Ein Baugrundstück für ein neues Einfamilienhaus mit einer Grundplatte.

AUDIO: Mit Erbbaurecht günstig zum Eigenheim? (4 Min)

Alternative zum Kauf

Stand: 18.06.2026 11:25 Uhr

Bauen in der Großstadt ist teuer. Deswegen weichen viele Familien ins günstigere Umland aus. Das gilt auch für Leipzig, wo man die jungen Familien aber gerne halten will. Die Stadt bietet deswegen günstige Baugrundstücke an. Interessenten können die Flächen kaufen – oder sie entscheiden sich für das sogenannte Erbbaurecht. Dabei kann man auf dem Grundstück bauen, dass man sehr langfristig und recht günstig von der Stadt pachtet, aber auch sehr lange bezahlt.

von TIll Ganswindt, MDR AKTUELL

Der Vorteil des Erbbaurechts für Familien liegt auf der Hand: Sie müssen sich eigentlich nur um die Finanzierung des Hauses kümmern. Für das Grundstück wird nur ein Erbrechtszins fällig, den man an die Stadt überweist.

René Hobusch, Präsident des Eigentümerverbandes Haus und Grund in Sachsen, erklärt das so: „Der Eigentümer des Einfamilienhauses, das errichtet werden soll, hat den Vorteil, dass mit dem Erbbaurechtszins meist die Kosten günstiger sind als die Kreditzinsen am freien Finanzierungsmarkt und dass das Grundstück nicht zusätzlich zum Hausbau mit einem Kredit finanziert werden muss.“

Daniel Lindner und Caro Bruns auf ihrem Grundstück in Groß Santersleben

Erbpacht kann langfristig teurer als Kauf sein

Der Haken dabei: Der Eigentümer des Hauses ist dann nicht Eigentümer des Grundstücks, auf dem das Haus steht. Hinzu kommt, dass die Verträge für diese Erbbaurechte meistens zwischen 60 und 99 Jahren laufen. Und so lange zahlt man auch den Zins.

„Das kann unterm Strich natürlich am Ende auch teurer sein, als den Kaufpreis für ein Grundstück zu finanzieren“, erklärt Hobusch. Das komme auf die jeweiligen Verhältnisse am Immobilienmarkt und bei der Finanzierung an.

Ein Szenario, das für viele offenbar wenig attraktiv ist. Diese Erfahrung hat man in Leipzig gemacht. Dort hatte man vor drei Jahren schon mal den Versuch unternommen, Grundstücke nach Erbbaurecht auszuschreiben. Davon konnte man damals aber nur ein Drittel veräußern, sagt Matthias Kaufmann, Leiter der Liegenschaftsamtes. „Wir hatten im Nachgang bei allen unseren Bewerbern nachgefragt: Warum habt ihr denn nicht geboten? Was waren die Gründe? Und der am häufigsten genannte Grund war das Erbbaurecht, was viele offensichtlich abgeschreckt hat.“

Einfamilienhäuser werden in der Region Hannover gebaut.

Banken sehen Erbpacht als Risiko

Das Amt kommt in seiner Auswertung zu dem Ergebnis: Familien mit mittleren oder geringen Einkommen sehen keinen Vorteil gegenüber einem Kauf. Auch Banken und Finanzierer stufen das Modell demnach als Risiko ein, weil Erbbaurechte nur zeitlich begrenzt sind. In Leipzig hat man deswegen entschieden, das Verfahren zu öffnen. Ab Ende des Monats können sich interessierte Familien auf elf Grundstücke bewerben und dabei zwischen Erbbaurecht und Kauf wählen.

Beide Varianten seien vergleichsweise günstig, sagt Amtsleiter Kaufmann. „Wir bieten die Grundstücke zu einem Festpreis an. Das heißt, wir haben die Grundstücke durch Bewerter bewerten lassen und zu diesem Festpreis wird es am Markt angeboten. Da kommt jetzt nicht noch mal ein Aufschlag von 20, 30, 40 Prozent drauf, sondern es ist der amtlich festgestellte Verkehrswert, der hier angeboten wird.“

ein Maurer vor einer halbfertigen Mauer

Fachkräftemangel, Lieferengpässe, Zinsen

Soziale Kriterien entscheiden über Zuschlag

Wer den Zuschlag bekommt, entscheidet sich dann nach sozialen Kriterien, sagt Kaufmann. Zum Beispiel: Gibt es mehrere Kinder in der Familie? Haben Familienmitglieder eine Behinderung? Gibt es Pläne, ein Mehrgenerationenhaus auf das Grundstück zu bauen? Aber auch ein Arbeitsplatz in der Stadt oder ein ausgeübtes Ehrenamt erhöhen die Chancen. Wer schon Wohneigentum besitzt, hat dagegen schlechtere Karten.

eine Collage: Kabarettist Mike Hoffmann (l.), Schauspielerin Mai Duong Kieu (m) und Buchautor Arnold Bartetzky (r.)

35 Jahre deutsche Einheit

Die MDR-Dokumentation „Boom Boom Leipzig – Zwischen Visionen und Größenwahn“: Wie wurde aus der der hoffnungslos heruntergewirtschafteten Sachsenmetropole eine der lebenswertesten Städte Deutschlands?