieser Hitze kein 48-Stunden-Deo mehr. BILD fragte Hautarzt Dr. Uwe Schwichtenberg (61) aus Bremen, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen: Wann ist Schwitzen normal – und wann ein Alarmsignal?

Der Reißverschluss im Kleid von Cameron Diaz (53) lenkt die Aufmerksamkeit noch mehr auf ihr Schwitzen, als dass er etwas kaschiert
Foto: IMAGO/Capital Pictures
Normal oder krank?
„Ob normal oder krank: Es ist ein breites Spektrum zwischen ‚Ich schwitze ein bisschen mehr als normal‘ bis hin zu einer krankhaften Störung“, erklärt Dr. Schwichtenberg. Entscheidend sei die erste Frage: Schwitzt jemand nur an bestimmten Stellen – Achseln, Händen, Füßen, Kopfhaut – oder am ganzen Körper?
Genau diese Frage entscheidet, ob ein Hautarzt oder ein Internist konsultiert werden sollte. „Wenn wir eine generelle vermehrte Schwitzneigung haben, geht es aus dem dermatologischen Sektor raus“, warnt der Experte. Dann müsse nach inneren Ursachen gesucht werden: Diabetes, Schilddrüse, Leber – oder sogar Krebs.
In solchen Fällen stellt sich auch nicht mehr die Frage nach der Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Aber auch bei auf einzelne Körperstellen beschränktem Schwitzen werden viele Maßnahmen übernommen – vorausgesetzt, der Patient kann gemeinsam mit dem behandelnden Arzt eine erhebliche Beeinträchtigung im Alltag belegen. Wenn ein Lehrer beispielsweise regelmäßig mit sichtbaren Schweißflecken vor der Klasse steht, kann das schnell zu sozialen Problemen bis hin zu Ausgrenzung führen.
Zur Person

Foto: onlinedoctor.de
Dr. med. Uwe Schwichtenberg (61) ist einer der profiliertesten Dermatologen Deutschlands. Als Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) und Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BVDD ist er die Stimme der deutschen Hautärzte in der Öffentlichkeit.
Was der Hautarzt tun kann
Ist das Schwitzen lokal begrenzt, hat die Dermatologie ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten:
- Aluminiumchlorid – ausgerechnet das Mittel, auf das viele Deohersteller ausdrücklich mit dem Hinweis „ohne Aluminium“ verzichten! „Das ist ohne Zweifel das Effektivste“, so der Experte. Es verstopft die Schweißdrüsen mechanisch. Entwarnung bei den Sorgen um Alzheimer und Brustkrebs: Alle namhaften Fachgesellschaften sehen keinerlei wissenschaftliche Belege für ein Risiko.
- Leitungswasser-Iontophorese – Füße, Hände oder andere betroffene Stellen kommen in ein Wasserbad, durch das leichter Gleichstrom fließt. Das beruhigt die Schweißdrüsen. Muss aber regelmäßig wiederholt werden.

Der einstige Baywatch-Star und Sänger David Hasselhoff (73) schwitzt selbst im dünnen Seidenhemdchen übermäßig schnell und stark
Foto: WireImage
- Saugkürettage – Schweißdrüsen werden operativ abgefräst. „Das ist schon operativer, als sich der Laie vorstellt“, sagt Schwichtenberg. Oft sind Narben und Wiederholungs-OPs nötig.
- Tabletten (anticholinerge Medikamente, die übermäßige Schweißproduktion blockieren) – letzte Option bei Kopfschweiß. Können aber das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. „Auch nicht das Gelbe vom Ei“, so der Arzt.
- Botox-Spritzen – in den Achseln „sehr, sehr zuverlässig“, halbjährlich gespritzt. Doch an Händen und Füßen? „Das ist richtige Folter! Wenn Sie das ertragen, haben Sie eine krankheitswertige Störung – da gibt es keine Diskussion.“
Patentlösung gibt es nicht
Schwichtenbergs ernüchterndes Fazit: „Die Patentlösung, die man am liebsten hätte, ist schlicht und ergreifend nicht im Angebot.“ Aber immerhin ein Arsenal von Möglichkeiten, die die persönliche Not stark lindern können.
So hat Oscar-Preisträgerin Halle Berry ihr Problem mithilfe von Botox gelöst, nachdem sie zuvor noch offensiv mit ihrer Hyperhidrose umgegangen war. In einer Talkshow hob sie etwa ihre Arme und zeigte der Moderatorin und dem Publikum mehr als handtellergroße Flecken auf ihrem roten Kleid.
Die Moderatorin der „Ellen Show“, Ellen DeGeneres, schnappte sich daraufhin ganz pragmatisch zwei Servietten, um die Achseln des Superstars wenigstens ein wenig zu trocknen.
Selbst-Check mit Servietten-Test
Die Achsel wird getrocknet, dann wird vorgewogenes Filterpapier für eine festgelegte Zeit aufgelegt und danach erneut gewogen.
Aus der Gewichtsdifferenz wird berechnet, wie viel Schweiß pro Minute entsteht.
Als auffällig gelten in klinischen Studien an der Achsel mehr als 20 mg/min bei Männern und mehr als 10 mg/min bei Frauen. Für einen Mann heißt das: Wenn die verschwitzte Serviette nach 5 Minuten 100 Milligramm schwerer ist als vorher, dann ist das auffällig. Bei Frauen ist es die Hälfte.
Wiegen lässt sich so etwas nur mit Feinwaagen (aufs Milligramm genau!), die es aber im Internet bereits für Preise zwischen 10 und 20 Euro gibt.
Wichtig: Laut Guidelines der International Hyperhidrosis Society zählt nicht nur der Messwert – entscheidend ist auch, ob das Schwitzen Lebensqualität und Alltag spürbar belastet.