Das Straßenfest „Rue de la Musique“ verwandelte am Samstag einen Teil der Augustenstraße in einen Ort voller Musik, Lachen und Leichtigkeit. Wie kam das Fest bei den Besuchern an?

Ein Hauch Savoir-vivre weht am Samstag beim Straßenfest „Rue de la Musique“ durch die Augustenstraße. Schon von Weitem hört man Kinderlachen und entspannte Musik, die von der Bühne am Ende der Straße kommt. Wo sonst Autos fahren und parken, krabbelt ein Baby in Windeln über den Asphalt. Der ist trotz der heißen Temperaturen kühl – ein langer Wasserschlauch kühlt die Augustenstraße vor dem Kulturzentrum Merlin angenehm ab.

Die Menschen liegen in Liegestühlen auf der gesperrten Straße und genießen ihr Wochenende. „Ich wohne direkt ums Eck, so einen Ort der Erholung direkt vor der Tür – das sollte es öfter geben“, sagt Thomas aus Stuttgart-West, der im Liegestuhl am Rande einer aufgebauten Tischtennisplatte sitzt und eine kalte Saftschorle genießt.

Straßenfest nach französischem Vorbild

Dass die Augustenstraße am Samstag ein Ort der Begegnung und Lebensfreude und keine großstädtische Asphaltwüste ist, verdanken die Menschen dem Kulturzentrum Merlin, das hier zum dritten Mal das Fest „Rue de la Musique“ veranstaltet. Während andere an diesem Samstag die Hitze in der Stadt verfluchen, herrscht hier eine entspannte Atmosphäre.

Es fällt nicht schwer zu glauben, dass dieses Fest ein Vorbild in Frankreich hat: die französische „Fête de la Musique“, die jährlich am 21. Juni zur Sommersonnenwende in ganz Frankreich stattfindet. „Mein Kollege hatte die Idee, das auch hier zu machen. In Frankreich schmeißt jede Bar einfach einen Teppich raus und darauf spielt eine Band. Die Autos fahren drumherum. Das geht hier leider nicht. Deshalb haben wir überlegt, auf jedem Superblock ein Konzert zu machen. Aber dafür gibt es sehr strenge Auflagen, deshalb haben wir uns dann dafür entschieden, eine Bühne aufzustellen und die Straße teilweise zu sperren“, erzählt Annette Loers, Geschäftsführerin des Kulturzentrums Merlin.

Sängerin Elena Seeger spielte für die Besucher. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Zwei Bühnen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Jahr aufgebaut: eine im Hinterhof des Merlin und eine kleine mitten auf der Augustenstraße. „Letztes Jahr hatten wir eine große Bühne, das war toll, aber auch ein bisschen viel. Nur, weil etwas funktioniert, muss man es nicht jedes Jahr größer machen. Wir sind bewusst einen Schritt zurückgegangen. Das soll ein entspanntes Straßenfest sein, bei dem die Menschen zusammenkommen“, erzählt Loers weiter.

Auf den Bühnen zu Gast sind beispielsweise das Duo Sugartin und die Band Rahî aus Stuttgart. Außerdem treten zahlreiche Singer-Songwriter auf, und ab 20 Uhr gibt’s eine Kopfhörerdisco im Hof des Merlin.

„Man kann die Kinder einfach rennen lassen“

Um solch ein Fest auf die Beine zu stellen, braucht es viele helfende Hände. Von der Stadt gibt es zwar eine kleine Förderung, wie Loers erzählt, aber die reiche gerade mal für die Technik und die Gagen der Künstlerinnen und Künstler. Unterstützung bei der Organisation bekommt das Merlin deshalb vom Feierabendkollektiv und dem EUNIC-Cluster Stuttgart.

Die Besuchenden freuen sich über den familiären Charakter des charmanten Fests. Anwohnerin Manon, Partner Simon und ihre Kinder sitzen am Rand des Festes an einer Biertischgarnitur und unterhalten sich, während die Kinder mit ihren Freunden über die Straße flitzen und spielen. „Wir sind hier mit Leuten aus der Kita, die ist ja auch gleich hier ums Eck. Wir finden es mega cool hier. Es ist einfach so entspannt für uns. Man kann die Kinder einfach rennen lassen, weil keine Autos fahren und es nicht überlaufen ist. Uns gefällt es sehr gut.“ Manon, die aus der Bretagne stammt, freut sich außerdem über das Stück Frankreich im Stuttgarter Westen: „Es ist ein Stück Heimat. Natürlich kleiner. In Frankreich steht vor jeder Bar eine Band. Aber ich finde es dennoch sehr schön“, sagt sie.

Genau diese entspannte Atmosphäre ist es, die den Reiz des Fests ausmacht. Die Menschen kommen kurz aus ihren Wohnungen und können direkt vor der Tür feiern. „Viele machen auch einfach die Fenster auf und hören die Musik“, berichtet Annette Loers. Und mehr wollen Loers und ihr Team gar nicht: einfach „ein gemütliches Fest für die Nachbarschaft, das klein und charmant ist“. Ein Vorhaben, das ihnen nach Meinung vieler Besuchender geglückt ist.